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andere Spieler. "Ihr könnet uns Hauptleuten befehlen, ein Städtchen zu blockieren und zu brandschatzen, aber beim Spiel ist jeder Landsknecht so gut wie wir."

"Ihr zeid ein Meuter, ein Rebeller gegen die Obrigkeit, Gott straf mein Zeel, und wäre es nicht gegen meine Würde, ich wollt Euch in Kochstücke mazakerieren; aber spielt weiter."

"Da liegt ein Daus" – "drauf der Quater" – "den stech ich mit dem Zinken", – "Schellenwenzel, wer sticht den? –"

"Ich", sprach der Grosse, "da liegt der Schellenkönig, Mordblei! der Stich ist mein."

"Wie bringst du den Schellenkönig rauf?" rief ein kleines, dürres Männchen mit spitzigem Gesicht und kleinen, giftigen Äuglein und heiserer stimme, "hab ich nicht gesehen als du ausgabst, dass er unten liegt? Er hat betrogen, der lange Peter hat schändlich betrogen."

"Muckerle, Hauptmann vom achten Fähnlein! ich rat Euch, haltet Euer Maul", sagte der Oberst, "Bassa manelka, ich verstehe keinen Spass; die Mauz zoll den Löwen nicht erzürnen."

"Und ich sag's noch einmal; wo hättest du sonst den König her? Vor dem Papst und dem König von Frankreich will ich's beweisen; du falscher Spieler!"

"Muckerle", erwiderte der Oberst, und zog kaltblütig seinen Degen aus der Scheide, "bete noch ein Ave Maria und ein Gratias, denn ich schlage dich tot, zo wie daz Spiel auz ist"

Die übrigen drei Männer wurden durch diese Streitigkeiten aus ihrer Ruhe aufgeschreckt. Sie erklärten sich für den kleinen Hauptmann, und gaben nicht undeutlich zu verstehen, dass man dem Obersten wohl dergleichen zutrauen könnte; dieser aber vermass sich hoch und teuer, er habe nicht betrogen. "Wenn der heilige Petruz, mein gnädiger Herr Patron, den ich auf dem Hut trage, sprechen könnte, der würde mir, zo wahr er ein christlicher Landsknecht war, bezeugen, dass ich nicht betrogen!"

"Er hat nicht betrogen", sagte eine tiefe stimme, die aus dem Baum zu kommen schien. Die Männer erschraken und schlugen Kreuze wie vor einem bösen Spuk, selbst der tapfere Oberst erbleichte und liess die Karte fallen, aber hinter dem Baum hervor trat ein Bauersmann, der mit einem Dolch bewaffnet war, und eine Ziter an einem ledernen Riemen auf der Schulter hängen hatte. Er sah die Männer mit unerschrockenen Blicken an und sagte: "Es ist wie ich sagte, dieser Herr da hat nicht betrogen, er bekam schon beim Ausgeben, Schellen und Eichelkönig, Fünfe und Vier von Laub und den Schippenunter in die Hand."

"Ha! du bist ein wackerer Kerl", rief der Oberst vergnügt, "zo wahr ich ein ehrlicher Landsknechtwill zagen Oberst bin, ez ist all wahr waz du gezagt hast."

"Was ist denn das?" rief der kleine Hauptmann Muckerle mit giftigen Blicken, "wie hat sich der Bauer daher eingeschlichen, ohne dass unsere Wachen ihn meldeten? Das ist ein Spion, man muss ihn hängen!"

"Zei nicht wunderlich, Muckerle; daz ist kein Spioner; komm, zez dich zu mir. Bist ein Spielmann, dass du die Cittarra umhängst, wie ein Spanier, wenn er zu zeinem Schätzerl geht?"

"Ja Herr! ich bin ein armer Spielmann; Eure Wachen haben mich nicht angehalten, als ich aus dem Wald kam. Ich sah Euch spielen, und wagte es den Herren zuzusehen."

Die Hauptleute dieses Freikorps waren nicht gewohnt so höflich mit sich sprechen zu hören, daher fassten sie Zuneigung zu dem Spielmann, und luden ihn sehr herablassend ein, sich zu ihnen zu setzen, denn sie hatten in fremden Kriegsdiensten gelernt, dass grosse Könige und Feldherren sehr vertraulich mit den Meistern des Gesanges umgehen.

Der Oberste tat einen Trunk aus einer zinnernen Flasche, bot sie dem kleinen Hauptmann und sprach mit heiterer Miene: "Muckerle, daz zoll mein Tod zein, waz ich getrunken, wenn ich nicht allez vergesse; Hader und Zank haben ein Ende; wir wollen nicht weiterspielen, ihr Herren; ich liebe Gezang und Lautenspiel, wie wäre ez, wenn wir uns aufspielen liessen?"

Die Männer willigten ein, und warfen die Karten zusammen; der Spielmann stimmte seine Ziter, und fragte was er singen solle?

"Sing ein Lied vom Spiel!" rief einer; "weil wir gerade dran sind."

Der Spielmann sann ein wenig nach und hub an:

"Von dem Zinken, Quater und As

kommt mancher in des Teufels Gass,

Von Quater, Zinken und von Dreien

Muss mancher Waffengo schreien,

Von As, Sess und Daus

Hat mancher gar ein ödes Haus,

Von Quater drei und Zinken

Muss mancher lauter wasser trinken.

Von Zinken, drei und Quater

Weinen oft Mutter, Kind und Vater,

Von Zinken, Quater und Sess

Muss Jungfrau, Metz und Agnes,

Oft gar lang unberaten bleiben

Will er die Läng das Spiel betreiben."39

Der Oberst Peter und die Hauptleute lobten das Lied und reichten dem Spielmann zum Dank die Flasche; "Gott gesegne es euch", sagte dieser, indem er die Flasche zurückgab; "viel Glück zu eurem zug; ihr seid wohl Obersten und Hauptleute des Bundes und ziehet wieder zu Feld? darf man fragen gegen wen?"

Die Männer sahen