geht er hin zu dem Colonna, von dem er allein noch Hilfe erbetteln könnte, und verrät Euch, seinen Neffen, als den Entführer des Papstes; in der Hoffnung .... – durch einen grossen Schurkenstreich minder bedeutende wieder gut zu machen; unterbrach sie Dagobert ungestüm: "Wohl bekomm's, ungetaufter Ehrenmann. Gut ausgedacht. Der Eine läuft zum Cardinal, mich anzugeben, der Andre zum Engel, um dort meine Habe zu verhaften. Zum Glück hat mir vom Teufel g e t r ä u m t , und ich habe dem oheim eine Nase gedreht. Meine Pferde stehen in einer Herberge vor der Stadt, und dahin eile ich jetzt. Vor dem Kaiser würde ich nicht Fersengeld geben; aber das Concilium ist ein ander Ding. Ich habe Hussens Kerker gesehen, und damit genug gehabt."
"Wie aber entweiche ich? Sie haben die tür verschlossen, sagst Du?" – "Ich besitze noch einen Schlüssel," antwortete Fiorilla zögernd und rot werdend, "von dem der oheim nichts weiss. Mit diesem öffne ich Euch die Pforte." – "Habe Dank, du listige Schlange;" versetzte Dagobert, die Mütze aufstülpend, einen derben Zug aus dem Becher tuend, und Fiorillen die Hand reichend: "Gott segne Dich, und den glücklichen Buhlen, dem dieser Schlüssel wohl schon öfter hinter des ehrwürdigen Freundes rücken das Pförtlein auftat. Wie kann ich Dir vergelten?" – "Durch einen kleinen Liebesdienst;" erwiderte Fiorilla eilig, und dennoch verschämt: "Gestattet, dass ein junger Mensch Euch ein Stückchen weges begleite. Das junge Blut fürchtet sich, allein von dannen zu gehen, und dennoch ...." – "Und dennoch soll ihn der oheim hier nicht finden?" fragte Dagobert schelmisch drohend: "In des himmels Namen – er komme. Ich bin schon einmal dazu bestimmt, der Begleiter von allerlei Menschen zu sein, die dem Wetter nicht recht trauen, und selbst, wenn ich auf flüchtigen Füssen bin, muss ich noch immer einen Andern mit mir schleppen. Der feine Bube tummle sich indessen. Ich habe nun weder Ruh noch Rast. Käme der oheim jetzt zurück, wär's sein Unglück und das Meine, und Beides hätte ich nicht gern auf dem Gewissen." – "Eurer Zusage vertrauend, wartet der Knabe draussen;" sprach Fiorilla: "bringt ihn ja gut dahin, wo er zu haus ist." – "Insofern sein Haus an meiner Strasse liegt, und der Bube flink auf den Beinen ist, recht gern, weil dem Bäschen so viel an dem furchtsamen Milchbart liegt. Jetzt die Hand, Fiorilla, und die Wange. So! Gott lohne Euch die Warnung, und lasse Euch glücklich und vernünftig werden. Lebt wohl." –
Schnell verliess er das Zimmer; Fiorilla eilte mit dem Lichte voraus. Auf der düstern Treppe schloss sich der Günstling der Italiänerin, ein feiner Junge, aber wunderlich vermummt in einen, der Kleiderkammer des Prälaten entliehenen, weiten Rock, und eine Stirn und Wange verhüllende Kappe, an die Beiden an. Dagobert, mit seinem eignen Geschick beschäftigt, schenkte ihm nur einen flüchtigen blick, und schritt rüstig zu der Pforte, deren Schloss Fiorilla's Schlüssel nur zu langsam für des Jünglings Ungeduld öffnete. Tränenden Blicks reichte die Schöne von Cesena dem letzteren die Hand, heftig schluchzend fiel sie dem Vermummten um den Hals, und Dagobert war schon ziemlich voraus, ehe sein Begleiter, dessen Schritt von dem langen Gewande gehindert wurde, ihn erreichte. "Spute Dich, Du verliebter Früh-in'sHolz!" raunte Dagobert dem Keuchenden zu. "Weit ist noch der Weg bis vor die Stadt, wenn Du ausserhalb derselben wohnst?" – Der zur Seite Laufende nickte stumm, und Dagobert setzte sich wieder in den alten Schritt, bis er in die Strasse gelangte, welche er einst, dem Kloster flüchtig enteilend, nicht minder schnell gemessen. Wie ein Blitzstral fuhr ihm aber hier mit einemmale die Erinnerung an Ester, an des Herzogs Worte, an seine Liebe durchs Gehirn, und unschlüssig blieb er stehen. "Wie ist's?" überlegte er: "soll ich das Mädchen, das ich liebe, wenn ich's gleich nicht gestehen will, einer ungünstigen Conjunktur zum Raube lassen? Oder soll ich, sie zu retten, für mich selbst die Zeit versäumen? Wer bürgt mir dafür, dass nicht in der nächsten Stunde den Wachen an allen Toren die Kunde ward, auf mich ein wachsam Auge zu haben? Wäre ich nicht alsdann verloren, und das Mägdlein schutzlos wie zuvor? Und dennoch muss ich meine Zusage halten, .... und dennoch muss ich wenigstens v e r s u c h e n , ob ich sie retten kann, für die mein Herz und Friedrichs Gebot das Wort führt." – "Herr meines Lebens," seufzte hier eine schwache stimme neben ihm, und er gewahrte mit Erstaunen seinen Begleiter neben sich, der die hände in die Seiten gestützt, verschnaufend an einer Ecke lehnte. – "Was gibt's?" fragte Dagobert unmutig: "Junger Fant, was soll das Wehleidigtun? Wer sich in den Dienst der Frau Venus will begeben, muss küssen, drein schlagen und laufen können, w a n n es eben sein muss; denn vom Abenteuer lebt die Minne." – "Ich