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annehmen wolltet. Denn dem tod seid Ihr gewiss, wenn Ihr Euere Habe verhehlt, und der Tod in Flammen ist schrecklich Bekennst Du hingegen, Ben David, dass Du den Altbürger Frosch ermorden wolltest, auf Anstiften und Anregen seiner Ehefrau, so will der Altbürger selbst ein Fürwort einlegen, dass Eure Strafe in die leichteste verwandelt werde, weil er seinem Mörder Gutes zu tun wünscht. Beeilst Du Dich, die Gnade des Herrn zu verdienen, so könnte wohl gar noch werden bewiesen, dass Jochai im Wahnsinne gehandelt, da er den Knaben gekreuzigt im Keller, und könnte ihm, ob seines Alters Elend, noch werden geschenkt das Leben." – Jochai befühlte sich bei diesen seltsamen Eröffnungen den Kopf, gleich als ob er aus einem bösen, bösen Traume aufzuwachen im Begriff stände. Ben David hingegen gewann eine Ruhe und Heiterkeit, die gleich sehr gegen den dumpfen Jammer des Vaters, wie gegen die befangene Frechheit Zodicks abstach. "Ich sehe jetzt;" sprach er recht laut und vernehmlich: "dass ganz Frankfurt toll geworden. Das Ungeheure könnte mich schier bringen zum lachen. Wenn jetzt plötzlich aufstiege ein Nebel des Gewässers, und unsichtbar machte die Brückentürme oder Sachsenhaufen .... was gilts ... der arme David müsste sie gestohlen und seinem Vater gesteckt haben in den Schnappsack. Geh, geh, Du lächerlicher Bote! Du hast gewisslich am heiligen Sabbat zu weite Schritte gemacht im Kundschafterdienst, denn diese schwächen Gesicht und Verstand. Du bist, ob ein Lügner, ob ein Irrsinniger, gleichviel. Kannst Du mir jedoch bringen wahrhaftige Kunde von Ester, und ein Zeichen von ihr, – ein glaubhaftes, dass sie lebt und frei ist, wenn gleich versunken in dem Laster, dessen Du gedacht, – so soll's Dein Schade nicht sein; ich schwör's auf die Torah; und dieses heilige Gesetz wird mir geben die Kraft durch mein Gebet des Mädchens Seele abzulenken vom Bösen, und sein irrdisch teil zu retten von schimpflicher Strafe." – Zodick warf spöttisch den Mund auf, und ging hinweg, ohne ein Wort zu erwiedern. – Ben David näherte sich dem Vater, der wie eine Bildsäule vor sich hinstarrte. "Du willst bekennen, Raaf;" fragte er ihn sanft und sehr leise: "was willst Du denn bekennen, da Du nichts weisst, als dass der Knabe nicht gestorben, sondern seinen Freunden wiedergegeben? Sage tausendmal, dass ich unschuldig sei, und Du nicht schuldig, und tausendmal werden sie Dir nicht glauben, .. selbst dann nicht, wenn ich's wollte und könnte beweisen. Wisse aber, dass ich eher auf der Folter die Zunge verschlucke, ehe ich rede; weil ich getan ein Gelübde, das ich halten werde fester als eins, das ich in der Schule geleistet." – Jochai sah ihn fragend und kopfschüttelttd an. "Weh mir!" sagte er: "Ein Eid, und wann hast Du ihn getan?" – "Er ist noch nicht so alt, als Zodick's Besuch;" erwiderte Ben David: ich hab' ihn geschworen bei der Lade des Bundes im Allerheiligsten meiner Gedanken. "Raaf!" setzte er leise flüsternd hinzu: "Raaf! ich habe böse getan, fühle ich jetzt, denn ich habe gehandelt mit Menschenblut. Das Schändliche solchen Beginnens ist mir geworden klar, da mir einfiel, wie Ester jetzt hülflos einem gleichen Handel Preis gegeben ist, der vielleicht das Kleid ihrer Ehren in Kot tritt, vielleicht ihr junges Leben erstickt. Darum will ich büssen, und, sollt' ich ersterben in Graus und Schmerz, nicht durch mein Zutun den Versuch machen, zu lindern mein Schicksal." –

Jochai wollte in ein Geschrei des Jammers ausbrechen; Ben David bedeutete ihn jedoch heftig, zu schweigen, und raunte ihm in's Ohr: "Spare Deine Worte, die unser Elend nur beschleunigen, denn hinter jener Wand lauschen verborgne Zeugen, die Zodick's Unterredung mit uns behorchten. Mir hat's verraten sein ängstlich Lauschen, und ich warne Dich." Man kommt schon: "hörst Du? Ermanne Dich. Dein Leben werde' ich gewisslich retten. Meine Verteidigung muss der hochgelobte Gott unternehmen. Eine MenschenZunge allein rettet einen Juden nicht."

Der Oberstrichter kam herein mit gewohnter Würde; in seinem Gefolge ein Schreiber, das Verhörprotokoll unter'm arme, das Schreibzeug am Gürtel. Der Gefangenwärter schob den Tisch zurecht, und ging. – "Jude Jochai und Du, sein Sohn David!" begann der Richter: "Man hat uns gemeldet, dass die Aufrichtigkeit in eurer Seele die Oberhand gewonnen, ehe wir noch der Folter bedurft, um sie zu wecken. Ihr tut klug daran, zu bekennen, denn eure Missetaten brechen von Tag zu Tage mehr hervor aus dem Schleier, mit welchem Eure Ränke sie umhüllt hatten. Gerhard von Hülshofenerbleicht ihr nicht noch deutlicher unter eurer Blässe? – wird nicht säumen, vor unsern Schranken zeugnis gegen euch abzulegen, um also die Schuld wieder gut zu machen, so er als rechtgläubiger Christ zu böser Stunde auf sich geladen. Des armen Friedbergers Schmuck, von seiner Witwe erkannt, bezeichnet Euch als Glieder der verruchten Mordbande, die ihre Verbrechen sogar in unsern Mauern ausübt. Nichtswürdige Gesellen, die schon seit lange in unsern Verliessen schmachten, und ehemals mit jener Rotte Korah in Verbindung gewesen, entsinnen sich auch recht gut