Röte übergoss. "Das hat seine eigene Bewandtnis", sagte er endlich, "und ich spreche nicht gerne davon. Doch Ihr habt recht, Herr, auch mir ist es als werden wir uns lange nicht mehr sehen, so will ich Euch denn erzählen. Habt Ihr nie von dem 'Armen Konrad' gehört?"
"O ja", erwiderte Georg, "das Gerücht davon kam noch weiter als bis zu uns nach Franken; war es nicht ein Aufstand der Bauern? wollte man nicht sogar dem Herzog ans Leben?"
"Ihr habt ganz recht, der arme Konrad war ein böses Ding. Es mögen nun 7 Jahre sein. Da gab es unter uns Bauern viele Männer, die mit der herrschaft unzufrieden waren; es waren Fehljahre gewesen, den Reicheren ging das Geld aus, die Armen hatten schon lange keines mehr, und doch sollten wir zahlen ohne Ende, denn der Herzog brauchte gar viel Geld für seinen Hof, wo es alle Tage zuging wie im Paradies."
"Gaben denn eure Landstände nach, wenn der Herr so viel Geld verlangte?" fragte Georg.
"Sie wagten eben auch nicht immer nein zu sagen, des Herzogs Beutel hatte aber gar ein grosses Loch, das wir Bauern mit unserem Schweiss nicht zuleimen konnten. Da gab es nun viele die liessen die Arbeit liegen, weil das Korn das sie pflanzten, nicht zu ihrem Brot wuchs, und der Wein den sie kelterten, nicht für sie in die Fässer floss. Diese, als sie dachten, dass man ihnen nichts mehr nehmen könne als das arme Leben, lebten lustig und in Freuden, nannten sich Grafen zu Nirgendsheim, sprachen viel von ihren Schlössern auf dem Hungerberge und von ihren bedeutenden Besitzungen in der Fehlhalde und am Bettelrain; und diese Gesellschaft war der arme Konrad."
Der Pfeifer legte sinnend seine Stirne in die Hand und schwieg.
"Von dir wolltest du ja erzählen, Hanns!" sagte Georg, "von dir und dem Herzog." –
"Das hätte ich beinahe vergessen", antwortete dieser. – "Nun", fuhr er fort, "es kam endlich dahin, dass man Mass und Gewicht geringer machte, und dem Herzog gab, was damit gewonnen wurde. Da ward aus dem Scherz bitterer Ernst. Es mochte mancher nicht ertragen, dass ringsumher volles Mass und Gewicht, und nur bei uns kein Recht sei. Im Remstal trug der arme Konrad das neue Gewicht hinaus und machte die Wasserprobe."
"Was ist das", fragte der junge Mann.
"Ha!" lachte der Bauer, "das ist eine leichte probe. Man trug den Pfundstein mit Trommeln und Pfeifen an die Rems und sagte: 'Schwimmt's oben, hat der Herzog recht; sinkt's unter, hat der Bauer recht.'
Der Stein sank unter und jetzt zog der arme Konrad Waffen an. Im Remstal und im Neckartal bis hinauf gegen Tübingen und hinüber an die Alb standen die Bauern auf und verlangten das alte Recht. Es wurde gelandtagt und gesprochen, aber es half doch nichts. Die Bauern gingen nicht auseinander."
"Aber du, von dir sprichst du ja gar nicht?"
"Dass ich's kurz sage, ich war einer der Ärgsten", antwortete Hanns, "ich war kühn und trotzig, mochte nicht gerne arbeiten und wurde wegen Jagdfrevel unmenschlich abgestraft, da trat ich in den Armen Konrad, und bald war ich so arg als der Gaispeter und der Bregenzer. Der Herzog aber, als er sah, dass der Aufruhr gefährlich werden könne, ritt selbst nach Schorndorf. Man hatte uns zur Huldigung zusammenberufen, wir erschienen zu vielen Hunderten – aber bewaffnet. Der Herzog sprach selbst zu uns, aber man hörte ihn nicht an. Da stand der Reichsmarschall auf, erhob seinen goldenen Stab und sprach: 'Wer es mit dem Herzog Ulerich von Württemberg hält, trete auf seine Seite'; der Gaispeter aber trat auf einen hohen Stein und rief: 'Wer es mit dem Armen Konrad vom Hungerberg hält, trete hieher.' Siehe, da stand der Herzog verlassen unter seinen Dienern. Wir andern hielten zu dem Bettler."
"Oh, schändlicher Aufruhr", rief Georg vom Gefühl des Unrechts ergriffen, "schändlich vor allen die, welche es so weit kommen liessen! Da war gewiss Ambrosius Volland der Kanzler, an vielem schuld?"
"Ihr könnet recht haben", erwiderte der Spielmann; "doch höret weiter; der Herzog als er sah, dass seine Sache verloren sei, schwang sich auf sein Ross, wir aber drängten uns um ihn her, doch noch wagte es keiner, den Fürsten anzutasten, denn er sah gar zu gebietend aus seinen grossen Augen auf uns herab. 'Was wollt ihr, Lumpen!' schrie er und gab seinem Hengst die Sporn, dass er sich hoch aufbäumte und drei Männer niederriss. Da erwachte unser Grimm, sie fielen seinem Ross in die Zügel, sie stachen nach ihm mit Spiessen, und ich, ich vergass mich so, dass ich ihn am Mantel packte und rief: 'Schiesst den Schelmen tot.'"
"Das warst du, Hanns?" rief Georg, und sah ihn mit scheuen Blicken an.
"Das war ich," sagte dieser langsam und ernst; "aber es ward mir dafür was mir gebührte. Der Herzog entkam uns damals und sammelte