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sie haben schöne Felder und Wälder, und keine Rute Landes verpfändet: da liesse sich der Alte lieber seinen langen Bart abscheren, obgleich er gar viel darauf hält und ihn immer streichelt, wenn er mit den Leuten spricht. Er ist ein strenger, ernster Mann; was er einmal haben will, das muss geschehen, und sollte es biegen oder brechen. Er ist auch einer von denen, die es so lange mit dem Herzog hielten; die Bündischen werden es ihm übel entgelten lassen."

"Wie ist denn seine..., ich meine Ihr sagtet, er habe eine Tochter, der Lichtenstein?"

"Nein", antwortete die Wirtin, indem sich ihr sonst so heiteres Gesicht in grämliche Falten zog, "von der habe ich gewiss nicht gesprochen, dass ich es wüsste. Ja, er hat eine Tochter, der gute alte Mann, und es wäre ihm besser, er führe kinderlos in die Grube, als dass er aus Jammer über sein einziges Kind abfährt."

Georg traute seinen Ohren nicht; was konnte die Wirtin gerade von Marien so Arges denken, dass sie den Vater glücklich pries, wenn er dieses Kind nicht hätte? "Was ist es denn mit diesem fräulein", fragte er, indem er sich vergebens abmühte, recht scherzhaft auszusehen; "Ihr macht mich neugierig, Frau Wirtin; oder ist es ein Geheimnis, das Ihr nicht sagen dürft?"

Die Frau zum goldenen Hirsch schaute aus dem Erker heraus nach allen Seiten, ob niemand lausche, aber die Bürger waren ruhig in ihrem Gespräch begriffen, und achteten nicht auf sie, und sonst war niemand in der Nähe, der sie hören konnte. "Ihr seid ein Fremder", hub sie nach diesen Forschungen an, "Ihr reiset weiter und habt nichts mit dieser Gegend zu schaffen, darum kann ich Euch wohl sagen, was ich nicht jedem vertrauen möchte. Das fräulein dort oben auf dem Lichtenstein ist eineinja bei uns Bürgersleuten würde man sagen, sie ist ein schlechtes Ding, eine lose Dirne –"

"Frau Wirtin!" rief Georg.

"So schreiet doch nicht so, verehrter Herr Gast, die Leute schauen sich ja um. Meinet Ihr denn, ich sage, was ich nicht ganz gewiss weiss? Denkt Euch, alle Nacht Schlag elf Uhr lässt sie ihren Liebsten in die Burg. Ist das nicht schrecklich genug, für ein sittsames fräulein?"

"Bedenket, was Ihr sprechet! Ihren Liebsten?"

"Ja leider, nachts um elf Uhr ihren Liebsten; es ist eine Schande und ein Spott! Es ist ein ziemlich grosser Mann, der kommt in einen grauen Mantel gehüllt ans Tor. Sie hat es zu machen gewusst, dass zu dieser Zeit alle Knechte vom Tor entfernt sind, und nur der alte Burgwart, der ihr auch in ihrer Kindheit zu allen losen Streichen half, um den Weg ist; da kommt sie nun allemal, wenn es drüben in Holzelfingen elf Uhr schlägt, selbst herunter in den Hof, die Nacht mag so kalt sein als sie will, und bringt den Schlüssel zur Zugbrücke, den sie zuvor ihrem alten Vater vom Bette stiehlt; dann schliesst der alte Sünder, der Burgwart, auf, die brücke fällt nieder, und der Mann im grauen Mantel eilt in die arme des Fräuleins."

"Und dann?" fragte Georg, der beinahe keinen Atem mehr in der Brust, kein Blut mehr in den Wangen hatte; "und dann?"

"Ja, dann wird Braten, Brot und Wein geholt; so viel ist gewiss, dass der nächtliche Liebste einen ungeheuren Hunger haben muss, denn er hat in mancher Nacht einen halben Rehziemer rein aufgezehrt, und zwei, drei Nössel Wein dazu getrunken; was weiter geschieht, weiss ich nicht; ich will nichts vermuten, nichts sagen, aber das weiss ich", setzte sie mit einem christlichen blick gegen Himmel hinzu, "beten werden sie nicht."

Georg schalt sich nach kurzem Nachdenken selbst aus, dass er nur einen Augenblick gezweifelt habe, dass diese Erzählung eine Lüge, von irgendeinem müssigen Kopf ersonnen sei; oder wenn auch etwas Wahres darin wäre, so konnte es doch nichts sein, das Marien zur Unehre gereicht hätte.

Wenn es wahr ist, dass die Liebe eines Jünglings in den guten alten zeiten zwar nicht weniger leidenschaftlich war, als in unseren Tagen, aber mehr den Charakter reiner anbetender Ehrfurcht trug, dass nach der Sitte der Zeit die Geliebte nicht auf gleicher Stufe mit ihrem Verehrer, sondern um eine höher stand, wenn wir den romantischen Erzählungen alter Chroniken und Minnebücher trauen dürfen, die so viele Beispiele aufführen, dass sich edle Männer, wenn sie in Liebe sind, für die Treue und Reinheit ihrer Dame, auf der Stelle totschlagen lassen, so ist es nicht zu verwundern, dass Georg von Sturmfeder wenigstens auf diese Indizien hin, von Marien nichts Schlechtes denken konnte. So rätselhaft ihm selbst jene nächtlichen Besuche vorkommen mochten, so sah er doch klar, es sei weder bewiesen, dass der Vater nichts darum wisse noch dass der geheimnisvolle Mann gerade ein Liebhaber sein müsse. Er trug diese Zweifel auch seiner Wirtin vor.

"So? meint Ihr, der Vater wisse um die geschichte?" sprach sie; "dem ist nicht so. Sehet, ich weiss das gewiss, denn die alte Rosel, die Amme des Fräuleins –"

"Die alte