dass sie den Hyrzenhorn nicht angeworben, der doch ein schier noch rüstigerer Kämpe sei, denn ich." Da verzog der Eppsteiner das Gesicht, und Bechtram sagte: "Der Teufel hole alle Frankfurter, und die, die es aus Feigheit mit ihnen halten;" womit er des Hyrzenhorners spottete, der sich der Stadt zu eigen verschrieben. "Ich habe lange genug den Schwefelkrämern das Panner getragen;" fuhr Bechtram fort: "Wie haben sie mir's vergolten? dafür will ich ihnen jetzt auch das Licht halten, dass ihnen die Haut schauern soll." – Nun verabredeten wir ein Paar Ritte gegen Peterweil und Erlebach; vorzunehmen nach der heiligen Zeit. Alsdann nahm mich aber Bechtram bei Seite und redete zu mir: "Wollt Ihr Eure Osterfladen in meinem haus und ein brav Stück Geld nebenbei verdienen, so mögt Ihr Euch morgen mit mir zu Gaule setzen, und auf das Wiesbad zureiten. Der Eppstein hat ein Gelöbniss getan, nicht eher zu satteln, als bis die Glocken von Rom zurückkommen." "Dasselbe Gelübde habe ich zwar auch getan, mit dem Eppenstein zu gleicher Zeit, als uns die Erzbischöflichen von Mainz schier beim Kragen gepackt hatten, und die Heiligen haben uns darum auch durchgeholfen. Jedoch hab' ich nicht Not, mein Gelöbniss zu halten, weil mich vor drei Wochen der Pfarrherr zu Offenbach in Bann getan; und ich bin nicht gesonnen, einen Hauptgewinn von der Hand zu weisen. Ein vornehmer Mann hat mir aufgetragen, ein gewisses fräulein aufzufangen und fest zu halten, das von Frankfurt nach dem Türinger wald zu ziehen vor hat, und dessen Kostbarkeiten und Geld mein sein sollen, ohne Ausnahme, benebst einem reichlichen Lohngelde und Atzungsvorschuss, so mir der biedre Edelmann zu zahlen verspricht. Seit länger denn einer Woche hat mein guter Geselle Kunz Doring das fräulein zu Frankfurt belauert, und mir gestern gemeldet, dass es sich plötzlich entschlossen, gegen Wiesbaden zu ziehen; zwar nur auf einen Tag oder andertalb, wie man aus dem Geplauder ihres Knechts vernommen. So hab' ich denn beschlossen, das Weib, wenn es von Wiesbaden von dannen fährt, aufzufischen, und bedarf eines rüstigen Beistands, denn der Reiffenberger und der von Wiede, meine Freunde und Helfer, sind den Rhein hinab, um einen Zöllner leicht zu machen, und Doring's Arm ist mir nicht hinreichend, im Fall die Frau mit starkem Geleite daher käme." – Es versteht sich, dass ich ohne Bedenken einschlug, und am stillen Freitage lagerten wir schon auf der Heerstrasse zwischen dem Wiesbad und Frankfurt, weil unser fräulein nach der Stadt zurück wollte. Die Sache verzog sich indessen bis zum Sonnabend, weil ein Aberglaube ist, dass man am Charfreitage Unglück hat, zu reisen. Die Sonne war gerade aufgegangen, als sich der Wagen sehen liess; und wir, drauf und dran und drüber her, und ich machte die Arbeit ganz allein, schlug den Knecht vom Gaule, schnitt die Stränge los, warf die Zofe vom Wagen, knebelte die Gebieterin, obgleich sie sich wehrte, als wäre sie ein verkappter Mann, räumte den Karren aus, und band das fräulein auf's Sattelpferd. Während nun Doring einem Bäuerlein vergebens nachsprengte, das hinten auf den Wagen gesessen, und sich beim Überfall schnell auf und davon und nach dem Wiesbad zurückgemacht hatte, Bechtram die Habseligkeiten der Gefangnen seinem Pferde aufpackte, und sein Knecht die Dienstleute derselben an Knebel und Leine legte, trabte ich mit dem fräulein, einem saubern, ja man möchte sagen, schönen Weibsbilde, die Kreuz und die Quer, über Acker und Hecken und Bach davon, auf Neufalkenstein zu. Dem armen Geschöpfe wurde der harte Trab bald zu viel, und es hätte wenig gefehlt, so hätte die arme den Geist im Sattel aufgegeben. Bisher hatte ich dazu gelacht, denn der vornehme Herr hatte sich ausbedungen, dass man ohne Schonung mit ihr verführe; da sie aber schwankte und den Kopf sinken liess, und bleich wurde, wie der Tod, hatte ich Mitleid, löste ihr den Knebel vom mund, nachdem ich sie mit dem Erwürgen bedroht, wofern sie schreien würde, und vergönnte ihr, an einem einsamen Waldrande ein wenig zu rasten. Ich bot ihr sogar einen Bissen von dem Brode und dem Knoblauch an, das ich im Sattelbeutel bei mir führte. Sie schlug die Labung zwar aus; betrug sich aber so friedlich, klug und stille, dass ich meine Freude daran hatte, und ihr alle Erleichterung angedeihen liess, bis wir in der Dämmerung nach dem schloss gelangten, wo wir denn auch die Übrigen versammelt fanden. Die Dienstleute liess man am andern Morgen, ohne ihnen zu sagen, wo sie gewesen, laufen, und die schöne Gefangne blieb allein zurück. –
"Aber, Gotts Marter!" rief Veit, der sich indessen in seinen besten Putz geworfen: "Was kümmert uns denn die verdammt lange Historie? Dergleichen begebenheiten an Kreuz- und Hohlwegen sind mir doch, bei Gott! bekannt genug." – "Was Euch die Historie kümmert?" lachte der Hornberger: "Sehr viel; denn Ihr verdankt Ihr ein Paar zehr- und zechfreie Wochen, und die Bekanntschaft mit einer liebenswerten Base, denn keine andre ist Bechtram's Gefangne, als Eurer Margarete Stieftochter Wallrade." – "Wallrade?" kreischte die Base hinter dem Mantel hervor; Veit sah aber den Hornberger mit ungläubigem Lächeln an. – "So wahr