Krone des Festes, die junge, schöne Frau Marie aufrufen, doch im ganzen Saal suchte er und Georg sie vergebens auf, und die lächelnden Frauen gestanden, dass sechs der schönsten fräulein sie entführt, und in ihre neue wohnung begleitet haben, um ihr dort, wie es die Sitte wolle, die mysteriösen Dienste einer Zofe zu erzeigen.
"Sic transit gloria mundi!" sagte der Herzog lächelnd; "und siehe, Georg, da nahen sie schon mit den fackeln, deine Gesellen und zwölf Junker, sie wollen dir 'heimzünden' Doch zuvor leere noch einen Becher mit Uns – Geh Mundschenk! bring vom Besten."
Marx Stumpf von Schweinsberg und Dieterich von Kraft naheten sich mit fackeln, und boten sich an, Georg nach haus zu geleiten. An sie schlossen sich zwölf Junker, ebenfalls mit fackeln an, um dem jungen Mann diese Ehre zu erweisen; denn so wollte es die Sitte der guten alten Zeit. Der Mundschenk goss die Becher voll, und kredenzte sie seinem Herzog und Georg von Sturmfeder.
Ulerich sah ihn lange und nicht ohne Rührung an; er drückte seine Hand und sagte:
"Du hast probe gehalten. Als ich verlassen und elend unter der Erde lag, hast du dich zu mir bekannt; als jene vierzig meine Burg übergaben und kein Stückchen Württemberg mehr mein war, bist du mir aus dem Land gefolgt, hast mich oft getröstet und auch auf diesen Tag verwiesen. bleibe mein Freund, wer weiss was die nächsten Tage bringen. Jetzt kann ich wieder Hunderten gebieten, und sie schreie: 'Hoch!' auf das Wohl meines Hauses, und doch war mir dein Trinkspruch mehr wert, den du in der Höhle ausbrachtest, und den das Echo beantwortete. Ich erwidere es jetzt und gebe es dir zurück: Sei glücklich mit deinem weib, möge dein Geschlecht auf ewige zeiten grünen und blühen; möge es Württemberg nie an Männern fehlen, so mutig im Glück, so treu im Unglück wie du!"
Der Herzog trank und eine Träne fiel in seinen Becher. Die Gäste stimmten jubelnd in seinen Ruf, die Fackelträger ordneten sich, und seine Gesellen führten Georg von Sturmfeder aus dem Schloss der Herzoge von Württemberg.
VIII
Auch aus entwölkter Höhe
Kann der zündende Donner schlagen,
Darum in deinen glücklichen Tagen
Fürchte des Unglücks tückische Nähe.
Schiller
Der Weg, den die berühmtesten Novellisten unserer Tage bei ihren Erzählungen aus alter oder neuer Zeit einschlagen, ist ohne Wegsäule zu finden, und hat ein unverrücktes, bestimmtes Ziel. Es ist die Reise des Helden zur Hochzeit. Mag sein Weg sich noch so oft krümmen, wagt er es sogar Abstecher zu machen, und in Wirtshäusern und Burgen ungebührlich lange zu verweilen, er eilt nachher um so rascheren Schrittes seinem Ziele zu, und wenn er endlich nach so vielen Leiden mit gehöriger Würde in die Brautkammer geschoben ist, pflegt der Autor dem Leser die tür vor der Nase zuzuwerfen und das Buch zu schliessen. Auch wir hätten mit dem herrlichen Reigen im schloss zu Stuttgart schliessen, oder den Leser mit dem Fackelzug des Bräutigams aus dem buch hinausbegleiten können, aber die höhere Pflicht der Wahrheit und jenes Interesse, das wir an einigen Personen dieser Historie nehmen, nötigt uns den geneigSchritte zu begleiten, und den Wendepunkt eines Schicksals zu betrachten, das in seinem Anfang unglücklich, in seinem Fortgang günstiger, durch seine eigene notwendigkeit sich wieder in die Nacht des Elends verhüllen musste.
Das Motto, womit wir diesen Abschnitt bezeichneten, ist eine Geisterstimme, die warnend durch die Weltgeschichte tönt, die von vielen vernommen, von den meisten überhört, von wenigen befolgt wurde; zu allen zeiten ging ein finsterer Geist durch das Haus der Erde, man vernahm oft sein Rauschen, man suchte es durch die Töne der Freude zu übertäuben. Ulerich von Württemberg hatte jene stimme in mancher Nacht vernommen, die er sorgenvoll auf seinem Lager durchwachte. Er glaubte das Geräusch vieler Gewappneter, und die dröhnenden Tritte eines Heeres zu vernehmen, er glaubte sie näher und näher um ihn sich lagern zu hören, und wenn er sich auch überzeugte, dass es nur die Nachtluft war, die um die Türme seines Schlosses brauste, so blieb doch eine finstere Ahnung in ihm zurück, dass sein Schicksal noch einmal sich wenden könnte. Jene Warnung des alten Ritters von Lichtenstein tönte oft in seiner Seele wider, und vergeblich strengte er sich an, die künstlichen Folgerungen seines Kanzlers sich zu wiederholen, um ein Verfahren bei sich zu entschuldigen, das ihm jetzt zum wenigsten nicht genug überdacht schien. Denn seine alten Feinde rüsteten sich mit Macht. Der Bund hatte ein neues Heer geworben und drang herab ins Land, näher und näher an das Herz von Württemberg. Die Reichsstadt Esslingen bot für diese Unternehmungen einen nur zu günstigen Stützpunkt. Sie liegt nur wenige Stunden von der Hauptstadt, beinahe mitten im land, und war, sobald das Heer des Bundes die Kommunikation mit ihr hergestellt hatte, eine furchtbare Schanze, um Ausfälle nach Württemberg zu begünstigen und zu decken. Das Landvolk nahm an vielen Orten den Bund günstig auf, denn der Herzog hatte sie durch die neue Art, wie er sich huldigen liess, ängstlich gemacht. Der Württemberger liebt von jeher das Alte und Hergebrachte. Altes Recht, alte Ordnung, sind ihm goldene Worte, wenn er auch oft nicht weiss, was sie bedeuten, und ob das Neue nicht besser ist. Seine Ruhe, die er bei anderen Zufällen des Lebens zeigt,