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, zeigte. Ich betrachtete den Mann, er trug die Züge meines Bruders Georg45, und es war mir als müsse er zum Stamm meiner Ahnen gehören und ein Württemberg sein; er stieg mit dem Knaben den Berg hinab ins Tal, und die andern Männer folgten ihm in ehrerbietiger Entfernung; den letzten hielt ich auf und fragte ihn: wer jener gewesen sei, der dem Knaben das Land gezeigt habe? 'Das war der König' , sagte er, und stieg den Berg hinab."

Der Herzog schwieg und sah die Ritter forschend an, als wollte er ihre Meinung hören; sie schwiegen lange, endlich nahm der Ritter von Lichtenstein das Wort und sprach: "Ich bin fünfundsechzig Jahre alt, und habe vieles gesehen und gehört auf Erden, und manches, worüber der menschliche Geist erstaunte, und wo ein frommer Sinn den Finger der Gotteit sah. Glaubet mir, auch die Träume kommen von Gott, denn nichts geschieht auf Erden ohne Ursache. Es hat in alten zeiten Seher und Propheten gegeben, warum sollte nicht auch in unseren Tagen der Herr seiner Heiligen einen herabsenden, dass er einem Unglücklichen im Traume die dunkeln Pforten der Zukunft öffnen, und ihn einen blick in künftige, schönere Tage tun lasse? Drum seid getrosten Mutes, Herr! Eure Feste hat der Feind verbrannt, Ihr habt an einem Tage ein Herzogtum verloren, aber dennoch wird Euer Name nicht verlöschen, und Euer Gedächtnis wird nicht verloren sein in Württemberg."

"Ein König –" sprach der Herzog sinnend, "ist es nicht vermessen, jetzt wo ich hinaus muss ins Elend, jetzt an einen König meines Stammes zu denken? Kann nicht auch die Hölle solche Träume vorspiegeln um uns nachher desto bitterer zu täuschen?"

"Was zweifelt Ihr an der Zukunft?" sagte Schweinsberg lächelnd. "Hätte einer Eurer ritterlichen Ahnen, die auf Württemberg hausten, hätte einer wissen können, dass seine Enkel Herzoge sein, dass das weite, schöne Land ihren Namen Württemberg tragen werde? Nehmet Euren Traum als den Wink des Schicksals hin, dass Euer Name in ferner, ferner Zeit auf diesem land bleiben, dass die spätern Fürsten Württembergs die Züge Eures Stammes tragen werden."

"Wohlan, so will ich hoffen", erwiderte Ulerich von Württemberg; "will hoffen, dass Uns das Land verbleibe, wie dunkel auch jetzt Unsere Lose seien. Mögen Unsere Enkel nie so harte zeiten sehen wie Wir; möge man auch von ihnen sagen, sie sindfurchtlos!"

"Und treu!" sprach der Bauer mit Nachdruck, und stand auf. "Doch es ist Zeit, Herr Herzog, dass Ihr aufbrechet. Das Morgenrot ist nicht mehr fern, und über den Neckar wenigstens müssen wir kommen, solange es noch dunkel ist."

Sie standen auf und waffneten sich; die Pferde wurden herbeigeführt, sie sassen auf, und der Pfeifer ging voran den Weg aus der Schlucht zu zeigen. Die Reise des Herzogs zum Land hinaus war mit grosser Gefahr verbunden, denn der Bund suchte seiner mit aller Mühe habhaft zu werden. Um auf einen Weg zu gelangen, wo er sicher seinen Feinden entgehen könnte, war der Herzog genötigt, noch einmal über den Nekkar zu gehen. Dieser Übergang war nicht ohne Gefahr; ein starker Gewitterregen hatte den Fluss angeschwellt, so dass es nicht möglich schien, ihn mit den Pferden zu durchschwimmen; die Brücken aber waren zum grössten teil von dem Bunde besetzt worden; doch auch hier wusste Hanns guten Rat, denn er hatte durch treue Leute ausgespäht, dass die brücke von Köngen noch frei sei; man hatte sich wohl nicht die Mühe genommen, sie zu besetzen, weil sie Esslingen und dem feindlichen Lager allzu nahe war, als dass man hätte glauben können, der Herzog werde dort vorüberkommen. Dieser Weg schien wegen seiner grossen Gefahr, die meiste Sicherheit zu gewähren; ihn wählte Ulerich, und so zogen sie stille und vorsichtig dem Neckar zu.

Als sie aus dem Wald ins Feld herauskamen, säumte schon das Morgenrot den Horizont. Sie ritten jetzt auf besserem Wege schärfer zu, und bald sahen sie den Neckar schimmern, und die hochgewölbte brücke lag nicht ferne mehr von ihnen. In diesem Augenblick sah sich Georg um, und gewahrte eine bedeutende Anzahl Reiter, die von der Seite her, hinter ihnen, zogen; er machte seine Begleiter darauf aufmerksam; sie sahen sich besorgt um und musterten den Zug, der wohl fünfundzwanzig Pferde betragen mochte. Es schien bündische Reiterei zu sein, denn des Herzogs Völker waren gesprengt, und zogen nicht mehr in so geordneten Scharen wie diese.

Noch zogen jene ruhig ihren Weg, und schienen die kleine Gesellschaft nicht zu bemerken, aber dennoch schien es ratsam, die brücke zu gewinnen, wo sich drei Wege schieden, ehe man von ihnen angerufen und befragt würde. Der Pfeifer lief voran so schnell er konnte, der Herzog und die Ritter folgten ihm in gestrecktem Trab, und je weiter sie sich von den Bündischen entfernten, desto leichter wurde ihnen ums Herz, denn alle bangten nicht für ihr eigenes Leben, wohl aber für die Freiheit Ulerichs.

Sie hatten die brücke erreicht, sie zogen hinauf, aber in demselben Augenblick, wo sie oben auf der Mitte der hohen Wölbung angekommen waren, sprangen zwölf Männer mit Spiessen, Schwertern und Büchsen bewaffnet, hinter der brücke hervor und besetzten den Ausgang; der Herzog sah, dass er entdeckt war, und winkte seinen Begleitern