, um meine Tochter abzuholen, die sich dort aufhielt, hauptsächlich aber, um manches zu erfahren, was für den Herzog zu wissen wichtig war; Gold öffnet alle Pforten", setzte er lächelnd hinzu, "auch die des Hohen Rates, und so hörte ich täglich, was die Bundesobersten beschlossen. Als der Krieg erklärt wurde, war ich genötigt, abzureisen; ich hielt aber treue Männer in jener Stadt, die mir auch das Geheimste berichteten, was vorging."
"War nicht einer davon der Pfeifer von Hardt", fragte Georg, "den ich bei dem Geächteten traf?"
"– Und der Euch über die Alb führte? ja wohl! Diese brachten immer Kundschaft. So erfuhr ich denn auch, dass man beschloss, einen Späher hinter den rücken des Herzogs zu schicken, etwa in die Gegend von Tübingen, um dem Bunde sogleich Nachricht von unseren Schritten zu erteilen. Ich erfuhr auch, dass die Wahl auf Euch gefallen sei. Nun muss ich Euch redlich gestehen, Ihr und Euer Name war mir ziemlich gleichgültig, nur bedauerte ich Euch, als ich hörte, dass Ihr noch solch ein junges Blut seid, denn sobald Ihr über die Alb kamet als Kundschafter, wäret Ihr ohne Gnade und Barmherzigkeit totgeschlagen oder unter die Erde gesetzt worden, wo keine Sonne und kein Mond hinscheint. Um so überraschender war mir und vielen Männern die Nachricht, wie Ihr es ausgeschlagen, und wie tapfer Ihr vor jenen Herren gesprochen. Auch dass Ihr absagtet und auf vierzehn Tage Urfehde schwören musstet, erfuhr ich. Und wie freut es mich, dass Ihr nun gar unser Freund geworden seid!"
Die Wangen des jungen Mannes glühten, sein Auge strahlte vor Freude, brach ja doch dieser Augenblick alle Schranken, welche die Verhältnisse zwischen ihm und Marie gezogen hatten. Sein langer Wunsch, dessen Erfüllung oft so weit in die Ferne hinausgerückt schien, war in Erfüllung gegangen, er hatte unbewusst Mariens Vater für sich gewonnen. "Ja, ich habe ihnen abgesagt", antwortete Georg, "weil ich ihr Wesen nicht mehr leiden mochte, ich bin Euer Freund geworden, doch wäre es möglich, ich hätte mich nicht so bald zu Eurer Sache bekannt; aber als ich unten in der Höhle neben jenem geächteten Mann sass, als ich bedachte, wie man mit den edlen und selbst mit dem Herrn des Landes umgehe, wie seine gewaltigen Reden so mächtig an meiner Brust anklopften: da war es mir auf einmal hell und klar, hieher müsse ich stehen, hier müsse ich streiten. Und glaubt Ihr, es werde bald etwas zu tun geben? denn ich bin nicht zu Euch herübergeritten, um die hände in den Schoss zu legen!"
"Das konnte ich mir denken", sagte der Ritter lächelnd; "vor vierzig Jahren hatte ich auch so rasches Blut, und es liess mich nicht lange auf einem Fleck. Wie die Sachen stehen, wisst Ihr; man kann sagen eher schlimm als gut. Sie haben das Unterland, sie haben den ganzen Strich von Urach herauf. Auf eines kommt alles an: hält Tübingen fest, so siegen wir."
"Die Ehre von vierzig Rittern bürgt dafür", rief Georg mit Unmut, "das Schloss ist stark, ich habe kein stärkeres gesehen, Besatzung ist hinlänglich da, und vierzig Männer von Adel werden sich so leicht nicht ergeben. Es kann nicht sein, es darf nicht sein. Haben sie nicht des Herzogs Kinder bei sich und den Schatz des Hauses? sie müssen sich halten."
"Wohl, wenn sie alle dächten wie Ihr. Es kommt gar viel auf Tübingen an. Wenn der Herzog Entsatz bringen kann, so hat er an Tübingen einen festen Punkt, von wo aus er sein Land wieder erobern kann; es sind grosse Kriegsvorräte, es ist ein grosser teil des Adels dort; solange sie zu seiner Partie halten, ist Württemberg nur dem Boden nach gewonnen, dem geist nach ist es noch des Herzogs! aber ich fürchte, ich fürchte!"
"Wie? unmöglich können sich die vierzig ergeben!"
"Ihr habt noch wenig erfahren in der Welt", erwiderte der Alte, "Ihr wisst nicht, welche Lockungen und Schlingen manchen ehrlichen Mann straucheln machen können. Und es ist mancher in der Burg, dem der Herzog zu viel getraut hat. Er merkt auch wohl, dass es nicht ganz lauter und rein hergeht, denn er schickte den Ritter Marx Stumpf von Schweinsberg an sie mit einem beweglichen Schreiben32, das Schloss nicht zu übergeben, sondern ihm gelegenheit zu machen, in dasselbe zu kommen, weil er dort zu sterben bereit sei, wenn es Gott über ihn verhänge."
"Der arme Herr!" rief Georg bewegt. "Aber ich kann nicht glauben, dass der Landesadel so schändlich freveln könne; sie werden ihn einlassen in die Burg, er wird ihren Mut aufs neue beseelen, er wird Ausfälle machen, er wird sie schlagen die Belagerer trotz Bayern und Frondsberg, wir werden uns an ihn anschliessen, wir werden fechtend durch das Land ziehen und diese Bündler verjagen."
"Marx Stumpf ist noch nicht zurück", sagte der Ritter von Lichtenstein mit besorgter Miene; "auch haben sie seit gestern das Schiessen eingestellt. Sonst hörte man jeden Stückschuss hier auf dem Lichtenstein, aber seit gestern ist es still wie im grab."
"Vielleicht schweigt das Geschütz wegen des Festes; gebt acht sie