1827_Hauff_033_97.txt

sie sei dein, aber denke nicht daran, sie heimzuführen, solange ein fremdes Banner auf den Türmen von Stuttgart weht. Sei dem Herrn Herzog treu, hilf ihm wieder ins Land zu kommen, und wenn du treulich aushältst: am Tag wo ihr in Stuttgarts Tore einzieht, wo Württemberg seine Fahnen wieder aufpflanzt und seine Farben von den Zinnen wehen, will ich dir mein Töchterlein bringen, und du sollst mir ein lieber Sohn sein!"

"Und an jenem Tag", sprach der Herzog, "wird das Bräutchen noch viel schöner erröten, wenn die Glokken tönen von dem Turme und die Hochzeit in die Kirche ziehet! Dann werde ich zum Bräutigam treten, und zum Lohn fordern was mir gebührt. Da guter Junge! gib ihr den Brautkuss, es ist zu vermuten, dass es nicht der erste ist, herz sie noch einmal, und dann gehörst du mein, bis an den fröhlichen Tag wo wir in Stuttgart einziehen. Lasset uns trinken, ihr Herren, auf die Gesundheit des Brautpaars."

Auf Mariens holden Zügen stieg ein Lächeln auf, und kämpfte mit den Tränen, die noch immer aus den schönen Augen perlten. Sie goss die Becher voll, und kredenzte den ersten dem Herzog mit so dankbaren Blicken, mit so lieblicher Anmut, dass er Georg glücklich pries, und sich gestehen musste, manch anderer machte um solchen Preis selbst sein Leben wagen.

Die Männer ergriffen ihre Becher und erwarteten, dass ihnen der Herzog einen guten Spruch dazu sagen werde nach seiner Weise. Aber Ulerich von Württemberg warf einen langen Abschiedsblick auf das schöne Land, von dem er scheiden musste, einen Augenblick wollte sich eine Träne in seinem Auge bilden, er wandte sich kräftig ab. "Ich habe hinter mich geworfen", sagte er, "was mir einst teuer war, ich werde es wiedersehen in besseren Tagen. Doch hier in diesen Herzen besitze ich noch Länder. Beklaget mich nicht, sondern seid getrosten Mutes, wo der Herzog ist und seine Treuen, hie gut Württemberg allewege!"

Dritter teil

I

In Schwaben, wo dein Vater Herzog war,

Wo ihn und dich ein biederes Volk geliebt,

Wo mancher jetzt auf seiner Feste haust,

Der unter deinem Banner einst gekämpft,

Dort muss von dir noch ein Gedächtnis sein,

Dortin sei unser irrer Pfad gelenkt,

Des Schwarzwalds dichter Schatten nehm uns auf.

L. Uhland

Wohl nie so schwül hat ein Sommer über Württemberg gelegen, als der des Jahres 1519. Das ganze Land hatte dem Bunde gehuldiget, und meinte es werde jetzt Ruhe haben. Aber jetzt erst zeigten die Bundesglieder deutlich, dass es nicht die Wiedereinnahme von Reutlingen gewesen sei, was sie zusammenführte. Sie wollten bezahlt sein, sie wollten Entschädigung haben für ihre Mühe. Die einen wollten, man solle Württemberg unter sie teilen, die andern, man solle es an Östreich verkaufen, die dritten wollten es Ulerichs Kindern erhaltenaber unter des Bundes Obervormundschaft. Sie stritten sich um den Besitz des Landes, auf das weder der eine noch der andere gerechte Ansprüche machen konnte. Das Land selbst war in Spaltung und Parteien. Es sollte die Kriegskosten decken, und doch war niemand da, der zahlen wollte. Die Ritterschaft hielt es für eine erwünschte gelegenheit, sich ganz vom land loszusagen, und sich für unabhängig zu erklären. Die Bürger und Bauern waren ausgesogen, ihre Felder waren verwüstet und zertreten, sie sahen nirgends eine Aussicht sich zu erholen; die Geistlichkeit wollte auch nicht allein bezahlen, und so war alles in Hader und Streit. Es ging auch vielen tief zu Herzen, dass ihr angeborner Fürst so schnöde behandelt worden war; manchen kam jetzt, da der Herzog fern von dem land seiner Väter in Verbannung hauste, Reue und sehnsucht an. Sie verglichen sein Regiment mit dem jetzigen; es war nicht besser, wohl aber schlimmer geworden. Aber sie lebten unter zu hartem Zwang, als dass sie ihre Schmerzen hätten offenbaren können.

Der Regentschaft des Bundes entging diese Unzufriedenheit des Volkes nicht; sie musste, wie sich in alten Berichten findet, "manche seltsame und böse Rede" hören. Sie suchten durch geschärfte Strenge sich anhänglichkeit zu erwerben; sie streuten Lügen über den Herzog aus.37 Man gebot den Priestern gegen ihn zu predigen, wer von ihm Gutes rede, soll gefangen werden, wer ihn heimlich unterstütze, soll der Augen beraubt, sogar entauptet werden.

Aber Ulerich hatte noch treue Leute unter dem Landvolk, die ihm auf geheimen Wegen Kunde brachten, wie es in Württemberg stehe. Er sass in seiner Grafschaft Mömpelgard, und harrte dort mit den Männern, die ihm ins Unglück gefolgt waren, auf günstige gelegenheit in sein Land zu kommen. Er schrieb an viele Fürsten, er beschwor sie ihm zu hülfe zu kommen; aber keiner nahm sich seiner sehr tätig an. Er schrieb an die zur neuen Kaiserwahl versammelten Kurfürsten, sie halfen nicht; das einzige was sie taten, war, dem neuen Kaiser in seiner Kapitulation eine Klausel anzuhängen, die Württemberg und den Herzog betrafer hat sie nicht geachtet. Als sich der Herzog von aller Welt also verlassen sah, wankte er dennoch nicht, sondern setzte alles daran, sein Land mit eigener Macht wiederzuerobern. Es waren einige Umstände, die für ihn sehr günstig schienen. Der Bund hatte nämlich, als er Kunde bekam, dass sich niemand des Vertriebenen annehmen wolle, seine Völker entlassen. Die meisten Städte und Burgen behielten nur sehr