wird."
Die Sonne des kurzen, schönen Märztages begann während diesem Zwiegespräch der Wanderer hinabzusinken. Die Schatten des Abends rollten dunkle Schleier über das Gebirge, und verhüllten dem Auge die ferneren Gipfel und Höhen. Der Mond kam bleich herauf, und überschaute sein nächtliches Gebiet. Nur die hohen Mauern und Türme von Neuffen rötete die Sonne noch mit ihren letzten Strahlen, als sei dieser Felsen ihr Liebling, von welchem sie ungern scheide. Sie sank, auch diese Mauern hüllten sich in Dunkel, und durch die Wälder zog die Nachtluft, geheimnisvolle Grüsse flüsternd dem heller strahlenden Mond entgegen.
"Jetzt ist die wahre Tageszeit für Diebe und für flüchtige Reisende, wie wir", sagte der Bauer, als er des Junkers Pferd aufzäumte; "sei es noch um eine Stunde, so ist die Nacht kohlschwarz, und dann soll uns, bis die Sonne wieder aufgeht, kein bündischer Reiter ausspüren!"
"Glaubst du es habe Gefahr?" sagte Georg, indem er seine Hand nach dem Helm ausstreckte, und das dünne Barett abnahm. "Meinst du nicht, wir sollen uns besser wappnen?"
"Lasst hängen, Junker", rief der Bauer lachend, "solch eine Sturmhaube ist an sich schon kalt, und gibt in einer frischen Nacht nicht sehr warm; lasset immer Euer Barett sitzen; in dieser Gegend suchen sie den Herzog nicht, und sollten sie kommen, wir zwei fürchten ihrer vier nicht."
Der junge Mann liess zögernd seinen schönen Helm am Sattelknopf hängen, er schämte sich, weniger Mut zu zeigen als sein Begleiter, der unberitten, nur durch eine dünne lederne Mütze geschützt, und mit einer einfachen Axt schlecht bewaffnet war. Er schwang sich auf. Sein Führer ergriff die Zügel des Rosses, und schritt voran den Berg hinab.
"Du meinst also", fragte Georg nach einer Weile, "bis hieher werden sich die bündischen Reiter nicht wagen?"
"Es ist nicht wohl möglich", antwortete der Pfeifer, "Neuffen ist ein starkes Schloss und hat gute Besatzung; sie werden es zwar in kurzer Zeit mit Heeresmacht belagern, aber Gesindel wie die Handvoll Reiter des Truchsess wagt sich doch nicht in die Nähe einer feindlichen Burg."
"Schau! wie hell und schön der Mond scheint", rief der Jüngling, der, noch immer erfüllt von dem Anblick auf dem Berge, die wunderlichen Schatten der Wälder und Höhen, die hellglänzenden Felsen betrachtete; "siehe wie die Fenster von Neuffen im Mondlicht schimmern!"
"Es wäre mir lieber er schiene heute nacht nicht", entgegnete sein Führer, indem er sich zuweilen besorgt umsah; "dunkle Nacht wäre besser für uns, der Mond hat schon manchen braven Mann verraten. Doch jetzt steht er gerade über dem Reissenstein, wo der Riese gewohnt hat, es kann nicht mehr lange dauern, so ist er hinunter."
"Was schwatzt du da von einem Riesen, der auf dem Reissenstein gewohnt hat?"
"Ja, dort hat vor langer Zeit ein Riese gewohnt20, das hat seine Richtigkeit; dort über dem Berg, gerade wo jetzt der Mond steht, liegt ein Schloss, das heisst der Reissenstein; es gehört jetzt den Helfensteinern; es liegt auf jähen Felsen, weit oben in der Luft, und hat keine Nachbarschaft als die Wolken und bei Nacht den Mond. Geradeüber von der Burg auf einem Berge, worauf jetzt der Heimenstein steht, liegt eine Höhle, und darinnen wohnte vor alters ein Riese. Er hatte ungeheuer viel Gold, und hätte herrlich und in Freuden leben können, wenn es noch mehr Riesen und Riesinnen ausser ihm gegeben hätte. Da fiel es ihm ein, er wolle sich ein Schloss bauen, wie es die Ritter haben auf der Alb. Der Felsen gegenüber schien ihm gerade recht dazu.
Er selbst aber war ein schlechter Baumeister; er grub mit den Nägeln haushohe Felsen aus der Alb und stellte sie aufeinander, aber sie fielen immer wieder ein und wollten kein geschicktes Schloss geben. Da legte er sich auf den Beurener Felsen, und schrie ins Tal hinab nach Handwerkern, Zimmerleute, Maurer, Steinmetze, Schlosser, alles solle kommen und ihm helfen; er wolle gut bezahlen.
Man hörte sein Geschrei im ganzen Schwabenland vom Kocher hinauf bis zum Bodensee, vom Neckar bis an die Donau, und überallher kamen die Meister und Gesellen, um dem Riesen das Schloss zu bauen. – Reitet aus dem Mondschein, Junker, hieher in den Schatten, Euer Harnisch glänzt wie Silber, und könnte leicht den Spürhunden in die Augen glänzen!
Nun, um wieder auch den Riesen zu kommen, so war es lustig anzusehen, wie er vor seiner Höhle im Sonnenschein sass, und über dem Tal drüben auf dem hohen Felsen sein Schloss bauen sah, die Meister und Gesellen waren flink an der Arbeit und bauten wie er ihnen über das Tal hinüber zuschrie; sie hatten allerlei fröhlichen Schwank und Kurzweil mit ihm, weil er von der Bauerei nichts verstand. Endlich war der Bau fertig und der Riese zog ein, und schaute aus dem höchsten Fenster aufs Tal hinab, wo die Meister und Gesellen versammelt waren, und fragte sie, ob ihm das Schloss gut anstehe, wenn er so zum Fenster herausschaue. Als er sich aber umsah, ergrimmte er, denn die Meister hatten geschworen, es sei alles fertig, aber an dem obersten Fenster wo er heraussah, fehlte noch ein Nagel.
Die Schlossermeister entschuldigten sich