Ben David nicken mit dem haupt, und plötzlich stopfte ihm der Raaf einen Knebel in den Mund, dass es nur leise und dumpf stöhnen konnte, während dessen seine Augen hervortraten aus den Höhlen, wie die eines Lamms, das man schächtet. Und herbei aus dem Winkel schleppte der Raaf ein roh gezimmertes Kreuz; Ben David streckte darauf den Gepeinigten aus, und voll zitternder Begierde, mit vor Alter bebenden Händen, nagelte ihn der Raaf auf das Leidensholz, indem er das Gebet murmelte, das leider unter den Juden heimisch ist, und also lautet: Dies Opfer soll mir dienen als Wechsel und Tausch; es komme an meine Statt; es gehe in den Tod und ich mit allem volk! Israel in's ewige Leben! Furcht und Angst komme über die Gojim! Verflucht, seien die Wohnungen des berges Seir! Verflucht und vertilgt die Hütten Amaleks! Verflucht und vertilgt Ammon, Edom und Moab Offenbart und endlich geschenkt deinem volk seine Erlösung!" –
"Während dieses Gebets hat Ben David dem zukkenden Würmlein gespieen in's Angesicht, und gerufen mit Hohn: Gegrüsst seist Du uns, König in Israel! Herrlich und gesegnet seist Du, Fürst der Juden! – Darauf hat er die Lampe ergriffen und bedeutet dem Raaf, er möge ein Ende machen denn der Knabe drohe schon jetzt zu verscheiden. Und der Raaf ergriff ein blank geschliffen Messer, und heiligte es in den von den Gliedern des Opfers rinnenden Tropfen, und näherte sich damit her Stelle, wo das ängstliche Herzlein pickte, und zeichnete hier ein blutiges Kreuz ......"
"Ersticke, und verdammt seist Du, verfluchter abtrünniger, Sohn des Leviatan!" kreischte hier der alte Jochai, und sank unter Zuckungen zur Erde nieder. Ben David stand ihm, obwohl selbst kraftlos taumelnd, bei, und wandte zum Himmel die trocknen Augen, in welchen eine wilde, verzweiflungsvolle Frage an das Verhängniss lag. Der Oberstrichter nahm jedoch keinen Anteil an Jochai's Zustand, und gebot dem fürchterlichen Kläger zu enden. Mit tückischer Behaglichkeit ging auch Zodick zu Ende. "Das Büblein ist verschieden unter dem Messer des Raaf, und sein weitres Schicksal weiss ich nicht;" schloss er. Ob sie das Körperlein vergraben, – ob sie es geworfen in den Fluss, weiss ich nicht, da ich mich entfernte, während sie noch darüber gestritten. Der Raaf war für das Erstere, und Ben David für das Zweite; denn er hat mir nicht getraut, da ich ihn kommen gesehen mit den Knaben. Ich aber konnte nicht mehr aushalten in Ben Davids Nähe, und habe benützt die erste gelegenheit, um aus der Gemeinschaft zu treten mit dem Raaf und seinem Sohne. Das ist, so wahr mir helfe der Barmherzige, der mich gerettet von der Ketzerei, die reine, lautre Wahrheit; Amen. –
Ein tiefes Schweigen beherrschte den düstern Schauplatz. Jochai lag bewusstlos, Ben David war zu Stein geworden, – Grete betete in Gedanken ihren Rosenkranz zum Heil der hingeopferten Seele; – Zodick rastete von der Anstrengung seiner Rede, und selbst der Oberstrichter und sein Gehülfe, gewöhnt an Schrecknisse und Frevelklagen, erholten sich von den unerhörten Gräueln, die sie vernommen. – Endlich fasste sich der Richter, und wendete sich mit donnernder stimme an Ben David: "Du hast gehört, Abscheulicher," sprach er: "wessen man dich anklagt. Ein Genosse Deines Hauses, Dein ehemaliger Glaubensbruder, Dein getreuer Knecht ist es, der den Schleier von dem ungeheuern Verbrechen zieht, das Du mit Deinem Vater begingst. Wirst Du ferner läugnen, und dadurch das Schwert der Vergeltung schärfen? Wirst Du verharren in dem giftigen Groll Deiner irrgläubigen Verstockteit?"
"Herr!" antwortete Ben David mit frostklappernden Zähnen: "Ich soll reden, und kann kaum finden ein Wort auf meiner Zunge. Ich könnte Euch zuschwören unsre Unschuld bei dem heiligen, hochgelobten Gott, den Gräbern unsrer Voreltern, und Allem, was uns heilig ist in Israel, – Ihr würdet uns aber nicht glauben, denn wir sind schlechte Juden, – ich könnte herbeibringen das zeugnis meiner unschuldigen Tochter Ester, – aber Ihr würdet sagen, es gelte nicht, w e i l es meine Tochter gab. – Warum jedoch glaubt Ihr dem abtrünnigen Knecht, der gegen uns zeugt, warum der Magd, die in ihrer Stumpfheit Alles bejaht, was man ihr vorsagt? Unschuldig sind wir, unschuldig, unschuldig an dem grässlichen Frevel, den man uns auflügt. Fünf Monden sollen sein verflossen seiter, und nun erst kommt der gottlose Bube hier vor Eure Bank, und schreit Zeter über uns? Warum hat er nicht alsobald aufgerufen zur Rache Himmel und Erde, nachdem, – wie er lügt – die Untat geschehen?" – "Wirst Du schweigen, verfluchter aussätziger Jude!" zürnte der Oberstrichter, indem er heftig aufsprang: "Sollte sich der arme Mann Eurer Rache aussetzen? Ihr Judengeschmeiss klebt an einander wie Kletten, und dieser hier wäre nicht der Erste, den ihr erschlagen habt, um seine Geständnisse zu verhindern, oder zu bestrafen. Ehe er mit Euch in's verdiente Gericht ging, musste er aufhören in Eurer höllischen Mitte zu leben. Er tat's, er hat sich dem Himmel, dem allbarmherzigen Schooss des wahren Glaubens zugewendet, und kann nun offen gegen Euch auftreten, von unsrer Macht geschützt. Noch mehr, die Seele des unschuldigen Knäbleins, das