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du mildern, ihm ein sanfteres los in jener Welt erwirken! ...."

"O, welch einen Gedanken fachst Du in meinem Gehirn an!" versetzte Katarine, erhoben durch die Vorspiegelung der Falschen: "Wenn mich e i n e Ursache bestimmt, – e i n Verlagen, so ist es der Wunsch, das Begehren, ihm, der mich elend machte, durch Wohltat und Liebe zu vergelten! Ja, ja! ich folge Dirunbedingt – s e i n Seelenheil zu retten! – Aber ... fügte sie erschüttert und schmerzlich hinzu: Aber ... mein Gott! das zerreisst mein Herz! ... was wird aus meinem kind?"

"Deine Demut, Deinen Gehorsam belohnt der Herr auf der Stelle!" sprach Wallrade prunkend: "Deine Tochter sei die Meine. Nie werde ich mich vermählen, und in Deinem kind die Mutterfreuden kennen lernen, die ich nicht durch die Umarmung eines Mannes erkaufen möchte. Von Zeit zu Zeit bringe ich Dir das Mägdlein in deine Abgeschiedenheit, um es zu küssen, um es zu segnen, und zu sehen, wie mild und gut ich's mit Dir meine."

Mit der Wonne höchster Dankbarkeit umschlang Katarine Wallraden. "Du bist eine Heilige!" – jubelte die arme Mutter: "An Deine hohe Tugend reichen meine Sinne nicht! Noch vor wenig Augenblicken sah ich eine Feindin in Dir, und nun zwingst Du mich, als meine grösste Wohltäterin Dich zu verehren!"

Wallrade, welcher der herzzerreissende Auftritt, trotz der Siegesfreude, die ihr daraus erwuchs, zu lange dauerte, beeilte sich, ihm rasch und durchgreifend ein Ende zu machen. Sie versicherte unter den kräftigsten Beteuerungen der Ärmsten ihre unwandelbare Zuneigung, ermahnte sie, dem mühsam abgerungenen Vorsatze treu zu bleiben, und versprach ihr zum folgenden Tag die Einführung in das Kloster der weissen Frauen, woselbst unter ihrer Vermittlung die Aufnahme vorbereitet werden sollte. Hierauf redete sie ihr zu, das Lager zu suchen, um durch Ruhe den Sturm ihres Gemüts zu beschwichtigen, und überliess sich, nach Katarinens Entfernung, einem tiefen Nachdenken, dessen Ergebnisse am nächsten Morgen sich offenbaren sollten.

Zweites Kapitel.

Reichtum heisst nicht, Gold und Silber zu besit

zen, sondern was man liebt.

Serbisches Lied.

Frau Margarete stand umwölkten Blicks vor dem Kästchen, in welchem auf schwarzem Sammtgrunde die goldne Kette lag, womit ihr Gemahl sie zur Feier ihres heutigen Geburtstages bedacht hatte. Sie hätte mit sich selber grollen mögen, die Beschenkte. Herr Dieter hatte so herzliche Worte der Liebe zu ihr gesprochen, und trotz ihrem aufrichtigen Bemühen, solcher Liebe würdig zu sein, konnte sie kein ähnlich Gefühl in ihrer Brust hervorzaubern. Ehrfurcht und Sorgfalt, den greisen Mann zu rächen, fand sie ihre Seele bereit, aber jene Empfindung, die so zart bewegt, so sanft erwärmt, so selig beglückt, war und blieb ihr fremd. In der prachtvollen Kette, diesem Zeichen von Dieter's liebevollem Wohlgefallen, sah sie nicht den Schmuck sondern nur die neue Fessel. Eine befriedigende Selbsttäuschung hatte sie bis jetzt verblendet, und errötend, widerstrebend musste sie sich gestehen, dass sie sich betrogen, dass sie für Dieter nur ein Herz habe, – kalt wie das Metall, aus welchem das vorliegende Festgeschmeide gefertigt. "Wie sich hin: "Ich möchte gerne redlich meine Pflicht erfüllen, wie es meines Eheherrn fromme Güte verdient, und dennochmeinem Willen zuwiederkommt mir wie Heuchelei vor, was ich tue und rede. Ach! hätte doch mindestens der Himmel meinen Johann erhalten; .... ich könnte alsdann in Dieter den Vater meines Kindes lieben! Aber das Unglück war nicht abzuwenden, ... nur zu v e r d o p p e l n durch eine verräterische Lüge ..." setzte sie leise und unmutig hinzu.

Rasch warf sie den Deckel des Kästchens zu, und wollte dasselbe in ihre Spinde schieden, aber mit Staunen bemerkte sie nun, dass sie nicht allein gewesen. Der Schulteiss, ein schöngewachsener in den fünfziger Jahren noch stattlich aussehender Mann, dessen Gestalt ein geschmackvoller. Anzug noch erhob, war, ohne von Margarete gehört worden zu sein, in das Closett getreten. Dieter's Gattin verneigte sich bestürzt, suchte in den Augen des edlen Herrn zu lesen, ob er etwa vernommen, was beinahe unwillkürlich ihren Lippen entwischte, ersah jedoch zu ihrem Vergnügen nichts anders darin, als nur den freundlichen Gruss eines so eben über die Schwelle Schreitenden. Der Schulteiss, ein Mann von Sitte und Geschmeidigkeit, zögerte nicht, der sichtbaren Verlegenheit Margaretens hülfreich entgegen zu kommen, und fragte bescheiden und angelegentlich nach dem Schöffen. Margarete berichtete ihm, ihr Gatte sei nach dem Garten gewandelt, um über die Anpflanzung desselben Befehle zu erteilen. Der Schulteiss lächelte fein. "Freund Dieter," sprach er, "scheint Blümlein und Früchte zu lieben; er ist eifersüchtig, auf sein Eigentum, und entzieht aller Welt dessen Genuss. Die schönste Blume seiner Gärten lässt er in Einsamkeit vertrauern, statt dann und wann die Zahl anderer Verehrer durch ihren Anblick zu erfreuen." – Margarete, deren Scharfsinn gar leicht die Bedeutung der sinnbildlichen Rede erriet, antwortete durch das Rot auf ihren Wangen, und duldete es, dass der Schulteiss betonender fortfuhr: "Wir haben Euch so lange nicht in unsrer Mitte gesehen, ehrsame Frau. Die weitberühmte und herrliche Gesellschaft auf