länger bei ihnen zu bleiben, und wollten mir freie Kost und wohnung geben."
"Ja, ins tiefste Verlies wollten sie dich stecken, wo weder Sonne noch Mond hinscheint, und wohin die Kundschafter und Späher gehören."
"Mit Verlaub, Junker", erwiderte der Bote, "da wäre ich, wiewohl ein paar Stockwerke tiefer, in dieselbe Behausung gekommen wie Ihr?"
"Hund von einem Aufpasser!" rief der Junker ungeduldig, indem Zorn seine Wangen rötete, "willst du meines Vaters Sohn in eine Reihe stellen mit dem Pfeifer von Hardt!"
"Was sprecht Ihr da?" fuhr der Mann an seiner Seite mit wilder Miene auf; "was nennt Ihr für einen Namen? kennt Ihr den Pfeifer von Hardt?" Er hatte vielleicht unwillkürlich bei diesen Worten die Axt, die neben ihm lag, in seine nervige Rechte gefasst. Seine gedrungene feste Gestalt, seine breite Brust, gaben ihm trotz seiner nicht ansehnlichen Grösse, doch das Ansehen eines nicht zu verachtenden Kämpfers; sein wildrollendes Auge, sein eingepresster Mund möchten manchen einzelnen Mann ausser Fassung gebracht haben.
Der Jüngling aber sprang mutig auf, er warf sein langes Haar zurück, und ein blick voll Stolz und Hoheit begegnete dem finsteren Auge jenes Mannes; er legte seine Hand an den Griff seines Schwertes und sagte ruhig und fest: "Was fällt dir ein, dich so vor mich hinzustellen und mit dieser Stirne mich zu fragen; du bist, wenn ich nicht irre, der, den ich nannte, du bist dieser Meuter und Anführer von aufrührerischen Hunden; pack dich fort, auf der Stelle, oder ich will dir zeigen wie man mit solchem Gesindel spricht!"
Der Bauer schien mit seinem Zorn zu ringen; er hieb die Axt mit einem kräftigen Schwung in den Baum, und stand nun ohne Waffe vor dem zürnenden, jungen Mann. "Erlaubet", sagte er, "dass ich Euch für ein andermal warne, dass Ihr Euren Gegner, und sei er auch nur ein geringer Bauersmann wie ich, nicht zwischen Euch und Eurem Braunen stehen lasset; denn wenn ich Euren Befehl, mich fortzupacken, hätte aufs schnellste befolgen wollen, wäre er mir trefflich zustatten kommen."
Ein blick dahin überzeugte Georg, dass der Bauer wahr gesprochen habe; errötend über diese Unvorsichtigkeit, die beweisen konnte, wie wenig er noch Erfahrung im Kriege besitze, liess er seine Hand von dem Griff seines Schwertes sinken, und setzte sich, ohne etwas zu erwidern, auf die Erde nieder. Der Bauer folgte, jedoch in ehrerbietiger Entfernung, seinem Beispiel und sprach: "Ihr habt ganz recht, dass Ihr mir grollt, Herr von Sturmfeder, aber wenn Ihr wüsstet, wie weh mir jener Name tut, würdet Ihr vielleicht meine schnelle Hitze verzeihen! Ja! ich bin der, den man so nennt, aber es ist mir ein Greuel, mich also rufen zu hören; meine Freunde nennen mich Hanns, aber meinen Feinden gefällt jener Name, weil ich ihn hasse."
"Was hat dir dieser unschuldige Name getan?" fragte Georg, "warum nennt man dich so? warum willst du dich nicht so nennen lassen?"
"Warum man mich so nennt?" antwortete jener; "ich bin aus einem Dorf, das heisst Hardt, und liegt im Unterland nicht weit von Nürtingen; meinem Gewerbe nach bin ich ein Spielmann, und musiziere auf Märkten und Kirchweihen, wenn die ledigen Bursche und die jungen Mägdlein tanzen wollen. Deswegen nannte man mich den Pfeifer von Hardt. Aber dieser Name hat sich mit Untat und Blut befleckt in einer bösen Zeit, darum habe ich ihn abgetan und kann ihn nimmer leiden."
Georg mass ihn mit einem durchdringenden blick, indem er sagte: "Ich weiss wohl, in welcher bösen Zeit; als ihr Bauern gegen euern Herzog rebelliert habt, da warst du einer von den ärgsten. Ist's nicht also?"
"Ihr seid wohlbekannt mit dem Schicksal eines unglücklichen Mannes", sagte der Bauer finster zu Boden blickend; "Ihr müsst aber nicht glauben, dass ich noch derselbe bin. Der Heilige hat mich gerettet und meinen Sinn geändert, und ich darf sagen, dass ich jetzt ein ehrlicher Mann bin."
"Oh, erzähle mir", unterbrach ihn der Jüngling, "wie ging es zu in jenem Aufruhr? wie wurdest du gerettet, wie kommt's, dass du jetzt dem Herzog dienst?"
"Das alles will ich auf ein andermal versparen", entgegnete jener; "denn ich hoffe nicht zum letztenmal an Eurer Seite zu sein; erlaubt mir dafür, dass ich auch Euch etwas frage; wo soll Euch denn dieser Weg hinführen? da geht nicht die Strasse nach Lichtenstein!"
"Ich gehe auch nicht nach Lichtenstein", antwortete Georg niedergeschlagen; "mein Weg führt nach Franken zu dem alten Oheim; das kannst du dem fräulein vermelden, wenn du nach Lichtenstein kommst."
"Und was wollt Ihr beim Oheim? Jagen? das könnt Ihr anderswo ebensogut; Langeweile haben? die kauft Ihr allerorten wohlfeil; kurz und gut, Junker", setzte er gutmütig lächelnd hinzu, "ich rate Euch, wendet Euer Ross und reitet so ein paar Tage mit mir in Württemberg umher; der Krieg ist ja so gut als beendigt; man kann ganz ungehindert reisen."
"Ich habe dem Bund mein Wort gegeben, in vierzehn