sicher genug in meines Vaterbruders haus." – "Amen!" fügte Hieronymus bei, sandte Fiorilla zum Keller, und begab sich durch die Seitentüre in sein Schlaf- und Schreibgemach. Dagobert dehnte sich gemächlich in seinem Polsterstuhl, und stützte den Kopf in die Hand. "Wie ist mir denn?" sagte er zu sich selbst: "Komme ich mir doch vor, wie ein Träumender, oder besser, wie ein Trunkner, der auf schwankenden Eisschollen über einen Strom zu taumeln versucht. Die geschichte dieser letzten Tage ist wie ein toller Spuck gestaltet. Ich denke einem wider Willen zu einem Verbrechen gereizten mann, meines Standes höchstens, das Geleit zu geben, – und siehe da, es ist das Oberhaupt der Christenheit selbst, das mich zum Lohn von meinen Altarpflichten frei spricht während – wie ich begreife – das ganze Concilium meiner Tat den Stab bricht. Ich verlasse den Herzog auf dem Gipfel fürstlichen Glanzes, und finde ihn wieder im Begriff Reissaus zu nehmen vor einer Rotte von Priestermützen und einem Kaiser, dem wenig mehr zu Gebote steht, als ein Mund voll Honig, wenn auch Galle sein Herz erfüllt. Ich stand schon auf einem seltsamen fuss mit dem oheim, ehe ich gegen Schafhausen zog, aber nun stehe ich auf einem weit wunderbarern mit dem Wackern. Wir sagen uns gegenseitig dürre Wahrheiten, dürr und stachlich wie die winterliche Schlehenhecke, und dennoch will e r die Sanftmut vorwalten lassen; ... er, der sich, wie ich beinahe glaube, durch seines neuen Vaterlandes Doppelzüngigkeit um des Papstes und des Kaisers vorübergehende Gunst gebracht hat? Frei ging ich zu Costnitz einher, nachdem ich einen Ketzer hatte befreien wollen, und jetzt rät mir der Herzog selbst schnellen Abzug, weil ich dem Vater der Rechtgläubigen aus dem Netze half? – Ja, Friedrich hat Recht: der Teufel ist in die Zeit gefahren, aber auch dem Schwarzen trotze ich mit dem Freibrief in meiner tasche. Bin ich einmal hinter den Mauern meiner Vaterstadt ... dann fahret wohl, Kaiser, Concilium und Reich. Ich mische mich ferner nicht mehr in eure Händel." – "Ei sieh da;" sprach Dagobert nun laut, und den Kopf nach der tür wendend, durch welche Fiorilla mit Wein und Semmeln belastet, eintrat: "sieh da, mein Bäschen! Eure Heimat werde ich nicht zu sehen bekommen, aber den günstigen Augenblick will ich benutzen, um den Kuss des Lebewohls auf Deine Rosenlippen zu drücken." – Fiorilla entzog sich seinem arme mit sichtbarer Befangenheit und Furcht. "Warum so ängstlich, närrische Dirne?" flüsterte Dagobert: "Noch haben sie mich nicht vogelfrei erklärt; noch darf mich ein holdes Mägdlein küssen. Oder fürchtest Du Dich vor dem Chorrock? Beruhige Dich; Chorrock und Kutte hänge ich an den Nagel. Oder bangt Dir vor der Nähe Deines eifersüchtigen Freundes? Ohne Sorgen. Der gute oheim brauchte neulich mehr denn eine Stunde dazu, einen deutschen Brief zu lesen. Wie viel geben wir ihm wohl Zeit, einen deutschen Brief zu schreiben? Bis er sich wieder besinnt, wie die wunderlich gekräuselten Buchstaben gemalt werden müssen, ist die Mitternacht da. Versage mir also Dein Mündlein nicht, holde, dem schwarzen Bocksfuss entrissene Seele!" – Noch einmal wies ihn Fiorilla zurück, und presste aus fliegender Brust die eiligen Worte hervor: "Ihr werdet scherzen und Kurzweil treiben, wenn Euch der Tod über die Schulter sieht. Verblendeter; verloren seid Ihr, wenn Ihr nicht schnell Euch von dannen macht." –
"Ho!" entgegnete Dagobert, ernst und aufmerksam werdend: "Mädchen! Du gönnst mir wohl nicht den Wein aus meines lieben Oheims Keller?" – "Die Freiheit gönne ich Euch lieber;" sprach Fiorilla, wie vorhin: "Flieht, weil es noch Zeit ist. Der Oheim hat Böses gegen Euch im Sinne. Glaubt nicht, dass er sich in seinem Schlafgemach befindet. Vor einem Augenblicke verliess er mit dem Knechte, der die Leuchte trug, das Haus. Hinter der tür des Kellers lauschend, hörte ich, wie er zu dem Burschen sagte: Nimm Dich wohl in Acht, und leuchte vernünftig. Von des Cardinals haus läufst Du, was Du kannst, zum Engel." – Sorgfältig die tür schliessend, gingen sie davon, Euch zu verraten. – "Zu verraten?" rief Dagobert, aufspringend: "Der Bruder meines Vaters mich verraten? Zu welchem Endzweck das Bubenstück?" – "Ach, Ihr wisst noch nicht, was geschehen;" entgegnete Fiorilla mit steigender Besorgniss: "Wallradens Verständniss mit Sigmund ist vorbei." ohnmächtig wütend zog sie von hier ab, verspottet von ihren Freiern und der Welt. Eures Oheims Glückstern ging schnell unter. Er, der den Papst verlassen um des Kaisers willen, wird von diesem schnöde behandelt, und seit des heil. Vaters Flucht, die Ihr, wie man allgemein behauptet, begünstigt, geben die Machtaber vor, in Euerm oheim einen heuchlerischen Anhänger des Geflüchteten entdeckt zu haben. Die Cardinäle, den arglistigen Colonna an der Spitze, der zum Kaiser hält, wiesen den Flehenden von ihrer tür, und zu allem Unglück gelangte gestern an ihn die unwillkommne, die zermalmende Botschaft, dass sein Capitel, seines langen Ausbleibens und Geldverschwendens müde, einen Andern statt seiner erwählt, und diese Wahl zur Bestätigung an das Concilium bereits berichtet. Diese Kunde donnerte den Prälaten vollends nieder, und nun