wir mit dem Leben unsern kleinen Schatz, eben weil er ist unser Leben. Aber einen Schlüssel dazu will ich Dir geben, so fern Du mir gibst Kunde von dem grössten Schatze den ich besitze: von meiner Tochter Ester. Ist auch sie geraten in die hände von Amalek durch Deinen treulosen Mund? Sind auch ihre zarten Glieder bedroht von Folter und Schmach? Das arme geschöpf, .. es weiss ja von Nichts: unschuldig ist es gekommen zur Welt; unschuldig wird es gehen von dannen. Oder hat sich des Mägdleins etwa bemächtigt Deine gierige Lust? Gib mir Gewissheit, und ich will nicht herabfluchen den Zorn des starken und eifrigen Gottes auf Dein Haupt. Gewissheit über Ester's Schicksal – sei's die traurigste – gib dem trauernden Vater!" – "Mir tuts leid," erwiderte Zodick, der bei all diesen Reden beständig Zeichen einer ungewissen, von Ängstlichkeit beengten Haltung an den Tag gelegt hatte: "Das Mädel geht wie Ihr entgegen dem Stöcker und seiner Flamme." – "Halte mich, Herr in Israel!" stöhnte Jochai, während Ben David erschrocken nach Zodick's Hand griff. – "Ich will verkrummen, ist's nicht wahr;" beteuerte dieser Letztere keck: "Ester ist in Buhlschaft verfallen mit einem rechtgläubigen Jüngling. Der unbesonnene Altbürger, der jüngst Euch und eure Dirne allen Gesetzen zum Trotz verteidigte, hat sie aus der Stadt gebracht, und hält sie irgendwo versteckt zu eigner Kurzweil." – "O ihr ewigen Schaaren der Elohims!" seufzte der gebeugte Greis Jochai: "Also hat die krumme Schlange eine von Zions Töchtern mit Schmach bedeckt. Sohn, Sohn, Vater Deiner Ester! Wie wirst Du bestehen, vor dem Fürsten des Gerichts und dem Trone des Messias, da Du durch Deinen Eisenkopf all das Unheil, das wir erleiden und befürchten, erzeugt hast!" – Ben David machte eine heftige Bewegung und unterbrach den Vater lebhaft: "leide ich nicht wie Du, Raaf, und befürchte ich weniger? Hab' ich Dich nichs geehrt und geliebt, wie ein gerechter Bechor? Musst Du nicht darum auch willigen zu teilen meine Not? Wir haben zusammen gewonnen Geld, Gut, und haben geteilt manche Freude." Lass uns tun ein Gleiches mit dem Leide. Nicht meine Schuld, .. die Lüge hat uns hieher gebracht, und der hochgelobte Gott, dessen Herrlichkeit unser Haupt berührt, und Deine Fingerspitzen, so Du mich segnest, wird uns nicht umkommen lassen durch die Ungläubigen. Schrecklich wär es, wenn Ester in den Stricken läge der Wollust, der Buhlerei mit einem fremden mann ... aber, es heisst in den Büchern der Väter: "So Dich einer einmal belogen, und falsch zeugnis gegeben von Dir, so glaube ihm nicht ein andermal, und nicht ein drittesmal, und nicht zum hundertenmale, denn die Zunge desselben ist ein schlecht Stück Fleisch, das verdorren wird im Tale der Auferstehung." –
Zodick wies höhnisch die Zähne. "Wahrlich, sage ich Euch:" sprach er, – "Ester und der junge Altbürger Frosch sind verfallen dem Scheiterhaufen, so die Gerechtigkeit der Obern sie ereilt. Noch ist ihr Aufentalt nicht entdeckt, aber ganz gewiss wird er nicht entgehen meiner Wachsamkeit, da mich der Herr bestellt hat zum Mittler in Euerm traurigen Schicksal. Ihr aber nehmt zu an Verblendung und Lüge, wie das wachsende Kind an Kraft und Mark, da ihr Euch weigert, die in Gesellschaft der Blutzapfen geraubten Schätze herauszugeben, um Euer Blut zu retten. Der Tag, der Eure Rechnung völlig schliesst, ist jedoch noch nicht angebrochen, und der Prophet Elias, der immer um Euch ist, sieht betrübt, wie sich vermehrt die Last Eurer Sünden. Es ist schier ausser Zweifel, dass Du es gewesen, Ben David, der an dem alten Ratsschöffen Frosch das Mordstücklein gewagt, das ihn beinahe in den Talles gelegt." – "Sohn! Sohn! Sohn der Gebote und meines Gebets!" stammelte Jochai: "Unseliger Mann! wohin bist Du versunken? Bringt doch jeder Augenblick eine neue Klage auf Haut und Haar, jeder Augenblick einen neuen Herzstoss für den greisen Vater! O weh mir! weh mir! warum hab' ich gelebt der Jahre zweimal fünfzig und darüber? Warum verlässt mich der Gott David's und Samuel's also in meiner Not, dass ich schauen muss, wie mein Geschlecht langsam versinkt in Blut, Schande und den Flammen des unehrlichen roten Mannes! David! David! So wahr du trägst den Namen des Erlösers, den wir hoffen, so wahr will ich Deinem Schweigen ein Ende machen; bekenne Deine Unschuld wider Deinen Willen. Zodick! rufe herbei den Richter! Ich will reden; der alte Jochai will reden, und Wahrheit sagen. Geh! geh! und Dir vergebe der hochgelobte Gott Deine Sünde an uns, die Dir nicht abgenommen werden kann weder durch den Tag der Versöhnung und das Kapporah des Bocks Hazazel, noch durch die Fasten, Ester und Gedalja und die Feier der Tempelzerstörung." – Der Greis schwieg erschöpft; Ben David verharrte in missbilligendem Schweigen. – "Nicht um Dein Geschrei zu hören, habe ich geredet;" sprach Zodick mit schadenfrohem Vorwurf zu dem Alten: "um Euch ein Mittel anzugeben vielmehr, das Euch, wenn nicht zur Freiheit und zum Leben, dennoch zu einem sanftern tod verhelfen würde, so Ihr es