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, die sich tief in sein dankbares Herz gegraben hatten. Es war nicht Hohn, nicht Schadenfreude, was man in Georg von Frondsbergs Mienen las, nein, er sah den Nahenden mit jenem Ausdruck von würdigem Ernst, von Wehmut an, womit ein edler Mann den tapferen, aber besiegten Feind begrüsst.

Als Georg diesen Männern gegenüberstand, hub der Truchsess von Waldburg an: "So hat doch endlich der Schwäbische Bund einmal die Ehre, den erlauchten Herzog von Württemberg vor sich zu sehen, freilich war die Einladung zu uns nicht allzu höflich, doch –"

"Ihr irrt Euch!" rief Georg von Sturmfeder, und schlug das Visier seines Helmes auf. Als sähen sie Minervas Schild und sein Medusenhaupt, so bebten die Bundesräte vor dem Anblick der schönen Züge des jungen Ritters. "Ha! Verräter! ehrlose Buben! ihr Hunde!" rief Truchsess den drei Knechten zu; "was bringt ihr uns diesen Laffen, dessen Anblick meine Galle aufregt, statt des Herzogs? Geschwind, wo ist er? sprecht!"

Die Knechte erbleichten. "Ist's nicht dieser?" fragten sie ängstlich. "Er hat doch den grünen Mantel an."

Der Truchsess zitterte vor Wut und seine Augen sprühten Verderben; er wollte auf die Knechte hinstürzen, er sprach davon sie zu erwürgen, aber die Ritter hielten ihn zurück, und Hutten, zornbleich, aber gefasster als jener, fragte: "Wo ist der Doktor Calmus, lasst ihn hereinkommen, er soll Rechenschaft ablegen, er hat den Zug übernommen."

"Ach Herr", sagte einer der Knechte, "der legt Euch keine Rechenschaft mehr ab; er liegt erschlagen auf der brücke bei Köngen!"

"Erschlagen?" rief Sickingen, "und der Herzog ist entkommen? erzählte ihr Schurken."

"Wir legten uns, wie uns der Doktor befahl, bei der brücke in Hinterhalt. Es war beinahe noch dunkel, als wir den Hufschlag von vier Rossen hörten, die sich der brücke näherten, zugleich vernahmen wir das Zeichen, das uns die Reiter über dem Fluss geben sollten, wenn die Herzoglichen aus dem Wald kämen. 'Jetzt ist's Zeit', sagte der Kahlmäuser. Wir standen schnell auf und besetzten den Ausgang der brücke. Es waren, soviel wir im Halbdunkel unterscheiden konnten, vier Reiter und ein Bauersmann; die zwei hintersten wandten sich um und fochten mit unseren Reitern, die zwei vorderen und der Bauer machten sich an uns. Doch wir streckten ihnen die Lanzen entgegen, und der Doktor rief ihnen zu, sich zu ergeben. Da drangen sie wütend auf uns ein; der Doktor sagte uns, der im grünen Mantel sei der Rechte; und wir hätten ihn bald gehabt, aber der Bauer wenn es nicht der Teufel selbst war, schlug den Doktor und noch zwei von uns nieder. Jetzt stach ihm einer die Hellebarde in den Leib, dass er fiel und dann ging es auf die Reiter. Wir packten allesamt den im grünen Mantel, wie uns der Kahlmäuser geheissen, der andere aber stürzte sich mit seinem Ross über die brücke hinab in den Neckar und schwamm davon. Wir aber liessen ihn ziehen, weil wir den Grünen hatten, und brachten diesen hieher."

"Das war Ulerich und kein anderer", rief Alban von Closen "ha! über die brücke hinab in den Nekkar! das tut ihm keiner nach."

"Man muss ihm nachjagen", fuhr der Truchsess auf; "die ganze Reiterei muss aufsitzen und hinab am Nekkar streifen, ich selbst will hinaus –"

"O Herr", entgegnete einer der Knechte. "Da kommt Ihr zu spät; es ist drei Stunden jetzt, dass wir von der brücke abzogen, der hat einen guten Vorsprung, und kennt das Land wohl besser als alle Reiter!"

"Kerl! willst du mich noch höhnen? ihr habt ihn entkommen lassen, an euch halte ich mich, man rufe die Wache; ich lass euch aufhängen."

"Mässigt Euch", sagte Frondsberg, "die armen Bursche trifft der Fehler nicht; sie hätten sich gerne das Gold verdient, das auf den Herzog gesetzt war. Der Doktor hat gefehlt und Ihr hört, dass er es mit dem Leben zahlte."

"Also Ihr habt heute den Herzog vorgestellt?" wandte sich Waldburg zu Georg, der stille dieser Szene zugesehen hatte; "müsst Ihr mir überall in den Weg laufen, mit Eurem Milchgesicht? Überall hat Euch der Teufel, wo man Euch nicht braucht. Es ist nicht das erste Mal, dass Ihr meine Pläne durchkreuzet –"

"Wenn Ihr es gewesen seid, Herr Truchsess", antwortete Georg, "der bei Neuffen den Herzog meuchlings überfallen lassen wollte, so bin ich Euch leider in den Weg gekommen, denn Eure Knechte haben mich niedergeworfen."

Die Ritter erstaunten über diese Rede, und sahen den Truchsess fragend an. Er errötete, man wusste nicht aus Zorn oder Beschämung, und entgegnete: "Was schwatzt Ihr da von Neuffen; ich weiss von nichts; doch wenn man Euch dort niedergeworfen hat, so wünsche ich, Ihr wäret nimmer aufgestanden, um mir heute vor Augen zu kommen. Doch es ist auch so gut, Ihr habt Euch als einen erbitterten Feind des Bundes bewiesen, habt heimlich und offen für den geächteten Herzog gehandelt, teilet also seine Schuld gegen den Bund und das ganze Reich, seid