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"Ach Gott; du hast doch dem Bunde noch nicht zugesagt?" unterbrach sie ihn.

"Ängstige dich doch nicht so, mein Liebchen, ich habe noch nicht völlig zugesagt; aber es muss nächster Tage geschehen. Willst du denn deinem Georg nicht auch ein wenig Kriegsruhm gönnen; warum magst du um mich so bange haben? Dein Vater ist alt und zieht ja doch auch mit aus."

"Ach, mein Vater, mein Vater!" klagte Marie, "er ist jadoch brich ab, Georg, brich abBerta belausche uns; aber ich muss dich morgen sprechen, ich muss , und sollte es meine Seligkeit kosten. Ach! wenn ich nur wüsste wie?"

"Was ängstigt dich denn nur so?" fragte Georg, dem es unbegreiflich war, wie Marie statt sich der Freude des Wiedersehens hinzugeben, nur an die Gefahren dachte, denen er entgegengehe? "Du stellst dir die Gefahren grösser vor als sie sind", flüsterte er ihr tröstend zu: "Denke an nichts, als dass wir uns jetzt wiederhaben, dass ich deine Hand drücken darf, dass Auge in Auge sieht wie sonst. Geniesse jetzt die Augenblicke, sei heiter!"

"Heiter? o diese zeiten sind vorbei, Georg! höre und sei standhaftmein Vater ist nicht bündisch!"

"Jesus Maria! was sagst du", rief der Jüngling und beugte sich, als habe er das Wort des Unglücks nicht gehört, herab zu Marien; "o sage, ist denn dein Vater nicht hier in Ulm?"

Sie hatte sich stärker geglaubt; sie konnte nicht mehr sprechen; bei dem ersten laut wären ihre Tränen unaufhaltsam geflossen; sie antwortete nur durch einen Druck der Hand, und ging mit gesenktem Haupt nach Kraft suchend, ihren Schmerz zu bekämpfen, neben Georg her. Endlich siegte der starke Geist dieses Mädchens über die Schwäche ihrer natur, die einem so grossen, tiefen Kummer beinahe erlegen wäre. "Mein Vater", flüsterte sie, "ist Herzog Ulerichs wärmster Freund, und sobald der Krieg entschieden ist, führt er mich heim auf den Lichtenstein!"

Betäubend wirbelten jetzt die Trommeln, in volleren Tönen schmetterten die Trompeten, sie begrüssten den Truchsess, der eben an dem Musikchor vorüberzog; er warf ihnen, wie es Sitte war, einige Silberstükke zu, und von neuem erhob sich ihr betäubender jubel.

Das leise Gespräch der Liebenden verstummte vor der rauhen Gewalt dieser Töne, aber ihr Auge hatte sich in diesem Schiffbruch ihrer Liebe um so mehr zu sagen, und sie bemerkten nicht einmal wie ein Geflüster über sie im Saal erging, das sie als das schönste Paar pries.

Aber nur zu wohl hatte Berta diese Bemerkungen der Menge gehört. Sie war zu gutmütig, als dass Neid darüber in ihre Seele gekommen wäre, aber sie setzte sich doch im geist an Mariens Platz, und fand, dass man vielleicht das Paar nicht minder schön gefunden hätte. Auch das Gespräch, das zwischen den beiden begonnen hatte, fiel ihr auf. Die ernste Base, die selten oder nie mit einem Mann lange sprach, schien mehr und angelegentlicher zu reden, als ihr Tänzer. Die Musik hinderte sie zu verstehen, was gesprochen wurde; die Neugierde, die man vielleicht nicht mit Unrecht jungen Mädchen ausschliesslich zuschreibt, wurde in ihr rege, sie zog ihren Tänzer näher an das vordere Paar, umein wenig zu lauschen; aber war es Zufall oder Absicht, das Gespräch verstummte als sie näher kam, oder wurde so leise geführt, dass sie nichts davon verstand.

Ihr Interesse an dem schönen, jungen Mann wuchs mit diesen Hindernissen; noch nie war ihr der gute Vetter Kraft so lästig geworden, als in diesen Augenblicken; denn die zierlichen Redensarten, womit er ihr Herz zu umspinnen gedachte, verhinderten sie, jene genauer zu beobachten. Sie war froh, als endlich der Tanz sich endigte. Denn sie durfte hoffen, dass der nächste an des jungen Ritters Seite desto angenehmer für sie sein werde.

Sie täuschte sich nicht in ihrer Hoffnung Georg kam, sie um den nächsten Tanz zu bitten, der auch sogleich begann, und sie hüpfte fröhlich an seiner Seite in die Reihen. Aber es war nicht mehr derselbe, der vorhin mit Marien so freundlich gesprochen hatte. Verstört, einsilbig, in tiefe Gedanken versunken, war der junge Mann an ihrer Seite, und es war nur zu sichtbar, dass er sich immer erst wieder sammeln musste, wenn er eine ihrer fragen beantworten sollte.

War dies jener "höfliche Reiter", welcher sie, ohne dass sie sich je gesehen hatten, so freundlich grüsste? War es derselbe, welcher so heiter, so fröhlich war, als ihn Vetter Kraft zu ihnen führte? Derselbe, der mit Marien so eifrig sich unterredet hatte? Oder sollte diese – –? ja es war klar. Marie hatte ihm besser gefallen, ach! vielleicht weil sie die erste war, die mit ihm tanzte. Je weniger Berta gewohnt war, sich der ernsten Marie nachgesetzt zu sehen, um so mehr befremdete sie dieser Sieg ihrer Base, um so mehr glaubte sie sich beeifern zu müssen, ihren Rang, ihre Gaben geltend zu machen. Sie setzte daher mit ihrer heiteren Geschwätzigkeit das Gespräch über den bevorstehenden Krieg, das sie mit Mühe angesponnen hatte, fort, als sie nach Beendigung des Tanzes zu Marie und dem Ratsschreiber traten. "