Hoffnung aufgebt? schaut, diese alle wollen für Euch bluten; ich habe Euch auch meine vier Buben mitgebracht, hat jeder einen Spiess und ein Messer, und so sind hier viele Tausend; seid Ihr des Landes so müde, dass Ihr uns verschmäht?' Da brach dem Ulerich das Herz; er wischte sich Tränen aus dem Auge und bot dem Alten seine Hand. 'Ich zweifle nicht an eurem Mut', sprach er mit lauter stimme. 'Aber wir sind unserer zu wenig; so dass wir nur sterben können aber nicht siegen. Geht nach Haus ihr guten Leute und bleibet mir treu. Ich muss mein Land verlassen und im bitteren Elend sein. Aber mit Gottes hülfe hoffe ich auch wieder hereinzukommen.' So sprach der Herzog, unsere Leute aber weinten und knirschten mit den Zähnen und zogen ab in Trauer und Unmut. –"18
"Und der Herzog?" fragte Georg.
"Von Blaubeuren ist er weggeritten, wohin weiss man nicht. In den Schlössern aber liegt die Ritterschaft, sie zu verteidigen, bis der Herzog vielleicht andere hülfe bekommt." –
Der alte Johann unterbrach hier den Boten und meldete, dass der Junker auf zwei Uhr in den Kriegsrat beschieden sei, der in Frondsbergs Quartier gehalten werde; Georg war nicht wenig erstaunt über diese Nachricht; was konnte man von ihm im Kriegsrat wollen? Sollte Frondsberg schon ein Mittel gefunden haben, ihn zu empfehlen?
"Nehmt Euch in acht, Junker", sprach der Bote, als der alte Johann das Gemach verlassen hatte, "und bedenkt das Versprechen, das Ihr dem fräulein gegeben, vor allem erinnert Euch, was sie Euch sagen liess: Ihr sollt Euch hüten, weil man etwas mit Euch vorhabe. Mir aber erlaubt, als Euer Diener in diesem Haus zu bleiben; ich kann Euer Pferd besorgen und bin zu jedem Dienst erbötig."
Georg nahm das Anerbieten des treuen Mannes mit Dank an und Hanns trat auch sogleich in seinen Dienst, denn er band seinem jungen Herrn das Schwert um, und setzte ihm das Barett zurecht. Er bat ihn noch unter der tür, seines Schwures und jener Warnung eingedenk zu sein.
Dem unbegreiflichen Ruf in den Kriegsrat und der sonderbar zutreffenden Warnung Mariens nachsinnend, ging Georg dem bezeichneten haus zu; man wies ihn dort eine breite Wendeltreppe hinan, wo er in der ersten tür rechts, die Kriegsobersten versammelt finden sollte. Aber der Eingang in dieses Heiligtum ward ihm nicht so bald verstattet; ein alter bärtiger Kriegsmann fragte, als er die tür öffnen wollte, nach seinem Begehr, und gab ihm den schlechten Trost, es könne höchstens noch eine halbe Stunde dauern, bis er vorgelassen werde; zugleich ergriff er die Hand des jungen Mannes und führte ihn einen schmalen gang hindurch, nach einem kleinen Gemach, wo er sich einstweilen gedulden solle.
Wer je in besorgter Erwartung einsam und allein auf der Marterbank eines Vorzimmers sass, der kennt die Qual, die Georg in jener Stunde auszustehen hatte. Das ungeduldige Herz pocht der Entscheidung entgegen, alle Nerven sind gespannt, das Auge möchte die tür durchbohren, das Ohr schärft sich, wenn in der Ferne eine tür knarrt, Schritte über den Hausgang rauschen oder undeutliche Stimmen im anstossenden Zimmer lauter werden. Aber die Türen haben umsonst getönt, die Schritte immer näher und näher kommend, gehen vorüber, der ungleiche Ton der Stimmen sinkt zum Geflüster herab. Die Bretter des Fussbodens und die Fenster des Nachbarhauses sind bald gezählt, und schon wieder zeigt der helle Ton der Glocke eine umsonst verlebte halbe Stunde an. Das Ohr begleitet alle Glocken und Uhren der Stadt, bemerkt ihre hohen und tiefen Töne – auch sie haben ausgeschlagen. Man steht auf, man macht einen gang durch das enge Gemach, horch! da geht wieder eine tür, gewichtige Schritte kommen den gang herauf, die Klinke der tür bewegt sich nach so langer Zeit wieder –
"Georg von Frondsberg lässt Euch seinen Gruss vermelden", sprach der alte Kriegsmann, der nach so langer Zeit wieder zu Georg kam, "es könnte vielleicht noch eine Weile dauern; doch sei dies ungewiss, darum sollet Ihr hierbleiben. Er schickt Euch hier einen Krug Wein zum Vespern."
Der Diener setzte den Wein auf den breiten Fenstersims des Zimmers, denn ein Tisch war nicht vorhanden, und verliess das Gemach.
Georg sah ihm staunend nach; er hätte dies nicht für möglich gehalten; über eine Stunde war schon verschwunden, und noch nicht? Er griff zu dem Wein, er war nicht übel, aber wie konnte ihm in seiner traurigen Einsamkeit das Glas munden?
Es ist ein gewöhnlicher Fehler junger Leute in Georgs Jahren, dass sie sich für wichtiger halten, als es ihre Stellung in der Welt eigentlich mit sich bringt. Der gereiftere Mann wird eine Beeinträchtigung seiner Würde eher verschmerzen oder wenigstens sein Missfallen zurückhalten, während der Jüngling empfindlicher über den Punkt der Ehre leichter und schneller aufbraust. Kein Wunder daher, dass Georg, als er nach zwei tödlich langen Stunden in den Kriegsrat abgeführt wurde, nicht in der besten Laune war. Er folgte schweigend dem ergrauten Führer, der ihn hieher geleitet hatte, den langen gang hin.
An der tür wandte sich jener um und sagte freundlich: "Verschmäht den Rat eines alten Mannes nicht, Junker, und legt die trotzige, finstere Miene ab; es tut nicht gut bei den gestrengen Herren da drinnen."
Georg war in dem Augenblick zu wenig Herr