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sieben Ewigkeiten, und alle Blutschuld von Israel und Edom falle über mein Haupt zusammen wie die Felsen von Josaphat. Also geschehe mir, wofern ...." – "Halt ein mit dem grässlichen Schwur, der den Ungläubigsten überzeugen müsste von der Wahrheit dessen, was Du gesagt!" unterbrach ihn Ester schaudernd, indem sie mit schneller Hand eine Locke vom haupt schnitt, und sie dem falschen Boten hinreichte: "Da; nimm, rätselhafter Mensch, der bald die Hölle selbst in sich erschliesst, bald eine menschliche Regung kund gibt. Bringe den armen Gefangnen in Babylon Trost durch dieses Zeichen, und lass den hochgelobten Gott Deine Seele lenken, dass Du erwachsen mögest aus dem Schlummer der Sünde, und widerrufest, was Du gelogen und falsch beschworen. Zodick!" fuhr sie fort, da er stumm und stier, wie nachsinnend vor sich hinsah, und sie dieses Schweigen für eine menschliche Rührung nahm: "Zodick! Höre mich! Noch habe ich mich nicht herabgelassen, zu flehen bei Dir; heute aber tue ich es. Höre den Jammer eines Kindes, das seinen Vater sieht sterben in Not und Pein. Auch Du willst einst Vater werden. Lass Dich rühren das Schicksal Ben David's, Deines väterlichen Freundes. Nimm sie zurück, diese Anklage, die drei Menschen erbärmlich hinwürgt, wie schuldlos gepeinigte Lämmer."

"Schweige!" entgegnete Zodick überrascht: "Das geht nicht; aber, Gott soll mir helfen, das Ärgste will ich treiben ab, so Du mir sagst: Massal tosch!" –

Mit einem Blicke des Abscheus wendete sich Ester ab, und der freche Brautwerber drohte ihr grinsend mit dem Finger: "Was man oft verweigert in Güte," murmelte er spottend, "das gewährt man oft der Gewalt. Gute Feiertage, Schickselchen. Wir sehen uns wieder. denke an mich." –

Mit der Schnelligkeit eines Kobolds huschte der Mensch über die Treppen hinunter, und entkam glücklich, wie sich aus der Ruhe des Hauses schliessen liess. Statt seiner fand sich bald die alte Crescentia ein, und weckte Ester aus den bösen Träumen, in welche sie der Besuch des gefürchteten Zodick versetzt hatte. – "Gute Ester," sprach die Frau, nicht ohne eine kleine innere Bewegung zu verraten: "ich bitte Dich, ja recht ruhig Dich hier oben zu verhalten, damit Deine Unwesenheit nicht kund werde." – Nun erst fiel Estern der Besuch des alten Dieter ein, und aufschreckend fragte sie: "Bin ich entdeckt? Hat mich Herr Frosch ausgekundschaftet?" – Crescenz schwieg ein wenig betroffen, dann entgegnete sie: "Ei, ei, Mägdlein, wie kannst Du wissen, dass Herr Frosch der Altbürger hier gewesen, wenn Du nicht gelauscht hast an der untern Treppe? Diese Neugierde ist euch Juden angeboren, hätte Dich aber diesmal in grosse Gefahr bringen können. Der alte Herr war ohnehin so aufgeregt und unwirsch, ... und wenn er vollends Dich gesehen, – erfahren hätte, wen ich hier ohne sein Vorwissen beherberge .... – beim Stöcker sässest Du, und ich wäre um den kommlichen ruhigen Dienst." – Ester erwiderte nichts, da sie es nicht geraten hielt, den gehabten Besuch anzuzeigen, und die geschwätzige Crescenz fuhr fort: "Zum Glücke hat es diesmal nicht Dir gegolten, Du mein armes neugieriges Heidenkind; aber neue Hausbewohner hat der Herr auf den Schellenhof gebracht, und da dieselben gerade unter dieser Giebelstube ihren Sitz aufgeschlagen haben, so empfehle ich Dir leise Socken und ein hübsches feines Schweigen." – "Neue Hausbewohner?" fragte Ester: "Herr Dieter Frosch hat sie gebracht?" – "Jawohl;" seufzte die Alte, und schlug, achselzuckend gegen Himmel sehend, ein Kreuz: "Die Welt wird immer böser und verdrossener von Tag zu Tage. Komm' ich mir doch beinahe vor, wie der Gefängnisswärter hüten, die man in der Stadt nicht wohl aufheben mag." – Ester seufzte tief auf. – "Nu, nu," fuhr die Alte fort: "das soll Dir nicht zum Gehör geredet sein, mein Däuschen. Du bist, abgerechnet, dass Dein Vater ein Jude ist, wofür Ihr beide, er und Du nichts könnt, ein seines reines Mägdlein, und ich wollte auf Deine Ehrbarkeit einen Eid schwören, bloss allein, weil Junker Dagobert Dich seines Schutzes würdigt; allein die da unten ist nicht mehr rein wie der Schnee und die Apfelblüte an meinen Bäumen, und ich wollte alles verwetten, dass in ihr der Grund alles Zwiespalts im Froschiachen haus aufzusuchen ist." – "Wer ist diejenige, von welcher Ihr sprecht?" fragte Ester. – "Die Magd ist's, die so eben der alte Dieter hieher geleitet, und sammt einem holden Töchterlein in meine Verwahrung gegeben hat, bis auf weiteren Befehl. Er nimmt Anteil und sorge an dem Töchterlein, sagt er, und ich glaube es wohl, denn man müsste blind sein um nicht die Wahrheit zu erraten. Er findet es nicht geraten, das Mägdlein und deren Mutter in seinem eignen haus zu beherbergen. Das meine ich auch, sintemalen die Hausfrau daselbst das Regiment führt, und solche vom Himmelgefallene Kinderleins mit scheelen Augen ansehen würde. Da soll denn nun mein guter ehrlicher Schellenhof das Nest sein, wo fremde Eier, Kuckuckseier, verwahrt werden mögen." – "Aber, was bedeuten denn diese