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versetzte der Bauer langsam, und kratzte sich auf dem Wirbel: "Herr, wenn ich das wüsste, mein Seel, ich wollt's Euch sagen." – "Ist der Mann hier Dein Vater?" sagte Dieter zu dem kind, das sein Köpfchen an des Alten Brust legte. Es schüttelte aber auf diese Frage das Haupt, und antwortete mit kindischem Lallen: "Nein, nein, Vater weit, Mutter weit, Agnes ganz allein gelassen!" – Dieter begütigte das Mägdlein, so gut er es vermochte, und wendete sich wieder zu dem dämischen Boten, der mit eingebogenen Knieen und vorgestrecktem Halse da stand, ein gleichgültiger Zuschauer. – "Wer bist denn Du, Mensch, und wie hängt das Alles zusammen?" fragte der Altbürger. – "Mein Seel," entgegnete der Bauer: "guter Herr und Freund, ich will Euch wohl sagen, dass man mich Paul getauft hat, und dass ich ein eigner Mann des gestrengen Grafen von Katzenelnbogen bin. Wir armen Leute wissen nicht, wie alt wir sind, aber, dass der Johannistag heuer zum ein und zwanzigsten Mal wiederkommt, seitdem ich mich mit meiner Willhild habe einsegnen lassen dürfen zu Wiesbad, – denn wir zu Moorweiler haben keinen pfaffen für uns, – das weiss ich genau." – "Willhield?" wiederholte Dieter; "wäre die Pflegerin meines Söhnleins ... des Herrn Dieter's – wollte ich sagen, – wäre sie Dein Weib?" – "Mein Seel, Herr, sie ist's, wenn uns anders der Leutpriester recht eingesegnet hat." – "So rede schnell. Was ist's mit dem kind, und was soll es bei Frau Margareten?" – "I nu," redete Paul: "mein Weib meint, dass es am Besten da aufgehoben wäre, weil es doch einmal die Tochter von der Frau ist." – "Wer?" rief Dieter mit gallebewegtem Blute: "Wer ist Margaretens Tochter." "Ho, die müsst Ihr wohl kennen, wenn Ihr der Freund vom haus seid;" entgegnete der Bauer: "das schöne Weibsbild, das vorige Woche von der Heerstrasse gestohlen wurde." – "Wallrade?" –

"Recht, so heisst sie;" fuhr Paul fort: "und ihr Töchterlein ist das Kind hier, das sie bei uns zurückgelassen hat. Wir sollten's ihr aufheben, bis sie wieder käme." – "Wallradens Kind?" sprach Dieter bestürzt und entsetzt vor sich hin: "Barmherziger Gott! in welchen Höllenschlingen finde ich bei jedem Schritte Alle, die ich liebe!" – "Wie kam denn das fräulein zu Euch!" setzte er laut hinzu. "Zu Wagen, lieber Freund;" antwortete Paul: "Was die Weiber mit einander schwätzten, weiss ich nicht, denn ich hatte die Frohne für meinen gestrengen Herrn, und die Willhild sagt mir auch nicht viel. Genug, da es Sonnabend war vor des Herrn Geburt, sollte ich mit herein und auf Alles Ja sagen, was die Frau, die Mutter nämlich von diesem kind, erzählen und vorbringen würde." – "Vor des Herrn Geburt?" wiederholte Dieter kopfschüttelnd: "Mensch, bist Du irre; vor Ostern vielleicht?" – Meinetwegen vor Ostern, wenn das nicht Eins ist, was wir ungelehrte Leute nicht wissen. Es ist einmal noch nicht lange her. Die Frau war sehr aufgebracht und sagte einmal über das Andremal: "Ich will zurückkommen, ich will dem Vater sagen ... doch, das geht Euch nichts an, und ich weiss es auch nicht mehr so recht." – "O meine Ahnung!" murmelte Dieter durch die Zähne: "Strahlende Gewissheit bist Du geworden. Wallrade hat den wunden Fleck meines Hauses getroffen, Willhild zum Bekenntniss gebracht, den Bastard in meinem Geschlechte entlarvt. Ich müsste ihr danken, hätte sie nicht ähnliche Schande auf mein Haus gehäuft!" Er sah bei diesen Worten das Kind auf seinen Armen finster an, und drang in Paul, endlich doch fortzufahren, und zu endigen.

"Ich bin schon zu Ende:" versicherte der Bauer! "Die Frau wurde gestohlen, und ich lief heim, ohne zu wissen, wo sie hingekommen." Einer von den Teufelsburschen hat mich gejagt wie einen Hasen, und Willhild mich noch obendrein ausgescholten. Und da die Frau nicht widerkam in den nächsten Tagen, und keine Kunde von hier aus, so redete meine kluge Willhild zu mir: "Morgen, Paul, nimmst Du das Mägdlein im Korbe mit Dir, und trägst es zu Frau Margareten, denn die Mutter, fürchte ich, ist dahin, und ich könnte nicht ruhig sterben, wenn das Kind nicht versorgt wäre. Sage der ehrsamen Frau, sie soll mir nicht böse sein, allein ich musste reden, um unser beider Seelenheil, und dass der alte Herr nicht ferner betrogen sei." – "Hörst Du, alter Tor?" fragte Dieter knirschend in sich hinein: – Weiter, Paul! – "Lass Dich aber nicht vom Herrn erwischen," sagte das gute Weib ferner, fuhr Paul fort: "Es könnte mit diesem kind auch einen Hacken haben, wie mit dem Johannes, und zu viel Verdruss auf einmal muss man dem lieben Herrn nicht machen." –

"Schweig!" herrschte Dieter dem Erzähler zu