Bundesgenossen auch durch einen Tanz zu feiern, der am heutigen Abend auf dem rataus abgehalten werden sollte. Ihm, als dem Ratsschreiber, kam es zu, alles anzuordnen, was zu dieser Festlichkeit gehörte, er musste die Stadtpfeifer bestellen, die ersten Familien feierlich und im Namen des Rates dazu einladen, er musste vor allem zu seinen lieben Mühmchen eilen, um ihnen dieses seltene Glück zu verkündigen. gast und versicherte ihn, dass er vor dem Drang der Geschäfte nicht wisse, wo ihm der Kopf stehe. Doch Georg hatte nur für eines Sinn; er durfte hoffen, Marien zu sehen und zu sprechen, und darum hätte er gerne Herrn Dieterich für seine gute Botschaft an das freudig pochende Herz gedrückt.
"Ich sehe es Euch an", sagte dieser, "die Nachricht macht Euch Freude und die Tanzlust leuchtet Euch schon aus den Augen. Doch Ihr sollt ein paar Tänzerinnen haben, wie Ihr sie nur wünschen könnt; mit meinen Bäschen sollt Ihr mir tanzen, denn ich bin ihr Führer bei solchen Gelegenheiten und werde es schon zu machen wissen, dass Ihr und kein anderer zuerst sie aufziehen sollet; und wie werden sie sich freuen, wenn ich ihnen einen so flinken Tänzer verspreche!" Damit wünschte er seinem Gast einen guten Morgen und ermahnte ihn, wenn er ausgehe, sein Haus zu merken und das Mittagessen nicht zu versäumen.
Herr Dieterich hatte als sehr naher Verwandter schon so frühe am Tag Zutritt im haus des Herrn von Besserer, besonders heute, da ihn seine vielen Geschäfte bei diesem Morgenbesuche entschuldigten.
Er fand die Mädchen noch beim Frühstück. Wohl hätte dort manche unserer heutigen Damen ein elegantes Dejeuner von gemaltem Porzellain und den, nach den schönsten, antiken Vasen geformten Schokoladebecher vermisst. Aber, wenn es wahr ist, dass natürliche Anmut und Würde auch im geringsten Kleide sich dem Auge nicht verhüllen, so dürfen wir schon mit mehr Mut gestehen, dass Marie und die fröhliche Berta an jenem Morgen ein Biersüppchen verspeisten. Ob aber dieses Geständnis der ästetischen Haltung dieser Damen nicht Eintrag tut? Es mag sein; wer übrigens Marien und Berta in dem weissen Morgenhäubchen, in dem reinlichen Hauskleide gesehen hätte, würde gewiss auch wie Vetter Kraft, Verlangen getragen haben, dieses Frühstück mit den holden Mädchen zu teilen.
"Ich sehe dir es an, Vetter", begann Berta, "du möchtest gar zu gerne von unserer Suppe kosten, weil dir deine Amme heute einen Kinderbrei vorgesetzt hat; aber schlage dir diese Gedanken nur gleich aus dem Sinne; du hast Strafe verdient und musst fasten –"
"Ach, wie wir so sehnlich auf Euch gewartet haben", unterbrach sie Marie.
"Ja wohl", fiel ihr Berta in die Rede, "aber bilde dir nur nicht ein, dass wir eigentlich dich erwarteten; nein, ganz allein deine Neuigkeiten."
Der Ratsschreiber war schon gewohnt von Berta so empfangen zu werden; er wollte daher, um sie zu versöhnen, dass er nicht gestern abend noch ihre Neugierde befriedigt habe, seine Nachrichten in desto längerem Strome geben; aber Berta unterbrach ihn: "Wir kennen", sagte sie, "deine breiten Erzählungen, und haben auch das meiste vom Erker aus selbst mit angesehen; von eurem Trinkgelage, wo es arg genug hergegangen sein soll, will ich auch nichts wissen, darum antworte mir auf meine Frage." Sie stellte sich mit komischem Ernst vor ihn hin und fuhr fort: "Dieterich von Kraft, Schreiber eines wohledlen Rates, habt Ihr unter den Bündischen keinen jungen, überaus höflichen Herrn gesehen, mit langem hellbraunem Haar, einem Gesicht, nicht so milchweiss wie das Eure, aber doch nicht minder hübsch, kleinem Bart, nicht so zierlich wie der Eure, aber dennoch schöner, hellblauer Schärpe mit Silber..."
"Ach, das ist kein anderer als mein Gast", rief Herr Dieterich, "er ritt einen grossen Braunen, trug ein blaues Wams, an den Schultern geschlitzt und mit Hellblau ausgelegt?"
"Ja, ja, nur weiter", rief Berta, "wir haben unsere eigenen Ursachen, uns nach ihm zu erkundigen."
Marie stand auf und suchte ihr Nähzeug in dem Kasten, indem sie den beiden den rücken zukehrte; aber die Röte, die alle Augenblicke auf ihren Wangen wechselte, liess ahnen, dass sie kein Wort von Herrn Dieterichs Erzählung verlor.
"Nun das ist Georg von Sturmfeder", fuhr der Ratschreiber fort; "ein schöner, lieber Junge. sonderbar; auch ihr seid ihm gleich beim Einzug aufgefallen" – und nun erzählte er, was am Gastmahl vorgegangen sei, wie ihm der hohe Wuchs, das Gebietende und Anziehende in des Jünglings Mienen gleich anfangs aufgefallen, wie ihn der Zufall zu seinem Nachbar gemacht, wie er ihn immer lieber gewonnen und endlich in sein Haus geführt habe.
"Nun, das ist schön von dir, Vetter", sagte Berta als er geendet hatte, und reichte ihm freundlich die Hand, "ich glaube, es ist das erstemal, dass du es wagst, Gäste zu haben. Aber das Gesicht der alten Sabine hätte ich sehen mögen, als Junker Dieter so spät noch einen Gast brachte."
"Oh, sie war wie der Lindwurm gegen Sankt Georg; aber als ich ihr ganz verblümt zu verstehen gab, es könne wohl geschehen, dass ich bald eine meiner schönen Basen heimführen werde..."
"Ach, geh