Rolle gut gespielt", antwortete der junge Mann lächelnd.
"Von Pfullingen zog ich abends noch fürbass bis nach Reutlingen. Dort war in der Weinstube ein ganzer Trieb Bündischer: Augsburger, Nürnberger, Ulmer, alle mögliche Städtler, und jubelierten mit den Reutlingern, dass man die Hirschgeweihe wieder von ihrem Wappen genommen, die Ihr ihnen aufgesetzt habt.35 Sie schimpften und sangen Spottlieder über Euch, die bewiesen, wie sehr sie Euch noch immer fürchten. Am Karfreitag früh ging ich nach Tübingen. Das Herz pochte mir, als ich das Burgholz herunterkam und das schöne Neckartal vor meinen Blicken lag, und die festen Türme und Zinnen von Tübingen vom Berg herüberragten."
Der Herzog presste die Lippen zusammen, wandte sich ab und sah hinaus ins Weite. Der von Schweinsberg hielt inne und blickte teilnehmend auf seinen Herrn, doch jener winkte ihm, fortzufahren.
"Ich stieg hinab ins Tal und wandelte weiter nach Tübingen. Die Stadt war schon seit vielen Tagen von den Bündischen besetzt, und nur wenige Truppen standen mehr im Lager, das sie über dem Ammertal auf dem Berge geschlagen hatten. Ich beschloss, mich in die Stadt zu schleichen und hinzuhorchen, wie es mit dem Schloss stehe, ehe denn ich auf dem geheimen Wege zur Besatzung ginge. Ihr kennet die Herberge in der oberen Stadt, nicht weit von Sankt-GeorgenKirche, dort trat ich ein und setzte mich zum Weine. Die bündischen Ritter, so erfuhr ich unterweges, kehrten oft dort ein, daher schien mir dies der beste Platz zu meinem Zweck."
"Ihr wagtet viel", unterbrach ihn Herr von Lichtenstein; "wie leicht konnten Leute da sein, die Euch abkaufen wollten, und da wäre der Krämer bald entdeckt gewesen!"
"Ihr vergesst, dass es Festtag war", entgegnete jener; "ich hatte also guten Grund mein Bündel nicht aufzupacken und anzupreisen nach Krämersitte. Doch so leicht wäre ich wohl nicht entdeckt worden, habe ich doch an Georg von Frondsberg ein Büchslein mit Wundbalsam verkauft! Weiss Gott ich hätte lieber mit ihm gestritten, dass er es gleich hätte brauchen können. – Es war noch das Hochamt in der Kirche, daher war niemand in der Herberge; vom Wirt aber erfuhr ich, dass die Ritter im Schloss einen Waffenstillstand bis Ostermontag früh gemacht haben. Als die Kirche aus war, kamen richtig wie ich mir gedacht hatte, viele Ritter und Herren in die Herberge zum Frühtrunk. Ich setzte mich in einen Winkel auf die Ofenbank, wie es armen Leuten geziemt in Gegenwart so grosser Herren."
"Wen sahst du dort?" fragte der Herzog.
"Ich kannte einige, andere erriet ich aus dem Gespräch, das sie führten. Es war Frondsberg, Alban von Closen, die Huttischen, Sickingen und noch viele; bald trat auch der Truchsess von Waldburg ein. Ich zog die Kappe tiefer ins Gesicht als ich ihn sah denn er wird noch nicht vergessen haben, wie ich ihn vor fünfzehn Jahren im Lanzenstechen zu Nürnberg von der Mähre warf."
"Saht Ihr nicht auch den Hauptmann Hans von Breitenstein?" unterbrach ihn Georg.
"Breitenstein? dass ich nicht wüsste, doch ja, so hiess wohl jener, der den Hammelschlegel auf einem Sitz verzehrte! Jetzt fingen sie an von der Belagerung zu reden und vom Waffenstillstand. Sie sprachen hin und her, oft flüsterten sie auch untereinander, doch ich habe gute Ohren und vernahm was mir nicht lieb war. Der Truchsess nämlich erzählte, dass er einen Pfeil in die Burg habe schiessen lassen, mit einem Brieflein an Ludwig von Stadion. Es muss dies schon mehrere Mal geschehen sein, denn die Ritter verwunderten sich nicht als er weiter fortfuhr und sagte, wie er auf demselben Weg eine Antwort erhalten habe."
Des Herzogs Stirne verfinsterte sich. "Ludwig von Stadion!" rief er schmerzlich. "Ich hätte Häuser auf ihn gebaut! Er war mir so lieb, ich tat ihm alles, was ich ihm an den Augen ansehen konnte – er hat mich zuerst verraten?!"
"Im Brieflein stand, dass er, der Stadion und noch zwölf andere der Fehde müde seien, auch schon halb und halb willens gewesen, sich zu ergeben; Georg von Hewen aber habe ihnen abgeraten."
"Um den hab ich's nicht verdient", sagte Ulerich; "ich war ihm gram, weil er mich oft getadelt hat, wenn ich nicht nach seinem Sinne tat. Wie man sich irren kann in den Menschen. Hätte man mich gefragt, wer mich verraten würde und wer dagegen spreche, ich hätte dort den Stadion, hier vielleicht Georg von Hewen genannt!"
"Im Brieflein stand auch noch weiter, dass Euer Durchlaucht vielleicht Entsatz bringen oder, wenn dies nicht möglich, auf geheimen Wegen in die Burg sich begeben wollen. Die Bündischen sprachen mancherlei hierüber. Sie waren aber darin einig, dass man die Besatzung zu einem Vergleich bringen müsse, ehe Ihr heranrücket oder gar ins Schloss kämet. Denn dann, meinten sie, können sie noch lange belagern müssen. Wie ich nun dies alles hörte, schien es mir nicht geraten, durch den geheimen Weg geradezu in die Burg zu gehen und mich zu entdecken, denn wie leicht konnte Stadion schon die Oberhand gewonnen haben, und dann war ich verraten. Ich beschloss den Tag noch zu warten; hörte ich bis Samstag früh nichts Schlimmeres über die Besatzung, so wollte ich ins