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Limpurg1 hat ihren Reiz und Glanz verloren, seitdem sie Euch nicht mehr zu ihren Gästen zählt. Wahrlich, ich werde am Ende von meinem Stubenmeisterrecht Gebrauch machen müssen, um den säumigen Gesellen Dieter Frosch zur Ordnung und zur Pflicht anzuhalten. Nicht umsonst heisst Limpurgs Banner- und Wahlspruch: Zucht und Ehren soll man mehren, und Freud nicht wehren. Aber Euer Eheherr wehrt unsrer Freude, indem er uns Eure Holdseligkeit versagt." – Margarete erwiderte hierauf besonnen und milde, dass der Schulteiss zu strenge ihrem Herrn zur Last lege, was am Ende sie nur allein verschuldet; dass die Einsamkeit des Hauses ihr besser zusage, als die Festlichkeiten Limpurgs; dass sie desshalb freiwillig in denselben verbleibe, besonders seit ihr Söhnlein wiederum gesundet nach der Stadt gekehrt. – Der Schulteiss schüttelte am Schlusse dieser Entschuldigung leicht, aber dennoch bedeutend mit dem haupt. "Es mag sein," sprach er, "dass die Liebe zu dem kind eines g e l i e b t e n Mannes in einer Frauenseele alles Übrige verdrängt. Ich, der Hagestolz, habe nie gelegenheit gehabt, mich davon genau zu unterrichten. Aber all' Eure geschickten Ausflüchte, reichen nicht hin, um mich von deren Wahrhaftigkeit zu überzeugen. Wo Eifersucht ist, ehrsame Frau, da ist auch Zwang; und eifersüchtig ist Dieter im höchsten Grade, so sehr Ihr Euch bemüht, ihn zu entschuldigen. Wer weiss, ob ich's nicht auch an seiner Stelle wäre. Je strahlender der Edelstein, je näher der Dieb. Dem sei nun aber, wie es wolle," fügte er mit zierlicher Verbeugung hinzu: "Der Glücklichste auf Erden würde ich sein, wolltet ihr mir vergönnen, Euch in Eurer Einsamkeit die Huldigung darzubringen, die Ihr von der Menge verschmäht; wolltet ihr diese goldne Rose gütig empfangen, die ich Euch an dem Tage überreiche, der Euch gebar. Sie sollte von Juwelen gebildet sein, wäre ich ein Fürst; – ein einfach Maienröslein, wär ich noch ein Jüngling, dessen Rosenwangen seiner schlichten Gabe das Wort reden könnten." –

Er hielt der staunenden Altburgerin die kostbar gearbeitete Goldblume mit süssem Lächeln und hofmännischer Geberde hin, und stutzte über die massen, als Margarete das Geschenk mit zierlichen, aber klaren und bestimmten Worten zurückwies. – "Seid nicht ob meinem Tun beleidigt, Herr Ritter;" endigte sie: "Wie dürfte ich von Eurer Hand ein Geschenk empfangen, das ich nimmer erwiedern könnte. Die Sitte, und meine Pflicht gegen Dieter verbinden mich, diese Rose auszuschlagen, welches auch ihre Deutung sei, und welche, ohne Zweifel untadelhafte, Absicht Ihr bei ihrer Überreichung haben mögt."

"Das ist eine harte Weigerung;" antwortete der Schulteiss, mit dem Ausdruck gekränkter Eitelkeit: "es kann Euch ja schon längst kein geheimnis mehr sein, schöne Frau, welche Gefühle ich für Euch hege. Schon längst sehnte ich mich nach einem Anlass, ihnen Worte zu leihen. Heute, an dem schönsten Feiertage, der für mich vorhanden, finde ich diese gelegenheit, und Grausamkeit wird der Lohn meiner redlichen Empfindung? Bedenkt, holdeste der Frauen, dass Ihr durch Eure Weigerung die Rose nicht allein verwerft."

"Bedenkt, edler Herr," erwiderte Margarete, gereizt durch den drohenden Ernst, der in des Schulteissen letzten Worten zu liegen schien, – "bedenkt, dass ich ein verehlicht Weib bin, das solcher Zweisprache füglich entbehren kann; k a n n und m u ss ."

"Ihr verbergt Euch hinter dem Bollwerke der Pflicht;" redete der Schulteiss bitter: "eine bessre Burg gibt es nicht für spröde Frauen. Wären aber vielleicht nur meine Jahre der Feind, dessen Sturm Ihr so mutvoll abschlagt? Ihr müsst mir schon vergeben, ehrsame Frau, wenn ich in Eurem haus umsonst nach dem Talisman forsche, der Euch unverletzbar macht." –

"Seht ihn hier;" rief Margarete, da gerade der kleine Hans in die stube sprang, und in ihre arme eilte: "seht ihn hier, und zürnt meiner nicht, gestrenger Herr!" –

Der Schulteiss verbarg seinen Unmut über die zur Unzeit eingetretne Störung hinter der Maske wehmutsvoller Freundlichkeit. Er verbeugte sich mit einem vielsagenden blick, und streichelte, der Mutter zu gefallen, des Knaben blühende Wange. "Du liebst wohl Deine Mutter sehr?" fragte er den Kleinen.

"Über Alles lieb' ich sie!" versicherte der Letztere mit strahlendem Auge. – "Du Glücklicher!" seufzte der Ritter, verstohlen Margaretens Antlitz hütend: "Du darfst es; Dir gewährt sie Alles. Wie ist's aber mit Deinem Vater? Liebst Du ihn gleich Deiner Mutter?" –

Margarete warf einen der unbescheidnen Frage zürnenden blick auf den Schulteiss, und wollte dem Knaben den Mund verschliessen, aber schon war die Antwort heraus:

"Ich habe keinen Vater!" rief der kleine Hans, von alten Erinnerungen erregt, und in dem Übermut seiner anhänglichkeit für Margareten. "Abscheulicher Bube!" zürnte diese: "Noch einmal diese Antwort, und" .... – "Lasst ihn doch;" meinte der Schulteiss lächelnd: "der Knabe sagte zu viel; das ist aber die Art seines Alters. Desshalb weiss man doch, woran man zu glauben hat." – "Herr Schulteiss!" unterbrach ihn Margarete heftig. Er liess sie indessen nicht ausreden, faltete des Knaben hände, und sagte ihm die