auch mit gemessenen Befehlen und freigebig ausstreuender Hand. War ein solcher Besuch jedoch abgefertigt, so ging wieder dasselbe unruhige Getreibe und Gewerbe los, das den Herzog heute nicht verliess. So eben hatte er einen geistlichen Herrn im violetten, rot verbrämten Habit zur tür begleitet, und ihm die Worte nachgerufen: "Sagt Euerm Gebieter, er möchte die Vesperglocke eben so wenig vergessen, als ich mein Wort je vergass. Mit einem Worte: sagt ihm, ich sei ein Habsburger, und damit genug!" Der Geistliche ging, und der Herzog begann wieder seine Gebirgsweise zu singen, als ein neuer Gast von dem wachhabendem Edeljunker in das Gemach gelassen wurde. "Sieh da! Dagobert!" rief Friedrich, angenehm überrascht: "Du lässest Dich lange erwarten, ehrliche Seele! – Aber, Jesus Christus! steckt Ihr wieder in der verwünschten schwarzen Kutte? S o kann ich Euch heute nicht brauchen." – "Der Erzbischof hat mir heute durch meinen oheim andeuten lassen, ich solle mich nimmer unterstehen, in weltlicher Kleidung mich sehen zu lassen, und überhaupt mich fertig zu machen, nach Verlauf von Zehn Tagen nach Cesena in's Kloster zu wandern;" erwiderte Dagobert achselzuckend. – "So?" fuhr Friedrich fort: "Die Herren eilen, aus dem freudigen Waldfinken eine schmutzige Eule zu formen. Und Eure Fahrt gegen Frankfurt?" – "Ich will sie morgen antreten, befiehlt man mir;" antwortete Dagobert: "binnen neun Tagen muss ich jedoch zurück und nach Wälschland reisefertig sein." – "Hm!" brummte der Herzog lächelnd: "Nicht übel berechnet. I c h sage Euch jedoch, Ihr geht morgen eben so wenig schon nach Frankfurt, als überhaupt in's Bartolomäistift. Ich habe Euch heute vonnöten, und ein wackrer Altbürgerssohn zieht hoffentlich sein Wort nicht zurück." – "Wahrlich nein!" entgegnete Dagobert lebhaft: "Ich scheere mich den Teufel um alle Erzbischöfe, wenn Ihr mich eines Auftrags würdig haltet, gnädigster Herr." – "Das dachte ich mir!" versetzte Friedrich mit wohlwollender Geberde: "Heute soll's aber nicht heissen: das Brevier gebetet; sondern: die Stiefel geschmiert, die Sporen gewetzt, in die Handschuhe gefahren, den Degen umgeschnallt!" – "In Gottesnamen!" stimmte Dagobert heiter ein: "Das ist meine Lust. Sagt an, gnädiger Herzog! was soll ich für Euch tun?" – "Das ist bald gesagt, mein Geselle;" begann Friedrich mit gedämpfter stimme, und winkte dem Aufmerksamen von der tür weg; mehr in seine Nähe: "mir liegt daran, einen Mann, an den mich mancherlei Verbindlichkeiten fesseln, unversehrt aus einer dringenden Gefahr zu bringen, die, verwirklichte sie sich, mir sogar Unehre zufügen würde. Euch ist gleichgültig, ob dieser Mann schuldig oder unschuldig in Gefahr geraten, denn ich hoffe, Ihr nehmt für ihn meine Bürgschaft an." – "Auf Euer Geheiss rette ich einen Vatermörder vom Scheiterhaufen;" beteuerte Dagobert; "wie aber ist es zu vollbringen?" – "Hört mir zu;" antwortete der Herzog: "Ich bedaure, dass Ihr kein Zeuge des heutigen Ritterspiels sein könnt, vielweniger ein Teilnehmer daran. Demungeachtet verheisse ich Euch einen Preiss, kostbarer und ehrenwerter vielleicht, als jeder von denen, die im Rennen gewonnen werden sollen; meine Freundschaft, wenn Ihr kühn und gescheit vollbringt, warum ich Euch bitte. Sobald also die Vesperglocke läutet, und alles Volk, dem Turnierplatz zugeströmt, und auge und Ohr für die daselbst zu schauenden Herrlichkeiten hat, eilt Ihr – meinetwegen in das Rabenkleid gehüllt, das Ihr auf dem leib tragt, aber darunter mit Waffen und Rüstzeug versehen, zu Ross in meinen Hof. Die Wächter werden Euch nur gegen das Losungswort: Öesterreich über Alles! einlassen. Unter dem Schuppendache rechter Hand werdet Ihr zwei Männer finden. Der Eine, auf einem Maultiere reitend, ist ein Bekannter von Euch; der Andre hingegen, auf einem grauen Pferde sitzend, ist derjenige, den es heimlich fortzubringen gilt. Am Tore gegen Schafhausen, zu welchem Ihr Euch mit den Anbefohlnen zu begeben habt, alle stark, belebten Strassen vermeidend, und Euern Trab fördernd, mögt Ihr Euch von einem Knechte erwarten lassen, der, wo möglich, ein Fremder sein mag, und nicht meine Farben tragen darf. Sobald Ihr jedoch langsam und unbefangen des Tores Bogen durchschritten, gebt Ihr dem Pferde Sporn und Peitsche zu kosten, und sorgt, dass Eure Schutzbefohlnen nicht hinter Euch bleiben. Ich tue Euch im Voraus kund, dass Ihr mit zwei schlechten Reitern zu schaffen habt; darum wird es gut sein, wenn Ihr des Graurosses Zügel ergreift, und der Knecht des Maultiers sich annimmt; denn so schnell als die Pferde laufen und die Reiter es ausdauern, müsst Ihr Schafhausen erreichen, woselbst Euch das Weitere berichtet, und die erlaubnis zur Rückkehr erteilt werden wird. Ihr seht, die Sache ist nicht verwickelt. Den Mann binde ich Euch indessen auf die Seele. Sollten Hindernisse sich auf dem Wege finden – treibt sie ab mit Gewalt oder List; nur bringt unsern Mann sicher und wohlbehalten an Ort und Stelle. Nun wisst Ihr Bescheid, und mögt ohne falsche Scham diesen Beutel annehmen, der kein Lohn sein soll. Aber Gold ebnet Berge, schlägt Brücken, und hat schon oft aus drohender Feindeswut errettet."
Sich verneigend nahm Dagobert