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ein Heer; wir konnten nicht lange aushalten und ergaben uns auf Gnad und Ungnad. Es wurden zwölf Anführer des Aufruhrs nach Schorndorf geführt und dort gerichtet, ich war auch unter diesen. Aber als ich so im Kerker lag und mein Unrecht und den nahen Tod überdachte, da graute mir vor mir selbst, und ich schämte mich, mit so elenden Gesellen wie die elf anderen waren, gerichtet zu werden."

"Und wie wurdest du gerettet?" fragte Georg teilnehmend.

"Wie ich Euch schon in Ulm sagte, durch ein Wunder. Wir zwölf wurden auf den Markt geführt, es sollte uns dort der Kopf abgehauen werden. Der Herzog sass vor dem Rataus und liess uns noch einmal vor sich führen. Jene eilfe stürzten nieder, dass ihre Ketten fürchterlich rasselten, und schrieen mit jammernder stimme um Gnade. Er sah sie lange an und betrachtete dann mich. 'Warum bittest du nicht auch?' fragte er. 'Herr', antwortete ich, 'ich weiss was ich verdient habe, Gott sei meiner Seele gnädig.' Noch einmal sah er auf uns, dann aber winkte er dem Scharfrichter. Sie wurden nach dem Alter gestellt, ich, als der jüngste, war der letzte. Ich weiss wenig mehr von jenen schrecklichen Augenblicken; aber nie vergesse ich den greulichen Ton, wenn die Halsknorpel krachten –"

"Um Gottes willen hör auf", bat Georg, "oder übergehe das Grässliche!"

"Neun Köpfe meiner Gesellen staken auf den Spiessen, da rief der Herzog: 'Zehn sollen bluten, zwei frei sein. Bringt Würfel her, und lasst die drei dort würfeln!' Man brachte Würfel, der Herzog bot sie mir zuerst; ich aber sagte: 'Ich habe mein Leben verwirkt und würfle nicht mehr darüber!' Da sprach der Herzog: 'Nun so würfle ich für dich.' Er bot den zwei andern die Würfel hin. Zitternd schüttelten sie in den kalten Händen die Würfel, zitternd zählten sie die Augen; der eine warf neun, der andere vierzehn; da nahm der Herzog die Würfel und schüttelte sie. Er fasste mich scharf ins Auge, ich weiss, dass ich nicht gezittert habe. Er warfund deckte schnell die Hand darauf. 'Bitte um Gnade' , sagte er, 'noch ist es Zeit'. 'Ich bitte, dass Ihr mir verzeihen möget, was ich Euch Leids getan' , antwortete ich, 'um Gnade aber bitte ich nicht, ich habe sie nicht verdient und will sterben.' Da deckte er die Hand auf, und siehe er hatte achtzehn geworfen. Es war mir sonderbar zumut, es kam mir vor als habe er gerichtet an Gottes Statt. Ich stürzte auf meine Kniee nieder und gelobte fortan in seinem Dienst zu leben und zu sterben. Der zehnte ward geköpft, wir beide waren frei." –

Mit immer höher steigender Teilnahme hatte Georg der Erzählung des Pfeifers von Hardt zugehört; aber als er schloss, als sich das sonst so kühn und listig blickende Auge mit Tränen füllte, da konnte er sich nicht entalten seine Hand zu fassen, sie fest und herzlich zu drücken. "Es ist wahr", sagte der junge Mann, "du hast Schweres an deinem Landesherrn verschuldet, aber du hast auch schrecklich gebüsst, denn du hast den Tod dennoch erlitten; jenes schnelle Zükken des Schwertes ist nichts mehr gegen das Gefühl, so viele bekannte Menschen hinrichten, und sich den Tod immer näher kommen zu sehen! Und hast du nicht durch ein Leben voll Treue, durch Aufopferung und Wagnis aller Art den Fürsten versöhnt, an den du deine Hand legtest? Wie oft hast du ihm Freiheit, vielleicht das Leben gerettet; wahrlich, deine Schuld ist reichlich abgetragen."

Der arme Mann hatte, nachdem er seine Erzählung geschlossen, wieder mit düsterem Sinnen ins Feuer geschaut. Er hätte ganz teilnahmslos geschienen, wenn nicht unter den Worten Georgs nach und nach ein trübes Lächeln auf seinen Zügen erschienen wäre. "Meint Ihr", sagte er, "ich hätte gebüsst und meine Schuld abgetragen? Nein, solche Schulden tilgen sich nicht so bald, und ein geschenktes Leben muss für den aufgesetzt werden, der es uns fristete. Das Umherschleichen in den Bergen, Kundschaft bringen aus Feindes Lager, Höhlen zeigen wo man sich verbergen kann, das ist keine schwere Sache, Herr, und das allein tut's nicht. Ich weiss, ich werde noch einmal für ihn sterben müssenund dann, Herr, nehmt Euch meines Weibes und meiner Tochter an."

Eine Träne fiel in seinen Bart, doch als schäme er sich so weich zu sein, verbarg er sein Gesicht in der Hand und fuhr fort: "Doch dazu bin ich noch gut genug; wie jeder Kriegsmann, wie jeder im Volk, darf ich für ihn sterben, o könnte ich durch meinen Tod seine Huldigung abändern, und ihm das Land wieder verschaffen, noch in dieser Stunde wollte ich sterben!"

Der Herzog erwachte; er richtete sich auf, er sah mit verwunderten Blicken um sich her, als sei er durch einen Zauber in diese Erdschlucht versetzt, und sehe jetzt erst diese Felsen und Bäume, das spärliche Feuer und die von den Flammen beschienenen Männer, seine Begleiter; er bedeckte seine Augen mit der Hand, doch er sah wieder auf als prüfe er, ob diese Erscheinungen bleiben; – sie blieben,