wohl; aber ich weiss auch, wie unglücklich ihn sein schnelles Aufbrausen, sein Trotz, den er für Festigkeit ausgab, machten."
"Aber saget selbst, edler Herr!" entgegnete Georg, "konnte ich heute anders handeln? Hatte mich nicht der Truchsess aufs Äusserste gebracht?"
"Du konntest anders handeln, wenn du die Weise und Art dieses Mannes beachtetest, welche sich dir letztin schon kundgab. Auch hättest du denken können, dass Leute genug da waren, die dir kein Unrecht geschehen liessen. Du aber schüttetest das Kind mit dem Bade aus und liefst weg."
"Das Alter soll kälter machen", erwiderte der junge Mann "aber in der Jugend hat man heisses Blut; ich kann alles ertragen, Härte und Strenge, wenn sie gerecht sind und meine Ehre nicht kränken. Aber kalter Spott, Hohn über das Unglück meines Hauses kann mich zum wütenden Wolf machen. Wie kann ein so hoher Mann nur Freude daran haben, einen so zu quälen?"
"Auf diese Art äussert sich immer sein Zorn", belehrte ihn Frondsberg; "je kälter und schärfer er aber von aussen ist, desto heisser kocht in ihm die Wut. Er war es, der auf den Gedanken kam, dich nach Tübingen zu senden, teils weil er sonst keinen wusste, teils auch um dir das Unrecht, das er dir angetan, wiedergutzumachen. Denn in seinem Sinne war diese Sendung höchst ehrenvoll. Du aber hast ihn durch deine Weigerung gekränkt und vor dem Kriegsrat beschämt."
"Wie?" rief Georg; "der Truchsess hat mich vorgeschlagen? So kam also jene Sendung nicht von Euch?"
"Nein", gab ihm der Feldhauptmann mit geheimnisvollem Lächeln zur Antwort; "nein! ich habe ihm sogar mit aller Mühe abgeraten, dich zu senden, aber es half nichts, denn die wahren Gründe konnte ich ihm doch nicht sagen. Ich wusste, ehe du eintratst, dass du dich weigern würdest, dies Amt anzunehmen. – Nun reisse doch die Augen nicht so auf, als wolltest du mir durch das lederne Koller ins Herz hineinschauen. Ich weiss allerlei Geschichten von meinem jungen Trotzkopf da!"
Georg schlug verwirrt die Augen nieder. "So kamen Euch die Gründe nicht genügend vor, die ich angab?" sagte er; "was wolle Ihr denn so Geheimnisvolles von mir wissen?"
"Geheimnisvoll? nun so gar geheimnisvoll ist es gerade nicht, denn merke für die Zukunft: wenn man nicht verraten sein will, so muss man weder bei Abendtänzen sich gebärden wie einer, der von Sankt Veits Tanz befallen ist, noch nachmittags um drei Uhr zu schönen Mädchen gehen. Ja, mein Sohn! ich weiss allerlei", setzte er hinzu, indem er lächelnd mit dem Finger drohte, "ich weiss auch, dass dieses ungestüme Herz gut württembergisch ist."
Georg errötete und vermochte den lauernden blick des Ritters nicht auszuhalten. "Württembergisch?" entgegnete er, indem er sich mit Mühe gefasst hatte, "da tut Ihr mir unrecht; nicht mit Euch zu Feld ziehen zu wollen, heisst noch nicht sich an den Feind anschliessen; gewiss ich schwöre Euch –"
"Schwöre nicht", fiel ihm Frondsberg rasch ins Wort, "ein Eid ist ein leichtes Wort, aber es ist doch eine drückend schwere Kette, die man bricht oder von der man zerbrochen wird. Was du tun wirst, das wird so sein, dass es sich mit deiner Ehre verträgt. Nur eines musst du dem Bunde an Eidesstatt geloben, und dann erst wirst du deiner Haft entlassen: in den nächsten vierzehn Tagen nicht gegen uns zu kämpfen."
"So legt Ihr mir also dennoch falsche Gesinnungen unter?" sprach Georg bewegt; "das hätte ich nicht gedacht! und wie unnötig ist dieser Schwur! Für wen, und mit wem sollte ich denn auf jener Seite kämpfen? Die Schweizer sind abgezogen, das Landvolk hat sich zerstreut, die Ritterschaft liegt in den Festungen und wird sich hüten, den nächsten besten, der vom Bundesheer herüberläuft, in ihre Mauern aufzunehmen, der Herzog selbst ist enflohen –"
"Entflohen?" rief Frondsberg aus, "entflohen? das weiss man noch nicht so gewiss; warum hätte der Truchsess dann die Reiter ausgeschickt?" setzte er hinzu; "und überhaupt, wo hast du diese Nachrichten alle her? Hast du den Kriegsrat belauscht? oder sollte es wahr sein, was einige behaupten wollen, dass du verdächtige Verbindungen nach Württemberg hinüber unterhältst?"
"Wer wagt dies zu behaupten?" rief Georg erblassend.
Frondsbergs durchdringende Augen ruhten prüfend auf den Zügen des jungen Mannes. "Höre, du bist mir zu jung und ehrlich zu einem Bubenstücke", sagte er, "und wenn du etwas solches im Schilde führtest, hättest du dich wohl nicht vom Bunde losgesagt, sondern auch ferner Württembergs Spion gemacht."
"Wie? spricht man so von mir?" unterbrach ihn Georg; "wenn Ihr nur ein Fünkchen Liebe zu mir habt, so nennt mir den schlechten Kerl, der so von mir spricht!"
"Nur nicht gleich wieder so aufbrausend", entgegnete Frondsberg und drückte die Hand des jungen Mannes; "du kannst denken, dass, wenn ein solches Wort öffentlich gesprochen würde, oder ich an diese Einflüsterungen glaubte, Georg von Frondsberg nicht zu dir käme. Aber etwas muss denn doch an der Sache sein