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schmachtet dahin in Elend und Kummer sammt ihren Kindern. Und dennoch ist sie weniger zu beklagen, als Du; denn Deine Ehe mit dem Verräter ist Sünde und Schmach; Dein Kind ist unehelich gezeugt in Schuld und Frevel."

Katarine sank mit einem dumpfen laut vom Sessel zur Erde, und mitleidige Ohnmacht schloss ihr Auge. – Aber das Mitleid stand an ihrer Seite nicht. Wallrade leistete ihr keine hülfe, sondern lächelte tückisch in das Unglück, das sie angerichtet. Mit grausamem Übermut heftete sie die wilden Augen bald auf das arme Weib zu ihren Füssen, bald auf dessen, in weichen Kissen schlummerndes Kind. Grimmiges Rachgefühl verzog ihr Gesicht, hob die kühn arbeitende Brust. Die hände schlug sie befriedigt zusammen, und murmelte höhnend zwischen den Zähnen: "Der Siegreich ist gefallen! Fast stehe ich am Ziele. Er, flüchtig wie ein Ächter; s i e , losgerissen von Allem, in meiner Gewalt; sein Kind mein Opfer, wehrlos hingegeben meiner Vergeltung! So musste es kommen. Leben muss er zu seiner Qual, und wenn auch die kühnste Verzweiflung ihn wieder zum verlassnen Herde triebe, verstohlen, um jeden Preiss seine Lieben noch einmal zu sehen, die Stätte öde finden, und nicht wissen, wo sie atmen, die ihm teuer sind. Vergehen muss e r nun langsam in fruchtlosem Jammer; vergehen muss aber auch s i e an der trägen Glut fressenden Grams; und erblassen muss die Tochter in meinem Schooss, verwelken an dem Genusse des Wermutbechers, den ich ihr reichen will vom Sonnenaufgang bis zum Abendrot. Dies zu vollbringen helfe mir das Unglück, das so gerne feindselig des Menschen Geschick zu untergraben bereit ist! –"

Die Zofe trat hier in die stube, und bebte zurück, da sie die erblasst dahin Gesunkene ersah. "Was solls?" fragte Wallrade. "Rüdiger ist zurück;" berichtete die Magd, ihrer Bestürzung kaum Herr werdend. – "Zurück?" fragte Wallrade wiederum, und ein heller Schein überstrahlte ihre Züge: "Ich gehe, ihn zu sprechen. Stehe Du mittlerweile hier der Elenden bei, und bringe sie zur Ruhe. – "

Mit einem höhnenden Abschiedsblick rauschte sie zur tür hinaus, vor welcher der Knecht Rüdiger wartete. Sie winkte ihm in die Seitenstube. – "Sag' an Deine Mähr;" begann sie zu dem mann. "Gesagt ist sie bald," erwiderte derselbe. "Es hat Alles seine völlige Richtigkeit. Der Knabe, von dem Ihr Kunde haben wollt, ist wirklich derjenige, wofür er ausgegeben wird." – "Nicht möglich!" fiel Wallrade ein: "Du lügst!" – "Ihr dürft mich einen Lügner schelten;" versetzte der Breitgestirnte gleichmütig: "Ihr seid meine herrschaft, und ich Euer halseigner Knecht. Aber trotz dem konnte ich zu Wiesbaden nichts anderes herausbringen. Die Frau Willhild von welcher mir Else erzählte, da ich sie Eurem Gebote gemäss, geschickt ausforschte, hat richtig Herrn Dieter's Junker erzogen, und ihn verwichnen Herbst zur Stadt gebracht. Keine Seele in ihrem Wohnorte und zu Wiesbaden weiss Anderes davon zu berichten. All meine Mühe war umsonst." – "Schon genug;" versetzte Wallrade: "Du bist ein Büffel, und ich werde selbst an Ort und Stelle sehen, ob Du meinen Auftrag ausgerichtet, wie ich's begehrt." – "Das steht Euch frei;" entgegnete Rüdiger wie oben: "aber, ob Ihr gleich der Herr seid und ich Nichts gegen Euch vorstelle, so werdet Ihr doch finden, dass ich Recht habe."

Nachdem er sich entfernt, überlegte Wallrade, mit Ernst und Fleiss, wie Alles sich zu ihren schnöden Zwecken fügen müsse. – "Diese schwüle Gewitterhitze kann nicht von Bestand sein," sprach sie zu sich selbst: "bleibe ich länger, so kommt es zur Fehde zwischen der Stiefmutter und mir. Den offnen Bruch muss ich jedoch vermeiden, bis ich ihr hart an's Leben kann. Jetzt treibt mich die Vorsicht von hinnen, denn nach dem, was Katarine sprach, ist mein Bruder angelangt, und brütet sicher in geheimer Stille Verderben gegen mich. Ihm muss ich ausweichen zu gelegner Zeit, und selbst zu Wiesbaden und an Willhild's Wohnorte die Waffen suchen, deren ich bedarf, um Margareten zu vernichten. Dennfalsch ist ihr Spiel; wie sollte i c h den Buben nicht kennen? Warum wäre e r so scheu und furchtsam gewesen, da er mich nur sah? Welch ein seltsam Verhängniss ihn auch hieher, gerade in dieses Haus geführt haben mag ..... ich will es benützen. Zuerst diene er mir als Hebel zum Sturze meiner Feindin; dann erst soll auch ihn meine verzögerte Rache ereilen. Ehe ich aber die Fahrt antrete, die mir Gewissheit verschaffen soll, wo Margaretens Sohn hingekommen, muss ich noch ein Gift bereiten, das ich in Dieter's Wunde streuen kann, um sie nie verharrschen zu lassen."

"Um Gottes Barmherzigkeit willen, lasst mich zu ihr!" jammerte eine flagende stimme draussen, und Bilger's Gattin stürzte mit aufgelöstem Haar und zerrütteten Gewändern zu Wallraden herein. "Ich konnte sie nicht aufhalten!" versicherte die zagend nachfolgende Zofe, da sie in Wallradens finsterm Blicke den Zorn über die unverhoffte und unwillkommne Störung las. Verweint, bleich, mit wankenden Knien nahte sich Katarine dem fräulein, das durch einen