ich, wie ein ächter Christ, meine österliche Zeit gehalten habe," beteuerte der Hornberger, "so völlig hat mein Wort seine Richtigkeit. Das fräulein von Baldergrün ist's, und ihre Klugheit und Besonnenheit hat mir viel Freude gemacht. Sie benimmt sich so gleichgültig, als ob sie ein Rittersmann wäre, dem das Glück der Fehde untreu geworden. Aber im inneren scheint's dennoch unheimlich zu stürmen, und damit sie nicht krank werde, und etwa sterbe, bevor die Atzungskosten angewachsen, und das Fanggeld bezahlt, haben Bechtram und Frau Else den Entschluss gefasst, Euch, dem fräulein zur Erheiterung, einladen zu lassen. Wallrade soll durch den Besuch ihrer Blutsfreunde überrascht werden, und sich an den Mährlein Petronellens ergötzen." – "Ich zweifle, dass unser Besuch die hochmütige Dirne erheitern werde;" entgegnete Veit schadenfroh grinsend: "aber mir wird's ein fest sein, das Krämerfräulein in seiner Erniedrigung zu sehen." – "Ja wahrlich; Du hast Recht, guter Neffe!" fiel Petronella ein, die in ihrem staates- und Abendmahlsrocke aus ihrem Winkel rauschte: "Mich gelüstet sehr, meine eitle Verwandte zu begrüssen, die es für einen Schimpf gehalten, dass das Leuenberg'sche Wappen zu ihres Vaters haus herabgestiegen ist. Sage doch, guter Veit, ob mein Gewand in den gehörigen Falten liegt, und noch im stand ist, die Stiefnichte zu ärgern, und dem haus der Leuenberger, wie dem haus meiner alten Freundin, der Frau Else von Vilbel, Ehre zu machen." – Veit musterte aufmerksam und wichtig das veraltete Prachtgewand, das sich schon seit einem Jahrhundert beiläufig von e i n e r Leuenbergerin auf die andre vererbt hatte, und der Hornberger biss sich in die Lippen, dass sie schier bluteten, um nicht beim Anblick des greisen Fräuleins in ein allzubeleidigendes Gelächter herauszuplatzen. Der wunderliche, mit Figuren seltsamer Art gezierte Zeug des Gewandes von gelb und blassroter Farbe, war von Veit's Urgrossvater, der eine Fahrt nach Wälschland gemacht hatte, aus Venedig heimgebracht worden, in der Absicht, daraus zwei Messgewänder fertigen zu lassen, die er, während eines Meersturms, in seine Taufkirche verlobt hatte. Wie es nun aber sich öfters trifft, dass die eifrigsten Gelober, – ist die Not vorüber – die saumseligsten Bezahler werden, so traf sich's auch hier. Das Ehgemahl des Heimkehrenden schnitt sich aus dem schweren Zeuge ein Gewand mit ungeheuer bauschigen Ärmeln und ausgesteiften, mit Draht unterlegten Falten, in welchem die gelbe, unaussprechlich hagre und kleine Muhme kaum zum Vorschein kommen, kaum sich bewegen konnte. Der gewichtige Besatz von Sammetstreifen und wollenen Zotteln fiel so tief herab, dass kaum der leinwandne Strumpf und der halbe Schuh des rechten Fusses sichtbar werden konnte; des linken, verkürzten, gar nicht zu gedenken. Ein ungeheurer Wetscher an einem breiten Lendengürtel mit einst versilbert gewesenen Buckeln beschlagen, hinderte die Geputzte stark im Gehen; die vergilbte, aber auf die Dauer von einer Ewigkeit berechnete Halskrause fasste das vertrocknete einäugige Antlitz wie in einen Korb, und der Hauptschmuck von gesteiftem Schleiertuche, zwischen welchem die ergrauten Haarflechten der adelichen Jungfrau zu sehen waren, schien in seiner ungefälligen Gestalt keineswegs geeignet, das nicht gefälligere Angesicht der Geschmückten im Geringsten zu verschönern. Petronella hatte ein kleines Bündelchen zusammengewürfelt, das sie unter'm arme trug. An Veit's Seite stolzirte der Raufdegen, auf seinem kopf prangte der befliederte Hut. Des Hornberger's Weisspfenninge klapperten in einem weitschimmernden Beutel an Veit's Gürtel, und somit waren alle zum Aufbruch fertig. "Macht ein Ende," drängte Hornberg mit einem seiner kräftigen Hausflüche. "Eh' es Zwölfe brummt, müssen wir auf und davon sein, und doch wird's hart halten, vor stokkfinstrer Nacht Neufalkenstein zu erreichen, wenn auch Räder und Hufe Feuer geben. Für einen Wagen nämlich ist gesorgt. Die Muhme möchte einen Ritt, selbander auf dem Rosse, nicht allzuwohl aushalten." Petronella verneigte sich geschmeichelt, und nahm nun, mit einemmale erheitert, die Katze, die sich heimlich wieder herbeigeschlichen, unter'm Arm. – "Donner und Wetter!" rief aber Veit: "Dem alten Bechtram ist gewiss sein Stündlein nahe, da er uns sogar einen Wagen schickt." – "Meine Vorsorge," lachte der Hornberger: "zwei Stunden von hier fällt mir plötzlich ein, wie ich denn wohl die Base vom platz bringen werde, und ich bin schon halb und halb entschlossen, sie als höflicher Rittersmann vor mich auf's Pferd zu nehmen, als mir, gerade wie gerufen, ein Bauer begegnet, der gegen Frankfurt und Höchst zu fahren gedenkt mit einem Wägelein voll des besten Stroh's, auf dem ein Bettelmönch sitzt, schmutzig, wie sie alle sind, aber nicht so feist, wie sie gewöhnlich zu sein pflegen. Den Bauer anhalten, ihm befehlen, mit mir umzukehren, und dann mit einer neuen Ladung hinzufahren, wo es mir belieben würde, war eins, und schnell abgetan. Der Hund wollte sich weigern. Da hieb ich einem von seinen beiden Gäulen die Sehne am linken Hinterfusse durch, und drohte, den andern eben so zu zeichnen, falls er nicht gehorsam sein wolle. Die Lehre half, und er fuhr mit zurück. Den pfaffen, der nach Frankfurt gedenkt, wollte ich vom Wagen jagen; der Mensch wies mir aber seine wunden Füsse, und so