das Dargebotne, und sprach: "So sei es denn, gnädigster Herr. Ich hab Euch's zugesagt, und eher will ich sterben, als, den Ihr meinem Schirm vertraut, in Gefahr umkommen lassen." – "Wohl gesprochen!" antwortete Friedrich: "Der Himmel füge es indessen zum Guten. Ich erwartete indessen keinen andern Bescheid von dem jungen Wagehals, der den Böhmen zu befreien dachte." – Dagobert stutzte. Der Herzog lächelte aber, drohte ihm mit dem Finger, und sagte: "Lasst's gut sein, mein Geselle. Das Pfaffenvolk mochtet Ihr hintergehen; ich hätte aber bei meinem Herzogshute geschworen auf Eure Mitwissenschaft. Gott gebe Euch heute ein besser Glück."
Indem platzte die Schnur, die des Herzogs Hermelinmantel zusammenhielt, und das kostbare Kleidungsstück sank zur Erde. "Ein böses Omen!" scherzte Friedrich, sich nach dem Entfallnen umsehend. "Ein andrer als ich, würde üble Vorbedeutungen aus diesem Zufall ziehen. Nicht wahr, Dagobert? kommt, helft mir die Prunkdecke wieder auflegen, wackrer Gesell. Eure hände sind ja dem Altare verlobt; vielleicht bannt ihre Auflegung das prophezeite Missgeschick." – Während Dagobert nun sorgfältig die Schnur wieder in einen künstlichen Knoten schlang, und unter einer Spange den Schaden verbarg, betrachtete sich der Herzog kopfschüttelnd und spöttischen Angesichts. "Wahrhaftig!" begann er: "je mehr ich mich beschaue und beäugle, je mehr möchte ich mich einem edlen Tiere vergleichen, das man mit Tand und glänzendem Zeug schmückt, damit es vor dem Gebieter seine eingepeitschten Fertigkeiten und Künste zur Schau lege. Jesus Christus! und vor welchem Gebieter! Vor einem Lützelburger, der nicht besser ist, als seine ehrbedürftigen Vorfahren! Doch nur Geduld! Das Scharwenzeln und Höfeln und Bükken wird bald ein Ende haben, sammt der freigebigen Gastlichkeit, die mir, einem Sigmund gegenüber, Ernst ist, wie meinem Waldmann das Aufrechtgehen. – So, mein guter Dagobert, seid bedankt. Das war wohl der erste Fürstenmantel, den Eure Hand berührte und meisterte? Die kaiserliche Majestät möchte sich auch mit diesem Handwerk abgeben, aber, so geduldig auch der Mantel sein mag – der Fürst steckt nicht im Pelz." – "Wahrlich! Ihr bedürft des äussern Prunks nicht;" versicherte Dagobert. – "Ich weiss das;" entgegnete Friedrich mit Selbstgefühl: "und in meinem Bauernlande, wie es Sigmund nennt, trage ich auch nicht mein Herzogtum am leib, wie Er die Fetzen des römischen Reichs. Ha! Ihr solltet nach Tyrol geraten! Jesus Christus! das Herz im leib würde Euch lachen. Ist zwar nur ein Bauernrock, mein Tyrol, aber ein feiner, warmer Rock, der vor Unwetter schützt, und den Flitterprunk entbehrlich macht, den ich hier wie ein Gaukler für geringes Schildgeld zur Schau tragen muss. Das weiss kaiserliche Majestät; darum hasst sie mich auch, aber, bei des ersten Habsburgers Gebeinen! so wenig Sigmund meines Insprucks vergisst, so wenig vergesse ich, was ich meinen Ahnen, und mir selbst schuldig bin. – Gehabt Euch wohl, biedrer Altbürger. Das Schicksal kann mir vielleicht in Kurzem die Zähne fletschen, aber immer werde ich doch noch eine Hand und ein Herz für die behalten, die ich liebe. Sigmund war am mächtigsten und grössten, als er im Concilium des Papstes Füsse küsste, und ihm im Namen der Christenheit für die – gezwungene – Entsagung dankte; – ich werde ihm wahrlich nicht nachstehen, sollte ich auch unverdient unterliegen! –"
Des Herzogs Worte waren bedenkliche Rätsel für den jungen Mann, allein, gewöhnt, in ihm den trefflichen Mann zu verehren, grübelte Dagobert nicht lange nach dem dunkeln Sinn, sondern ging, um sich zu seiner Aufgabe vorzubereiten. Auf der Strasse kam ihm Gerhard entgegen, in vollständigem Fechterzeug, von vielem volk umgeben, um sein Wappenschild dem Turnierkönige zu überbringen. Freundlich hielt er bei seinem jungen Freunde, allein dieser merkte bald, dass sogar die Freude über die bevorstehende Kampfeslust nur schlecht einen heimlichen Ärger verbarg, der sich nicht von dem gesicht des Hülshofners verdrängen liess. Dagobert fragte nach der Ursache, und Gerhard, der vom Pferde stieg, und seine Schildträger allein ziehen liess, zögerte nicht, sie ihm zu entdecken. "Stellt Euch vor;" sprach er: "der Schuft, mein langer Vollbrecht hat mir den Dienst aufgesagt. Denkt Euch, der Bursche, der mich seit zehn Jahren begleitet, wie der Schatten den Körper, hat mir Valet gesagt. Er behauptet, – der unverschämte Knecht ... er werde mit jedem Tage magrer in meinem Brode. Abscheuliche Verläumdung! Da habe ich ihn denn ziehen lassen in Gottes Namen, ärgre mich aber dergestalt, dass mich eine Katze in den Sand strecken würde, falls ich jetzt mit ihr turnieren sollte."
"Nimm mein Bedauern, alter Kämpe;" erwiderte Dagobert: "ich denke aber, wenn's zum Treffen kommt, lässt Dein Knecht so wenig von Dir, als Du von ihm zu lassen gedenkst. Es müssen nur erst einige Tage über dem Zwist vergangen sein. Lass mir den Burschen heute. Ich habe einen Ritt zu tun, der mich bis Übermorgen aussen halten dürfte. Vollbrecht soll wohl genährt werden, während dieser Frist, und ich verspreche Dir im Voraus, dass er wieder bei Dir eintritt, wenn Du die Zusage leisten willst, ihn nicht mehr g a r so schmählich hungern