und blieb einige Zeit bewegungslos im Gemache stehen. Dann aber raffte er sich männlich zusammen, und floh aus dem haus, in dem er bisher das Ideal eines Ritters, wie er sich es dachte, bewundert hatte. – In dem haus seines Ohms fand er eine bestürzte und unfreundliche Aufnahme. Des Prälaten Blicke massen ihn mit gehässigem Ausdruck; Fiorillens Augen mit ängstlicher Scheu und Beklommenheit.
"Was willst Du noch bei mir?" fragte der oheim nicht ohne Heftigkeit: "Freude bringst Du nie. Du kömmst ungeladen wie eine Krankheit, und gehst nur wie s i e von dannen: nachdem Du Schaden angerichtet." – "Ihr seid fürchterlich streng in Euerm Urteil," antwortete Dagobert: "allein – auch eine Krankheit sieht man gerne Abschied nehmen, und in keiner andern Absicht hab ich's gewagt, Euch in dieser Zwielichtsstunde zu überfallen." – "Fahre wohl;" lautete es aus des Prälaten mund: "ich frage nicht, wohin Du gehst, denn dem Bösen soll man nie auf die Ferse blicken; auch bist Du seit längrer Zeit auf geheimen Reisen begriffen, deren geheimnis ...." – "Nicht lange geheim bleibt?" fiel der Neffe lächelnd ein: "Ihr Herren habt das Vorrecht, Allem auf die Spur zu kommen, früher als andre ehrliche Leute. Für diessmal geht meine Fahrt zum Vater, und ich habe gewünscht, – wie es einem biedern Blutsverwandten zukommt, – mich mit Euch zu letzen, und Euch zu fragen, ob Ihr mich nicht mit einem Brieflein oder dergleichen zu beauftragen begehrt. Vom Wiedersehen dürfte wohl, nicht leicht mehr die Rede sein. Die Lust am lieben deutschen vaterland hat in mir überhand genommen. Jenseits der Berge, fürchte ich, ist mein Platz nicht, und das Bartolomäistift bei Cesena sogar ....." – "Schweig!" fuhr der Prälat mit zornrotem Antlitz auf, und aus dem fleischigen Antlitz brach ein Strahl von Grimm und gehässiger Tücke, wie ihn Dagobert noch nie gesehen. Fiorilla zerrte, von dem jungen mann unbemerkt, warnend an des Prälaten Überkleid, und der Sturm begütigte sich hierauf, mindestens dem äussern Anscheine nach. Monsignore zwang die aufgeregten Gesichtsmuskeln in ihre alte Ordnung zurück, und fuhr mit gemässigtem Tone, in dem jedoch unverkennbar bittrer Spott lag, fort: "Du hast vollkommen Recht, Neffe. Dort findet, sich kein Platz mehr für Dich, nach dem, was Du getan. – Stelle Dich nicht so unbefangen an. Ganz Costnitz weiss von Deinen Ränken. Der Himmel verzeihe es denen, die Dich dazu verleiteten. Der Himmel verzeihe auch Dir den Nachteil, den Du Deinen Angehörigen dadurch bereitet. Herzog Friedrich wird die treuen Dienste doch mit einer fetten Pfründe lohnen in seinem Bauernlande?" – "Ei was, oheim;" erwiderte Dagobert lustig; "Bauern hin, Bauern her! Im Tyrol legen die Hühner Eier, und tragen die Reben Beeren, wie in Wälschland, und ein altes Sprichwort sagt: Wo's nicht an Hennen und Zehnten gebricht, da verdirbt auch die Pfaffheit nicht. Die Präbende, die der Montfort ausbot – Ihr erinnert Euch – konnte ich nicht verdienen. Ich muss demnach auf Ersatz denken." – Der Prälat antwortete nichts, sondern kaute wehmütig, und als wie überlegend an den Lippen. –
"Ernstlich indessen;" sprach Dagobert weiter: "Der Herzog ist mir nichts schuldig, und ich habe keinen kaiserlichen gönner, wie Ihr, würdiger oheim, der mir Ring und Stab aus dem Ärmel schütteln kann, sobald er nur will, zum Lohn für eine Nachsicht zu rechter Zeit." – "Toller Schwätzer!" rief der Prälat, von Neuem hitzig werdend: "Was kümmert mich der Kaiser? Spare Deinen Spott zu gelegener Stunde." – "O weh!" entgegnete Dagobert: "Was bedeutet dieser Groll? trug der Winter die Rosen, und bringt der Frühling den Schnee? Hat Liebstöckel schon im März abgeblüht? oder haltet Ihr es nimmer mit dem Kaiser, seit Johannes es wieder mit der freien Luft hält." –
"Ich muss gestehen," versetzte der Prälat mit einer gewissen arglistigen Schalkheit: "dass dieses das seltsamste Gespräch sein mag, das jemals zwischen oheim und Neffen geführt worden ist. In dem wälschen land, das Du zu verachten scheinst, sprechen Todfeinde zierlicher zu einander, als hier in Deiner gepriesenen deutschen Heimat des Bluts Befreundete. Jedoch, damit Du sehest, wie wenig ich gewohnt bin, Böses mit Bösem, Trotz mit verdienter Härte zu vergelten, will ich Dir erlauben, hier zu verziehen, und einen Abendtrunk anzunehmen, den Fiorilla besorgen wird, während dessen ich, meinen schlechten Augen zum Trotz, aber meiner brüderlichen Liebe zum Frommen, ein Schreiben an Deinen Vater aufsetze. Ich verspreche Dir; es soll Dir nicht zu Leide geschrieben sein, und keck darfst Du es übergeben. Du machst Dich doch morgen mit dem frühsten davon?" – "Ich denke es;" antwortete Dagobert, sich bequem in einen Sessel niederlassend. – "Tue das;" fuhr der oheim fort, wie oben: "länger ist's für Dich nicht geheuer zu Costnitz. Dein Pferd steht im Engel?" – "Ja, mein guter oheim!" erwiderte Dagobert: "das wackre Ross wird mich auch unter Engels Schutz und Schirm weiter tragen. Für den Augenblick bin ich ja