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glänzen, und Ihr, die Hauptperson im Stück, schauet ruhig zum Fenster hinaus, statt Euren Anzug zu besorgen?"

"Dort liegt der ganze Staat", erwiderte Georg lächelnd; "Barett und Federn, Mantel und Wams, alles aufs schönste zubereitet, aber Gott weiss, ich habe noch nicht daran gedacht, dass ich dieses Flitterwerk an mich hängen solle. Dies Wams ist mir lieber als jedes schöne neue. Ich habe es in schweren, aber dennoch glücklichen Tagen getragen."

"Ja, ja! ich kenne es wohl; das habt Ihr bei mir in Ulm getragen, und es ist mir noch wohl erinnerlich, wie Euch Berta in diesem blauen Kleid abschilderte, dass ich recht eifersüchtig ward. Aber Flitterwerk nennt Ihr die Kleider da? Ei, der Tausend! Hätte ich nur mein Leben lang solche Flitter. Ha, das weisse Gewand mit Gold gestickt, und der blaue Mantel von Samt! Kann man was Schöneres sehen? Wahrlich Ihr habt mit Umsicht ausgewählt, das mag trefflich stehen zu Euren braunen Haaren."

"Der Herzog hat mir es zugeschickt", antwortete Georg, indem er sich ankleidete, "mir wäre alles zu kostbar gewesen."

"Ist doch ein prächtiger Herr, der Herzog, und jetzt erst, seit ich einige Zeit hier bin, sehe ich ein, dass man ihm bei uns in Ulm zuviel getan hat. An einem solchen hof ist es doch was anderes als in den Städten; und Herzog von Württemberg klingt auch schöner als Bürgermeister von Ulm. Und doch möchte ich nicht in seiner Haut stecken; Ihr werdet sehen, Vetter, es geht noch einmal bergab mit ihm."

"Das ist Euer altes Lied, Herr Dieterich; erinnert Ihr Euch noch, wie Ihr damals in Ulm grosstatet mit Eurer Politika und wie Ihr regieren wolltet in Württemberg? Wie ist es denn jetzt?"

"Ist nicht alles eingetroffen", erwiderte der Ratsschreiber mit weiser Miene; "weiss noch wie heute, dass ich prophezeite die Schweizer ziehen heim, die Landschaft werden wir für uns gewinnen, und die Burgen werden wir einnehmen."

"Ja, ja! Ihr habt sie erobern helfen", lachte Georg, "seid ja in einer Sänfte zu Feld getragen worden; aber damals sagtet Ihr auch, der Herzog werde nie zurückkehren, und jetzt sitzt er ganz warm und ruhig hier."

"Nicht so ruhig als Ihr glaubt. Zwar ich wollte ihm und Euch wünschen, er behielte sein Land; uns hat es doch nichts genützt, die grossen Herren nehmen alles für sich, an unsereinen kam nichts als etwa die Ehre für den Bund geköpft zu werden; möchte es ihm wohl gönnen; aberglaubet mir, es sieht nicht so ruhig aus, als man hier meint. Die vertriebenen Räte haben von Esslingen aus an den Kaiser und das Reich geschrieben und geklagt, der Bund ist wieder auf den Beinen; bei Ulm steht schon wieder ein neues Heer."

"Gerede, nichts weiter; ich weiss gewiss, dass der Herzog sich mit Bayern versöhnen wird."

"Ja will, aber nicht versöhnen wird. Das hat noch manchen Haken. Aber was sehe ich; Ihr werdet doch nicht den alten Fetzen von einer Feldbinde zu dem stattlichen Hochzeitschmuck anlegen wollen? Pfui, das passt nicht zusammen, lieber Vetter."

Der Bräutigam betrachtete die Schärpe mit inniger Liebe. "Das verstehet Ihr nicht", sagte er, "wie gut sich dies zum Hochzeitgewande schickt. Es ist ihr erstes Geschenk; sie flocht sie heimlich bei Nacht auf ihrem Kämmerlein, als ihr die Kunde kam, dass sie bald scheiden müsse. Sie hat manche Träne hineingewoben, hat das Gewebe oft an die Lippen gedrückt, drum ward es mir eine Zauberbinde, und meinen Augen ein Trost, wenn ich im Unglück auf die Brust herniedersah. Sie darf nicht fehlen diese Binde, hat sie die Not mit mir getragen, so sei sie mir ein heiliger Schmuck am Tage des Glückes."

"Nun, wie Ihr wollt, hängt sie in Gottes Namen um, jetzt noch das Barett aufgesetzt und schnell den Mantel umgehängt, sie läuten schon das erste drüben in der Kirche. Sputet Euch, lasset das Bräutlein nicht so lange warten!"

Der Ratsschreiber stellte sich noch einmal vor den jungen Mann, und musterte mit strengen Kenneraugen seinen Anzug. Er zog dort eine Spange schärfer an, er verwischte dort eine Falte, steckte hier eine Feder höher, und immer zufriedener wurden seine Blicke. Er gestand sich, dass der grosse, schlanke junge Mann, sein schöner Kopf, die klaren mutigen Augen ganz des lieblichen Bäschens würdig sei. "Weiss Gott", sagte er, "Ihr sehet aus, Vetter, als wäret Ihr von unserem Herrgott gerade zum Hochzeiter erschaffen worden. Es ist mir lieb, dass Euch heute Berta nicht sehen kann, es möchte ihr wieder auf acht Tage schwindelnd werden, dem armen Kind! – kommt, kommt; ich fühle mich stolz, Euer Geselle zu sein; wenn ich auch vierzehn Tage zu spät nach Ulm zurückkehre." –

Georgs Wangen röteten sich, sein Herz pochte, als er sein Gemach verliess. Die Freude, die Erwartung, die Erfüllung jahrelanger Wünsche bestürmten seine Sinne, und wie trunken ging er neben Herrn Dieterich durch die Galerien. Die tür ging auf, und Marie im Glanze ihrer Schönheit stand umgeben von vielen Frauen und fräulein,