Ben David schnell zuging, um ihn zu umarmen, und ihm die Hand zu küssen. "Ein Strahl der Milde bricht in die Hütten Jakobs!" sagte er heftig bewegt: "Raaf! zage nicht, und vertraue dem Herrn!" – Jochai schwankte hinaus mit dem Begleiter. Der Oberstrichter hatte seinen ganzen fürchterlichen Ernst wieder gesammelt, und redete zu Ben David. "Du siehst, wie barmherzig ich sein kann. Ich habe Wille und Vollmacht, für Dich ein Gleiches zu tun, wenn Du weniger halsstarrig sein wolltest. Friedrich's Klage ist klar wie die Sonne, aber ein schwerer Verdacht, der sich in des Volkes stimme gegen Dich erhebt, bedarf Deines bestätigenden Geständnisses. Bekenne, dass Du Dieter's Mörder sein wolltest, angereizt und besoldet von seinem treulosen weib. Gestehe ohne Scheu. Eine gnädige Behandlung, ein leichter Tod sei Dein Lohn dafür." – "Heer!" erwiderte Ben David ohne Bedenken: "Wär' ich allein in das Gewebe verflochten, das mich Unschuldigen droht zu erwürgen, so sagte ich ohne Wahl und Furcht ein lautes: 'Ja!' Zu glücklich, um damit zu erkaufen Linderung der Kerkerqual, und einen schnellen, beschleunigten Tod unter den Fittigen des Boten der Barmherzigkeit, Gabriel, welcher die Seelen der unschuldig Sterbenden hinüberführt gegen Canaan. Aber es ist wider das Gebot, eine fremde, schuldlose Seele mit zu tödten durch falsches zeugnis. Ich kenne die Ehewirtin des Altbürgers nicht." – "Du lügst;" entgegnete der Oberstrichter gereizt: "Du warst oft in ihrem haus; ich habe Zeugen." – "Gehandelt hab' ich mit der ehrsamen Frau;" gab David zu: "Doch soll mir Gott helfen, kenn' ich sie weiter." – "Du lügst!" zürnte der Oberstrichter heftig: "Man hat Dich zur dunkeln Nachtzeit aus dem haus schleichen sehen, in welches Du hineingekommen warst, unbemerkt, von Niemand geachtet. Du warst in fremder Tracht, beladen mit Geld, wie es schien, und doch wurde von einem Diebstahl nichts gehört. Also hast Du damals den Lohn des blutigen Werks im Voraus empfangen, und den Handel geschlossen." – "Gestrenger Herr!" entgegnete Ben David, seine Betroffenheit künstlich verbergend: "Da Meister Dieter Frosch angefallen wurde, war ich zu Costnitz, und geträumt hat dem, der mich vermummt gesehen haben will."
"Du ermüdest meine Langmut!" schalt der Oberstrichter: "In der Folterkammer wirst Du geschmeidiger werden, sage ich Dir indessen voraus. denke an mich!"
"Ich will es erwarten, Herr;" antwortete Ben David ruhig, und liess sich geduldig die Ketten wieder anlegen, und in sein trauriges Verliess zurückbringen.
Achtes Kapitel.
Ich bin ein leibeigner Bauer,
Mein Leben wird mir sauer;
Ich steige auf den Birkenbaum,
Davon haue ich mir Sattel und Zaum;
Ich bind meine Schuhe mit Bast,
Ich füll' meinem Junker den Kast,
Leiste dem Pfarrherrn die Pflicht
Und weiss von Gott und seinem Worte nicht.
Liefländisches Volkslied.
"Wohin?" fragte Dieter, im Begriff, sein Haus zu verlassen, um in seinem Garten Zerstreuung zu suchen, einen Mann in bäurischer Tracht, der, einen Tragkorb auf dem rücken, die Treppe hinanstieg. Der Mann hielt auf diese rasche, unvermutete Frage still, sah mit offnem mund hinauf, strich sich die Haare von der Stirne, und fragte, die Mütze in der Hand, entgegen, ob hier die Frau Altbürgerin Margarete Frosch wohnhaft sei. Dieter bejahte, und winkte dem Zaudernden näher zu kommen. "Was soll denn die ehrsame Frau?" begann er, dessen Misstrauen durch die scheu umherschweifenden Blicke des Bauern erregt wurde. – "Ich muss selbst mit ihr reden;" meinte hierauf der Letztere, und die liebe Dummheit sprach sich in seinen Zügen und Worten aus: "Der Herr soll nichts davon erfahren, hat mein Weib gesagt; oder – seid Ihr vielleicht der Herr?" – "Nicht doch;" erwiderte Dieter kurz: "Ich bin Frau Margaretens vertrautester Freund, und Du kannst nichts Besseres tun, als auch mir Dein Gewerb vertrauen, weil die ehrsame Frau verreist ist, und unter einigen Tagen nicht wiederkehrt." – "So?" sprach der Bauer, auf den Stock gelehnt: "Das ist einfältig, guter Freund. Wer wird mir denn abnehmen, was ich in meinem Kober trage?" – "Tritt hier herein!" befahl Dieter, die tür seiner stube öffnend: "Ich will Dir Botschaft und Wert abnehmen, Deine Zunge und Deinen rücken ledig machen." – Der Bauer sah sich verwundert in der stube um, und wusste nicht recht, ob er niedersetzen oder fortgehen sollte. Dieter gebot ihm hingegen nachdrücklich, den Inhalt des Korbes vorzuweisen; und mit einer dummpfiffigen Miene gehorchte endlich der Mensch. Mit einem verstockten Lächeln zog er die grobe Leinwand von dem Korbe, in welchem ein kleines Mägdlein sass, das seine Händchen bittend dem Alten entgegenstreckte. Dieter nahm das holde Kind schnell aus dem unbequemen Versteck, und mass staunend bald den Träger, bald seine Bürde. "Was soll das?" fragte er: "Ein Kind?" – Der Bauer lachte, und wiederholte: "Mein Seel, Herr, es ist ein Kind." – "Wessen Kind? Sag an?" – "Hm!"