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aus der Hand wenden lassen. Haben sie ihren Eid vergessen, bei Sankt Hubertus, so ist mein Gedächtnis auch nicht länger. Tübinger Vertrag? Ich sag, der Teufel soll alles holen, was mit diesem Namen sich verknüpft!"

"Aber bedenken Euer Durchlaucht!" sprach Lichtenstein, von diesem Ausbruch der leidenschaft erschüttert, "bedenket doch, welchen Eindruck ein solcher Schritt auf das Land machen muss. Noch habt Ihr nichts als Stuttgart und die Gegend; noch liegen in Urach, Asperg, Tübingen, Göppingen, überall noch bündische Besatzungen. Wird die Landschaft Euch beistehen, den Bund zu verjagen, wenn sie hört, auf welche neue Ordnung sie huldigen solle?"

"Ich sag: ist mir die Landschaft beigestanden, als ich Württemberg mit dem rücken ansehen musste? Sie haben mich laufen lassen und dem Bund gehuldigt!"

"Vergebt mir, Herr Herzog", entgegnete der Alte mit bewegter stimme; "dem ist nicht also. Ich weiss noch wohl den Tag bei Blaubeuren. Wer hielt da zu Euch, als die Schweizer abzogen? Wer bat Euch nicht vom Land zu lassen, wer wollte Euch sein Leben opfern? Das waren achttausend Württemberger. Habt Ihr den Tag vergessen?"

"Ei, ei, Wertester!" sagte der Kanzler, dem es nicht entging, welchen mächtigen Eindruck diese Worte auf Ulerich machten. "Ei! Ihr sprechet doch auch etwas zu kühnlich. Ist übrigens jetzt auch gar nicht die Rede von damals, sondern von jetzt. Die Landschaft ist von der alten Huldigung gänzlich abgekommen, hat dem Bunde eine andere Huldigung getan; Seine Durchlaucht ist jetzt als ein neuangekommener Herr anzusehen; er hat dies Land mit Gewalt erobere; hat sich nun der Bund auf besondere Verträge huldigen lassen, so kann es der Herzog ebenso halten. Neuer Herr, neu Gesetz. Man kann sich in allewege nach eigenem Gutdünken huldigen lassen. Soll ich die Feder eintauchen, gnädiger Herr?"

"Herr Kanzler!" sagte Lichtenstein mit fester stimme, "habe alle mögliche Ehrfurcht vor Eurer Gelahrteit und Einsicht, aber was Ihr da sagt, ist grundfalsch und kein guter Rat. Jetzt gilt es zu wissen, wen das Volk liebt. Der Bund hat durch sein Walten im Land alles gegen sich aufgebracht, es war die rechte Zeit, dass Seine Durchlaucht wiederkam, jetzt fliegen ihm alle Herzen zu –; wird er sie nicht gewaltsam von sich stossen, wenn er alles Alte umreisse und nach eigener neuerer Satzung schaltet und waltet! Oh, bedenkt, bedenkt, die Liebe eines Volkes ist eine mächtige Stütze!"

Der Herzog stand mit untergeschlagenen Armen da, düster vor sich hinblickend, er antwortete nicht. Desto eifriger tat dies der Kanzler im gelben Mäntelein. "Hi, hi, hi! wo habt Ihr die schönen Sprüchlein her? Liebwerter, Hochgeschätzter! Liebe des Volkes, sagt Ihr? Schon die Römer wussten was davon zu halten sei. Seifenblasen, Seifenblasen! hätt Euch für gescheiter gehalten. Wer ist denn das Land? hier, hier steht es in persona, das ist Württemberg; dem gehört's; hat's geerbt und jetzt noch dazu erobert. Volksliebe! Aprillenwetter! wäre ihre Liebe so stark gewesen, so hätten sie nicht dem Bunde gehuldigt."

"Der Kanzler hat recht!" rief Ulerich aus seinen Gedanken erwachend. "Du magst es gut meinen, Lichtenstein. Aber er hat diesmal recht. Meine Langmut hat mich zum Land hinaufgetrieben; Jetzt bin ich wieder da; und sie sollen fühlen, dass ich Herr bin. Die Feder her, Kanzler, ich sag so will ich's; so wollen wir uns huldigen lassen!"

"O Herr! tut nichts in der ersten Hitze! wartet bis Euer Blut sich abkühlt. Rufet die Landschaft zusammen; machet Änderungen nach Eurem Sinne, nur jetzt nicht, nur nicht solange der Bund noch Land besitzt in Württemberg; es könnte Euch schaden bei den übrigen. Gestattet nur noch eine kurze Frist. –"

"So?" unterbrach ihn der Kanzler, "dass man dann alsgemach wieder in das alte Wesen hineinkommt. Gebt acht, wenn die Landschaft erst beisammen ist, wenn sie sich erst zusammen beraten, meinet Ihr, da werden sie so gutwillig nachgeben. Hi! hi! da wird man Gewalt anwenden müssen, und das macht erst verhasst. Schmiedet das Eisen, solange es warm ist. Oder gelüstet Euer Durchlaucht wieder ganz gehorsamlich unter das alte Joch zu stehen, und den Karren zu ziehen?"

Der Herzog antwortete nicht. Er riss mit einer hastigen Bewegung Feder und Pergament dem Kanzler aus der Hand, warf einen schnellen durchdringenden blick auf ihn und den Ritter, und ehe noch dieser es verhindern konnte, hatte Ulerich seinen Namen unterzeichnet. Der Ritter stand in stummer Bestürzung; er senkte bekümmert das Haupt auf die Brust herab. Der Kanzler blickte triumphierend auf den Ritter und den Herzog. Doch dieser ergriff eine silberne Glocke, die auf dem Tisch stunde, und klingelte. Ein Diener erschien und fragte nach seinem Befehl.

"Ist die Bürgerschaft versammelt?" fragte er.

"Ja, Euer Durchlaucht! auf den Wiesen gegen Cannstatt sind sie versammelt. Amt und Stadt; die Landsknechte rücken soeben aus; sechs Fähnlein."

"Die Landsknechte? wer gab die Erlaubnis?"

Der Kanzler zitterte vor dem Ton dieser Frage. "Es ist nur wegen der Ordnung", sagte er