1827_Spindler_093_118.txt

Wink die Dienerin entfernte; sie ergriff des Fräuleins Hand und sah sie mit dem Ausdrucke unaussprechlicher Wehmut an. – "Was willst Du, Katarine von der Rhön?" fragte Wallrade hart und abgeschlossen. – "Verbirg mich vor meiner eignen Schande!" schluchzte Katarine, "und nenne den unglücklichen Namen nicht, der mich einst selig machte, und nun meine ganze Zukunft vergiften wird." – "Wie soll ich Dich denn also nennen, Unselige?" fragte Wallrade wie zuvor. – "Hab ich denn mein Recht auf Deine Freundschaft verloren?" klagte Katarine: "An Deinem Busen fand ich Trost über des Gatten Verlust, als er mich und sein Kind so schnöde verlassen hatte: Deinem Zureden folgte ich, als ich unsers gnädigsten Kaisers Gnade von mir verwies, die für meine Zukunft sorgen wollte. Deiner ernstlichen Zuneigung vertraute ich, als Du mich auffordertest, mit Dir zu ziehen, um des treulosen geliebten Flüchtlings Spur zu verfolgen. O, steh mir auch jetzt bei in den schwersten Stunden meines Lebens! Hilf mir in diesem Sturme meines empörten Herzens!" – "Wie soll ich?" sprach Wallrade mit Kälte und unverkennbarem Widerwillen. – "Werde mir nicht fremd;" fuhr Bilger's Gattin dringender fort: "zürne nicht meiner Scheu, zu glauben, was meine Seele durchschneidet wie ein Schwert. Ist es auch sichre lautre Wahrheit, was Du mir berichtet?" – Wallrade richtete sich stolz in die Höhe: "Wozu diese Frage?" sagte sie mit einem Tone, der die arme unschuldige Katarine beben machte: "Ich lüge nicht. Beruhigt Dich aber ein Eid mehr, als mein Wort, so schwöre ich den teuersten, dass ich Wahrheit sprach." – "Und wer .... wer ist die, die er zuerst umfing, um sie zu meiden für meinen Besitz?" fragte Katarine, wie von Eiseskälte geschüttelt weiter. – "Die Unglückliche ist hier geboren, aus edelm Geschlechte stammend;" entgegnete Wallrade zögernd: "sogar nahenahe mit mir befreundet. Ihren Namen, wie den Ort, den sie bewohnt mit ihren vaterlosen Waisen, hoffe nicht von mir zu erfahren." – "O nenne mir ihn!" bat Katarine flehend, und ausser sich: "Nenne mir das Weib, nenne es!" – "Mit nichten!" höhnte Wallrade: "etwa, damit Du, die leidenschaftlichste aller Frauen, die ein lodernd Feuer unter harmlosem Antlitz birgt, die stille Zurückgezogenheit der Ärmsten stören mögest durch Deine Klagen, Deine Verwünschungen?" – "O, wie hart urteilst Du von mir!" versetzte die Frau von der Rhön: "ich habe für ihn, den falschen Verräter, den sündigen Mann keine Verwünschung, und ich sollte jener zürnen, die früher von ihm betrogen wurde, denn ich?" – "Du sprichst gut;" antwortete Wallrade gleichgültig: "nur Schade, dass Deine Rede gleissender ist, als die Tat es sein würde. Das Weib ist heftiger in seinem Hass, als der Mann selbst. Überdies kehrst Du die Waffen gegen Dich selbst, sobald Du ruchtbar machst, dass Du den in Bann Verfallnen in verbrecherischer Ehe umschlungen. So wie Du die Sünde mit ihm teiltest, so müsstest Du auch die Strafe mit ihm teilen. Gelüstet's Dich, mit geschornem Haupt und nackten Füssen, die gelbe Kerze in der Hand vor der Kirchenpforte zu knien, Busse zu tun vor den Augen der Gemeinde, und jeden Vorübergehenden um Vergebung anzubetteln im Namen des barmherzigen Gottes und seiner Heiligen? Gewährte es Dir Luft etwa, als Verführerin des ruchlosen. Mannes, der, sich selbst feig der Gefahr entziehend, Dich darinnen umkommen lässt, Dein Leben in einem dumpfigen Kerker bei wasser und Brod zu vertrauern, während Dein Mägdlein im Schlamm der Schande und des Mangels untergeht? Und doch wären dieses die Folgen Deiner Unbesonnenheit. Das Geschlecht der rechtmässigen Gattin von der Rhön's würde Dich auf's grausamste verfolgen. Du würdest unbezweifelt das Opfer sein." –

"Du entfaltest ein erbärmlich los vor meinem Blicke;" seufzte Katarine mit Tränen der Angst in den schönen Augen: "wohin ich sehe, droht mir Schande. Meinen Namen wage ich nicht mehr vor einem fremden Ohre auszusprechen."

"Du musst ihn auch aus der Welt tilgen;" forderte Wallrade gebieterisch: "Du darfst nicht mehr nach dem Elenden Dich nennen; nicht Dich, nicht Dein Kind: denn nur jene Erste führt das Wappen derer von de Rhön mit Recht. Und nicht nur Dein Name, du selbst musst aus dem Alltagsleben verschwinden, – willst Du ruhig, ungefährdet sein, und Reue üben ob dem Frevel, dessen Du Dich teilhaftig gemacht." –

"So rede!" flehte Katarine: "Rate! zeige mir einen Weg, der zu der Abgeschiedenheit führt, die allein mir Heil bringen kann!" – Wallrade schwieg hartnäckig, und erst, nachdem Katarine alle Bitten der Freundschaft an sie verschwendet hatte, begann sie ernst und gemessen, wie folgt: "Gerne würde ich Dir eine Zuflucht in meinem haus anbieten, allein mein Gut wirft kaum meinen Unterhalt ab, und die zahlreiche Nachbarschaft, die in meinem hof ausund eingeht, könnte Dir gefährlich werden. Ich möchte meine Freundschaft nicht gern mit Bann und Interdikt belohnt sehen." –

"Was bleibt mir übrig?" weinte Katarine und rang die hände