zumut wie einem kind, das an dem Busen seiner Mutter schläft, nur hin und wieder die Augen ein wenig öffnet, um in eine Welt zu blicken, die es noch nicht kennt, um sie dann wieder auf lange zu verschliessen. Schöne beruhigende Träume aus besseren Tagen gaukelten um sein Lager, ein mildes, seliges Lächeln zog oft über sein bleiches Gesicht und tröstete die, welche mit banger Erwartung seiner pflegten.
Wir wagen es, den Leser in die niedere Hütte zu führen, die ihn gastfreundlich aufgenommen hatte, und zwar am Morgen des neunten Tages, nachdem er verwundet wurde.
Die Morgensonne dieses Tages brach sich in farbigen Strahlen an den runden Scheiben eines kleinen Fensters, und erhellte das grössere Gemach eines dürftigen Bauernhauses. Das Geräte, womit es ausgestattet war, zeugte zwar von Armut, aber von Reinlichkeit und Sinn für Ordnung. Ein grosser eichener Tisch stand in einer Ecke des Zimmers, auf zwei Seiten von einer hölzernen Bank umgeben. Ein geschnitzter, mit hellen Farben bemalter Schrein mochte den Sonntagsstaat der Bewohner, oder schöne selbstgesponnene Leinwand entalten; das dunkle Getäfer der Wände trug ringsum ein Brett, worauf blanke Kannen, Becher und Platten von Zinn, irdenes Geschirr mit sinnreichen Reimen bemalt, und allerlei musikalische Instrumente eines längst verflossenen Jahrhunderts, als Zimbeln, Schalmeien und eine Ziter aufgestellt waren. Um den grossen Kachelofen, der weit vorsprang, waren reinliche Linnen zum Trocknen aufgehängt, und sie verdeckten beinahe dem Auge eine grosse Bettstelle, mit Gardinen von grossgeblümtem Gewebe, die im hintersten teil der stube aufgestellt war.
An diesem Bette sass ein schönes, liebliches Kind, von etwa sechzehn bis siebzehn Jahren. Sie war in jene malerische Bauerntracht gekleidet, die sich teilweise bis auf unsere Tage in Schwaben erhalten hat. Ihr gelbes Haar war unbedeckt, und fiel in zwei langen, mit bunten Bändern durchflochtenen Zöpfen über den rücken hinab. Die Sonne hatte ihr freundliches, rundes Gesichtchen etwas gebräunt, doch nicht so sehr, dass es das schöne jugendliche Rot auf der Wange verdunkelt hätte; ein munteres, blaues Auge blickte unter den langen Wimpern hervor. Weisse faltenreiche Ärmel bedeckten bis an die Hand den schönen Arm, ein rotes Mieder mit silbernen Ketten geschnürt, mit blendend weissen, zierlich genähten Linnen umgeben, schloss eng um den Leib; ein kurzes, schwarzes Röckchen fiel kaum bis über die Knie herunter; diese schmucken Sachen und dazu noch eine blanke Schürze und schneeweisse Zwickelstrümpfe mit schönen Kniebändern, wollten beinahe zu stattlich aussehen zu dem dürftigen Gemach, besonders da es Werktag war.
Die Kleine spann emsig feine, glänzende Fäden aus ihrer Kunkel, zuweilen lüftete sie die Gardinen des Bettes und warf einen verstohlenen blick hinein. Doch schnell, als wäre sie auf bösen Wegen erfunden worden, schlug sie die Vorhänge wieder zu und strich die Falten glatt, als sollte niemand merken, dass sie gelauscht habe.
Die tür ging auf, und eine runde, ältliche Frau in derselben Tracht wie das Mädchen, aber ärmlicher gekleidet, trat ein. Sie trug eine dampfende Schüssel Suppe zum Frühstück auf und stellte Teller auf dem Tische zurecht. Indem fiel ihr blick auf das schöne Kind am Bette, sie staunte sie an und wenig hätte gefehlt, so liess sie den Krug mit gutem Apfelwein fallen, den sie eben in der Hand hielt.
"Was fällt der aber um Gottes willa ei', Bärbele", sagte sie, indem sie den Krug niedersetzte und zu dem Mädchen trat, "was fällt der ei', dass de am Wertich da nuia rauta Rock zum Spinna anziehst? und au 's nui Mieder hot se an, und, ei dass di! – au a silberne Kette. Und en frischa Schurz und Strümpf no so mir nix dir nix aus em Kasta reissa? Wer wird denn en solcha Hochmuat treiba, du dumms Ding, du? Woisst du net, däss mer arme leute sind? und dass du es Kind voma ouglückliche Mann bist? –"A1
Die Tochter hatte geduldig die ereiferte Frau ausreden lassen; sie schlug zwar die Augen nieder, aber ein schelmisches Lächeln, das über ihr Gesicht flog, zeigte, dass die Strafpredigt nicht sehr tief gehe. "Ei, so lasset uich doch b'richta", antwortete sie, "was schadet's denn dem Rock, wenn i ihn au amol amma christliche Wertag ahan? an der silberna Kette wird au nix verderbt, und da Schurz kann i jo wieder wäscha!"A2
"So? als wemma et immer gnuag z'wäscha und z'putza hätt? So sag mer no, was ist denn in de gfahra, dass de so strählst und schöa machst?"A3
"Ah was!" flüsterte das errötende Schwabenkind, "wisset Er denn net, dass heute der acht' Tag ist? hot et der Ätti g'sait, der Junker werde' am heutiga Morga verwacha, wenn sei Tränkle guete Wirking häb? und do hanne eba denkt –"A4
"Ist's um dui Zeit?" entgegnete die Hausfrau freundlicher; "da host wärle reacht; wenn er verwacht und sieht älles so schluttich und schlampich, se ist et guot und könnt Verdruss gä beim Ätte. Ih sieh au aus wie na Drach. gang Bärbele; holmer mei schwaarz Wammas, mei rauts Miader und en frischa Schurz."A5
"Aber Muater", gab die Kleine zu bedenken. "Er wendt Ich doch ett do atau