, einen der Hauptmörder mit dem Namen: 'der Jude' bezeichnen gehört zu haben, und würden gewiss den David von Angesicht zu Angesicht erkennen, wäre er ihnen damals nicht immer in einer unkenntlichen Vermummung erschienen. Kurz: die Zeit bricht ein Stück nach dem andern von dem Bollwerke ab, das eure Heuchelei um die Wahrheit gezogen hat. Gerade jetzt ist es noch Zeit zu bekennen, um die schwere Hand der gesetzlichen Rache in ihrem Falle etwas aufzuhalten, und ein milderes los zu gewinnen, wenn es sein kann. Wir haben daher auch nicht gesäumt, der an uns gegangenen Aufforderung diesenfalls zu entsprechen, und begehren von Dir, Jochai, dass du sonder Ausschweife an den Tag gebest, was Du zu bekennen hast." – "Zu bekennen, Herr!" sagte der durch Hingebung seines Sohns mutiger gewordne Greis: "Gott soll mir helfen, wenn ich weiss, was ich bekennen soll, wenn es nicht ist unsre Unschuld." – Ben David schwieg befriedigt, aber des Oberstrichters schlaufreundliche Miene wandelte sich in eine frostige um, da er die Weigerung des Alten hörte. – "Wie?" fragte er: "Hast Du Deinen Vornamen sobald geändert? Man sagte mir doch ..." – "Edler Herr!" versezte Jochai mit scheinbarer Offenherzigkeit: "So uns der hochgelobte Herr der Welt Stärke verleiht, so werden wir selbst unter Folterpein nicht aussagen, was uns, sind wir gleich fleckenlos wie das Lamm, den Stab bricht; um wie viel mehr müssten wir die Zunge schelten, die an uns zur Lügnerin werden wollte, freiwillig, ohne Not." – "Aber," polterte der Richter aufwallend, "Du sagtest doch selbst, alter Sünder ...." – Jochai schüttelte schweigend den Kopf, wie Einer, der seiner Sache sehr gewiss ist, und, mit einem Lächeln, nur den Unglauben eines Andern straft. Diese Geberde machte indessen den Richter hitziger. "Läugne nicht, Jude," sprach er drohend: "Friedrich hat die Lügen verabscheuen gelernt im Schoose des wahren Glaubens. Du warst geneigt zu bekennen .... so bekenne denn. Deine Aufrichtigkeit kann nur wohltätigen Einfluss auf Dein, selbst auf deines Sohns Geschick haben. Bekenne die erschreckliche Kreuzigung des Knaben, die hauptsächlich dir zur Last gelegt wird, hast Du einmal diese erste und grösste Missetat von Allen gestanden, dann, wird das Bekenntniss der Übrigen leichter." – Jochai warf einen verstohlenen blick auf den unerschütterlichen Ben David, und sagte dann entschlossen: "Gestrenger Herr ...." mir sollen alle Glieder erstarren zu Eis, wenn ich anders sagen kann, als: "Wir sind unschuldig." Der abtrünnige Knecht Zodick hat auch heute gelogen wie in seiner Klage. Gras wachse vor seiner Tür, und Er soll sein der letzte nach allen Menschen auf der Erde. "Ich werde nicht bekennen, was ich nicht weiss." –
"Ja, verdammter Jude!" brach der Oberstrichter los: "Du hast Bekenntniss und Lüge in einer tasche. Die wenigen Augenblicke, die du mit diesem Elenden hier allein geblieben, alter Tor, waren hinreichend, dich umzustimmen, und nun soll Friedrich gelogen haben, obgleich ...."
Hier verstummte der edle Herr, weil ihn beinahe der Zorn veranlasst hatte, zu gestehen, dass er alles hinter jener Wand verborgen, mit angehört. Jochai entgegnete jedoch mit treffendem blick und bitterm Lächeln: "Und wenn ihr selbst, gestrenger Herr, mit Euern eigenen Ohren gehört haben wolltet, was Euch Zodick sagte, so müsste ich erklären, dass Ihr Euch irrt." – "Genug;" fuhr der Oberstrichter fort: "Ich sehe, dass Ihr unverbesserliches Gesindel seid. Was jener blut- und raubdürstende Mensch, dein Sohn, an Kraft und Geschick, das Böse zu tun, vor Dir voraus hat, das ersetzest du durch deine hundertjährige Schlauheit und Tücke. Aber – was es nun auch sei – boshafte Lüge, beginnender Wahnsinn des Alters, oder jene Vergesslichkeit, die den ergrauten Bösewicht zuweilen befällt, und seinem Gedächtnisse schwere Frevel entrückt, als ob sie nie vollführt worden wären, ... ich will Dich schon zum geständnis bringen. Die Verworfenheit, die rund um unser Weichbild, und innerhalb desselben, das Haupt zu Raub, Todschlag und Brand erhebt, zittert vor meinem Namen, meinem Ansehen und Eifer. Diese Schrecken der Zügellosigkeit sollen auch nicht an zwei erbärmlichen Juden erlahmen. –"
"Gebraucht Eure Macht, ehrbarer und strenger
Herr;" sprach Jochai mit leidender Demut: "der Mensch ist ein schwach Gefäss in den Händen seines zornigen Feindes, sagt der Rabbi Jose, auf welchem der Friede sei, und das Paradies seinem Andenken. Der grosse Tag, jenseits des Meeres, hat aber ein Andrer gesagt, wird ausgleichen Alles, was geschehen ist zwischen Auf- und Niedergang. Ich sage nicht, was nicht ist, wenn ich unsre Unschuld bekräftige. Der Wahnsinn, dieser Aussatz, mit welchem die Schedim den inneren Menschen schlagen, wie Job geschlagen ist worden von dem Fürsten der Wildniss, von dem haarigen Bocke, redet auch nicht aus mir. Aber auch nicht Vergesslichkeit, erzeugt vom Übermaasse der Verbrechen, hat entrissen meinem Gedächtnisse, was einst, wichtig wie allenfalls sein kann ein Mord, sich ihm einprägte. Ich weiss noch herzuzählen an den Fingern die zweihundert und acht und vierzig Gebote, wie