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ich dich nicht mehr."

"Wenn Ihr der Wechselpferde mehrere besitzt, ist's gut für Euch;" versetzte Gerhard, der den schlichten Lederkoller des Reiters mit Geringschätzung betrachtete: "Indessen hat der Gaul nur ein versehen verschuldet. Es ist ja kein Mensch."

"Wackre Freunde und treue Tiere halten sichern Schritt bis an's Ende!" erwiderte der Fremde, die Sache ernster nehmend: "Sie sollen sein ein treuer Stecken und Stab, der nimmer bricht, als im letzten Stündlein. Wort und Gehorsam sollen ewig sein. Der Freund, in dessen Schooss ich nicht sicher ruhen kannder Gaul, der durch Trägheit oder Scheu mein Leben in Gefahr bringtsie gelten mir Nichts mehr. Darum fresse dieser abgedankte Träger das Gnadenbrod, so lange er will. Er verkümmre aber unter dem Tross."

"Ihr seid ein seltsamer Mensch!" lachte Gerhard: "Um des Bischens Abwerfens willen! Du lieber Himmel! Mein Roland ist mir um das Reich nicht feil, aber abgesetzt hat er mich dennoch oft, nur nie, wo's Ernst galt. Kugelt man auch ein wenig in den Staub, was tuts, so lange die Rippen halten? Ist Euch doch nichts mehr nichts weniger begegnet, als dem heiligen Vater erst vor Kurzem, da er über den Oelberg gegen Costnitz zog, und sein Fuhrwerk umschlug."

Der Fremde brummte ein etwas unwilliges "Hm!" ergriff den Zügel seines Rappen und zog ihn, langsam vorschreitend, nach sich. Dagobert hatte die beiden andern Pferde herbeigebracht, und alle drei gingen, der Fremde in der Mitte, auf die Stadt los, die Tiere führend. Gerhard der ungern seinem Witz Fesseln anlegte, war er einmal im zug, schwazte weiter im Texte: "Wie Ihr so straff und aufrecht daher schreitet, lieber Herr! Euch kümmerts nicht, ob dieser Fall ein böses Omen gewesen oder nicht. Doch Se. Heiligkeit ist furchtsamer gewesen, und es dürfte leicht geschehen, dass sie Recht hatte, als sie auf dem Oelberg ausrief: Was hat es zu bedeuten, dass uns der Unfall widerfuhr? Gott lenke es zum Guten!"

"Und lehre Dich schweigen, aberwitziges Schneppermaul!" platzte der Fremde los, der, als dis Rede wieder vom Pabste anhob, die Stirne gehässig gerunzelt hatte: "Verspotte nicht das Haupt der Christenheit, oder ...!"

Er schwang den Handschuh der linken Faust drohend gegen den bestürtzten Gerhard, schien aber weniger Lust zu haben, ihm denselben vor die Füsse zu werfen, als um's Gesicht zu schlagen. Hülshofen griff nach dem Schwertknauf; Dagobert jedoch, der schnell auf seine Seite gesprungen war, flüsterte ihm zu: "Gib Ruhe, Raufbold! willst Du Dich ins Verderben bringen. Wir sind innerhalb dem Weichbilde der Stadt. Du bist dem Blutbann verfallen, so Du ziehst."

"Dem schlagfertigen Gerhard fiel das strenge Conciliumsgesetz ein, und murrend liess er die Klinge ruhen, einigen Schimpfworten Luft machend, und den Fremden mit drohenden Blicken messend. Dagobert drängte sich zwischen Beide. Ihr mögt sein, wer Ihr wollt, begann er zu dem Fremden, so bitte ich Euch, Friede zu halten. Ein Schwank soll nicht mit Blut gesühnt werden, und wenn drei unbedeutende Menschen wie wir zum Schwert greifen, einen tollen Handel auszufechten, wird es dem heiligen Vater von wenig Nutzen sein. Ueberdiess sind wir Fremde; dass Ihr es seid, verbürgt mir Eure Mundart. Warum wollen wir den Hals dem gesetz dahingeben, während wir vielleicht zu einem rühmlichern Streite aufbewahrt sind."

"Ihr sprecht wie ein Buch;" versetzte der Fremde lächelnd: "Ihr irrt jedoch, wenn Ihr glaubt, dass ich dem Menschen dort zu leib wollte. Beim heiligen Georg! das kam mir nicht zu Sinne. Mir stünde es wenig an, mich mit ihm gemein zu machen. Euch hingegen kennen zu lernen, junger Mann, freut mich ganz absonderlich. Auf stillehrbare Leute kann man sich verlassen, denke ich. Wollt Ihr mein Freund werden, so sagt mir Euern Namen."

Dagobert wollte so eben, sich verwundernd, dieselbe Frage an den Fremden richten, da kam unweit des Stadttors ein Knecht daher in weiss und rotem Rock, entblösste, da er des Unbekannten ansichtig wurde, das Haupt, und blieb am rand des Weges stehen. – "Nimm dieses Pferd," sprach der Reiter zu ihm, "und bring es in den Stall. In Zukunft reite ich den Schimmel nur."

Der Knecht empfing, still sich neigend, das Tier, und einen Schritt von Tor entfernt, fragte der Herr den jungen Frankfurter lächelnd: "Werde ich noch nicht erfahren, wer mir aus der Not half?"

Dagobert nannte bescheiden seinen Namen, und machte auch Gerhards Stand und Geschlecht kund. "Mit dem Edelknecht hab' ich nichts zu schaffen;" versetzte der Fremde barsch: "Er hat den Dienst, den er mir leistete, zu Nichte gemacht, durch seinen ungebetenen Vorwitz in einem Ding, ob dem ich keinen Scherz verstehe. Ihr aber, biedrer Altbürger, Ihr seid mir lieb und wert. Ohne Zweifel werdet Ihr im Engel Eure wohnung nehmen, da die Schöffen, Euerer Stadt Abgesandte, daselbst die Einkehr nehmen? Recht lieb wird mir's sein, von Euch zu hören."

Nach einem flüchtigen Kopfnicken verliess der Mann, ohne weiter das Geringste