rief Veit, und schlug ein Schnippchen in die blaue Luft: "Den Käsebergern muss man auch aus Freundschaft etwas gönnen." – "Ei ja;" spöttelte die Alte: "Deine alte getreue Base kann aber daheim darben, während ihr ein Becher Rheinwein dann und wann so gut tun würde." – "Trinkt klares wasser," lachte Veit: "'s macht helle Augen, und Euer einziges wird nachgerade schadhaft, wie Eure Nase stumpf, denn Ihr seht und riecht nicht, dass unser Linsengericht in der Pfanne anbrennt." – "Ei potz Velten!" schrie die Muhme erschrocken, und hob die Pfanne vom Feuer: "Ich muss auch die Augen überall haben, weil Du Dich um nichts kümmerst." "Komm, Veitchen, komm, setz' Dich zu Tische; komm, iss mein armer Junge." – Sie schob mit dem Ermel alles Hinderliche von dem morschen Rundtische, warf eine geblumte Schürze darauf, und setzte das unlieblich dampfende Gerücht auf das unreinliche Pfannenholz. Von Tellern war keine Rede, und die rostigen Gabeln und Messer gaben eben keinen sonderlichen Begriff von dem Hauswesen des Edelmanns. Veit setzte sich wankend zum Essen und lachte spöttisch über das Endchen Wurst, das die Muhme triumphirend aus den Linsen fischte, und gewissenhaft mit dem Neffen teilte. "Ein feiner Braten in der Osterwoche!" sprach er verdrüsslich, und schnitt ein Stück Gerstenbrod der Muhme ab: "Ich sag's Euch, Base; wenn dieses Leben noch lange dauert, so hänge ich mich am nächsten Nagel auf. Diese unaufhörliche Armut bei so vielen Gefahren halte ich nicht länger aus. Seitdem der verdammte Schwager zu Frankfurt mir den Brodkorb höher hängte, ist es zum Teufelholen." – "Du haderst immer mit dem Schicksale, statt es zu verbessern;" predigte die Alte, tapfer die Schüssel angreifend: "drei Landstrassen stehen Dir offen; warum passest Du nicht auf, wie Andere?" – "Warum bin ich ein ärmerer Schlucker als andere?" fragte Veit höhnisch entgegen: "Der Eppsteiner und die Käseberger und All' die Brüder in der Runde haben Rosse wie Stahl und Eisen, die achtzehn Stunden in einem weg trappen, ohne dass ihnen ein Huf wehe tut. Meinem Klepper kann ich kaum mehr einen Ritt von hier gegen Frankfurt in einem Tage zumuten, und wenn ich ihn in den Sprung bringe, so bekommt er gleich das Keuchen. Die obige Sippschaft hat Geld, um die Kundschafter tüchtig zu bezahlen; m i r verratrn die Bursche kaum einen wandernden Schuhflicker, weil ich ihre Klauen nicht versilbern kann. Das Schlechteste kommt an mich, und, teil ich mit Andern, habe ich sicher den kleinsten teil. Bring ich etwas heim, so geht's in Rauch auf, wie's gewonnen wurde, und Schmalhaus zählt uns immer die Brocken zu. Pest und roter Hase! Ich hab's satt, und dreimal satt. Ich habe Wind und Wetter ausgehalten, verstehe mein Gewerbe, wie ein Alter, und soll Leben aus, Leben ein, am Hungertuche nagen, während andere im Wohlleben schwimmen, und kein Haar besser sind als ich? Gott verdammne mich, wenn ich's länger mit ansehe!" – "Du bist ein trotziger ungenügsamer Mensch, ein fauler Bärenhäuter oben drein!" versetzte die Muhme: "Schau einmal unsere Nachbarn unter den Burgleuten an. Betrachte den Jost, der just unter unserm Gemache hausst, und dessen Kinder uns den Kopf toll machen mit ihrem Geschrei. Die stube voll Würmchen, und die ewig kranke Frau, und den lahmen Vater; und bei alle dem auch nichts als den Grauschimmel und Sattel und Stegreif. Da heisst es, die Ohren steif halten. Gedenke nur des Henne von Riedlingen, der im andern Flügel wohnt, dicht am Hundezwinger. Eine stube, wie ein Stall, und darinnen eingepfercht zu sein mit Kind und Kegel, und gezwungen zu sein, für die vielen Mäuler Tag aus Tag ein, die Kost aus dem Forste, oder vom Vogelherde, oder aus dem verbotenen Teiche zu holen! Um wie viel glücklicher bist Du, ein unbeweibter Mann, dem eine sorgfältige und regsame Base das Hauswesen führt! Du gehst, wenn Du willst, Du kömmst, wenn Dir's einfällt, und findest immer etwas für den Schnabel, bald wenig bald viel, bald vollauf bald knapp, je nachdem Dein Gewerbe geht oder stockt. Daheim kannst Du Deinen Leib pflegen, Falken abrichten, die Fenster verkleben, wenn es Not tut, und auf Deinem wohlgefüllten Strohsacke lungern, so lange Dir's gefällt. Ich wette darauf, Deine ungeratene Schwester, die uns vergisst, wie alle Reiche zu tun pflegen, hat in ihrem Überflusse der Sorgen mehr als Du." – "Möglich!" antwortete Veit: "Ich würde dennoch gleich mit ihr tauschen. Schaut einmal mein Wamms an, Muhme. Der Ellbogen des rechten Ärmels ist geplatzt." – "Ei, so gib her!" versetzte die Muhme geschäftig; "und lange mir vom Fenstergesims Nadel und Faden. Das muss auf der Stelle ausgebessert werden, denn die Katze hat sich heute gar oft hinter den Ohren gekratzt, und mir juckt die Stirne beständig." "Beides bedeutet aber einen Besuch, der heute nicht ausbleibt. Ach, möchte es doch ein Guter sein!" murrte Veit, unruhig auf und abgehend: "