zu lassen, als bisher." – "Von Herzen gern!" versicherte der Edelknecht: "allein, – wie sagtet Ihr? Ihr habt einen Ritt vor? heute an diesem Ehren- und Freudentage sämmtlicher Ritterschaft? Wie ist das zu verstehen?" – "Das heisst so viel als: Dich kümmert's nicht;" entgegnete Dagobert. "Wo finde ich den Langen?" – "Im Maulbeerbaume sitzt er;" maulte Gerhard: "Ihr seid aber ein Geheimnisskrämer, mit dem nicht auszukommen ist. Schon gut indessen. Ich hole mir Ruhm und Preisse, während Ihr – ich schwör es – auf irgend ein verliebtes Abenteuer zu dorf reitet, und am Ende mit zerbläutem rücken heimkehrt."
Sie trennten sich, und Dagobert ging nach dem bezeichneten haus. Wer indessen Füsse hatte zu laufen, und Ellenbogen, sich in dem Gedränge Platz zu machen, stürmte dem Turnierplatze zu. Die Mittagsstunde kam und ging. Die Sonne schien heiss auf die Scheitel der gaffenden Menge, aber unbeweglich wie eine Mauer hielt das Volk den Platz besetzt. Die Fenster und Erker und Söller der umliegenden Häuser füllten sich mit Neugierigen, die Giebelzacken und Dachrücken trugen unzählige von kecken, schwindelfreien Gesellen, die, gleichsam in freier Luft schwebend, sich etwas darauf einbildeten, höher zu sitzen als der Kaiser selbst. Nach und nach wurde allentalben der Raum enger, denn die zum Kampf gemeldeten und schildfähigen Ritter und Edle kamen langsam zu Rosse angerückt, umgeben von reisigen Wappnern mit Fähnleinträgern und Trompetenbläsern. In doppelter und dreifacher Reihe schaarten sie sich um die noch verschlossenen Schranken der Stechbahn. Zugweise kamen nun auch die anmutig und köstlich geschmückten Frauen herbei, und bildeten den schönsten Kranz auf den überfüllten Emporbühnen. Die vornehmen Würdenträger der Kirche, die, adelicher Geburt und selbst unter Inful und Cardinalshut weltlicher Ritterlust nicht entsagend, den Abscheu nicht teilten, mit welchem die Geistlichkeit niedren Ranges die Kampfspiele betrachtete, nahmen die für sie bestimmten Bänke ein, und musterten lächelnd, in fremder wie einheimischer Zunge scherzend, das schöne, überzählig anwesende Geschlecht. Noch war die Bahn leer, noch lagen die Fallbäume und Gitter im Schloss; da eilten geschäftig die Kampfrichter herbei, begaben sich durch das engste Pförtlein in den Rennkreis, bestiegen ihre Stühle, und winkten den Turniervögten zur Ordnung, den Spielleuten zur Pflicht. Von den Söllern der letzteren ertönte ein vollstimmiger andauernder jubel, und festlich prangende Klänge. Denn der Kaiser langte so eben, von dem leuchtenden Geschwader prächtig gerüsteter Fürsten und Herren umringt, auf dem platz an. Sein lenksamer Schimmel, bunt verziert mit Straussen- etc. Federn und Goldbändern tanzte stolz daher, indessen neben ihm der schwarze Hengst des Herzogs von Österreich-Tyrol seinen schweren gewichtigen Schritt hielt. Der Herr der Pfalz und Baierns Fürst ritten dicht hinter Friedrich, welcher, den Wirtspflichten getreu, schnell an der Treppe, die zu des Kaisers Stuhl führte, absprang, mit der linken Hand eine Geberde machte, als berühre er den Steigbügel, und mit der Rechten dem absteigenden Sigmund die äussersten Fingerspitzen zur hülfe darreichte, die aber auch von dem König nicht angenommen wurden. Hierauf begnügte sich Friedrich mit der Hand nach der Treppe zu weisen, und dem dahingehenden Sigmund noch einmal seinen Arm als Stütze anzubieten, der aber ebenfalls versagt wurde. Ein lautes Lebehoch und Trompetengeschmetter empfieng die Fürsten, da sie in dem goldnen Zelte angelangt waren, und Sigmund liess sich huldvoll nickend, am rand der Brüstung auf den Brokatsessel nieder. Die Fürsten im Kreise um ihn her, Friedrich zu seiner Linken. Alle noch freien Plätze waren in einem Nu von den Rittern und Edelknechten, Hofjunkern und Dienstmannen der Gewaltigen eingenommen, und auf ein mit einem weissen Tuche vom Herzog Friedrich gegebnes Zeichen, sprangen Schlagbäume und Pforten auf, und unter dem Getöne aller Instrumente ritten die bezeichneten Kämpfer in geschlossenen Gliedern ein, auf den Platz, und zogen innerhalb den Schranken rund um denselben, die Paniere schwingend, die Lanzen neigend, und ihre Rosse in stolzem Schritte haltend. Hierauf wurden sie in Rotten abgeteilt, nach eigner Willkür und der Anordnung der Kampfältesten. Die Reihenfolge der Renn- und Fusskämpfe wurde bestimmt; des Königs Friede und Bann nach allen vier Winden von dem Herolde und seinen Helfern ausgerufen, und die Seile wieder straff gezogen vor den gewappneten Haufen, die mit einem Gesammtstechen das Turnier eröffnen sollten. Die Spielleute trommeteten und paukten; die Grieswärtel schlugen an die Lanzen, die Stricke fielen, und losbrach der Kampf, nach dem sich Ritter und Knecht, Edle und Geringe mit gleicher Lust gesehnt hatten.
Während nun die Vesperglocke vergebens ihre hellen Klänge in die Luft sandte, um die Zuschauer von dem Turniere weg zur Kirche zu locken, das Rittergefecht ein glänzendes Ende nahm, und nun zum Rennen eingeritten wurde, pochte Dagobert an die wohlverschlossene Pforte des herzoglichen Hofs. "Öesterreich über Alles!" gab er dem fragenden Wächter zur Antwort, und erhielt Einlass. Der mürrische Torwart deutete, da er seiner ansichtig wurde, auf das vorspringende Vordach der Stallung, und Dagobert gewahrte daselbst schon der auf ihn harrenden Begleiter. Der Herzog hatte dieselben ganz genau geschildert, und mit leichter Mühe erkannte der Jüngling in dem Einen den Juden Ben David, seiner Ester Vater, der, auf einem Maultiere hängend, still vor sich hinsah, und wie es schien, ein Gebet murmelte. War aber schon der Jude wunderlich anzusehen auf dem langohrigen Tiere, so war es doppelt sein Nachbar, der