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auf ihrem Posten.

"Ich sag, wir haben zu tun", fuhr der Herzog fort; "was schaust du nur immer nach dem rosenfarbenen Menschenkind; das ist ein verstockter Sünder; das Schwert wird schon für ihn gewetzt."

"Euer Durchlaucht erlauben mir nur ein Wort", entgegnete Georg. "Ich kenne jenen Mann und wollte mich mit Hab und Gut für ihn verbürgen, dass er ein friedlicher Mann ist und gewiss kein Verbrecher, der den Tod verdiente."

"Bei Sankt Hubertus, das ist kühn! Die natur hat sich geändert. Mein Kanzler, der treffliche Jurist, hat sich aufgeputzt wie ein junger Krieger und mein junger Krieger dort will den Advokaten machen! Was sagt Ihr dazu, Ambrosius Volland?"

"Hi, hi! ich habe Euer Durchlaucht durch meine person Spass machen wollen; weiss aus früherer Zeit, dass Ihr einen kleinen Scherz liebt; nun, der liebe, gute Sturmfeder will die Lustbarkeit vermehren und den Juristen spielen. Hi, hi, hi! wird ihm aber nichts helfen, dem Rosenfarbenen. Majestätsverbrechen! wird halt doch geköpft, der im Mäntelein."

"Herr Kanzler!" rief der Jüngling vor Unmut glühend. "Der Herr Herzog wird mir bezeugen können, dass ich mich nie zum Schalksnarren hergegeben habe. Diese Rolle mache ich andern nicht streitig. Und mit Menschenleben spiele und scherze ich nie!

Es ist mein wahrer Ernst, ich verbürge mich mit meinem Leben für gegenwärtigen edlen von Kraft, Ratsschreiber in Ulm. Ich hoffe, meine Bürgschaft kann angenommen werden."

"Wie?" sagte Ulerich, "das ist wohl der zierliche Herr, dein Gastfreund, von dem du mir so oft erzähltest? Tut mir leid um ihn, aber er wurde in einem Aufruhr unter sehr gefährlichen Umständen gefangen!"

"Freilich!" krächzte Ambrosius, "ein crimen laesae majestatis!"

"Erlaubet Herr! ich habe die Rechte lange genug studiert, um zu wissen, dass hier durchaus nicht von einem solchen Verbrechen die Rede sein kann. Gestern nacht waren die Bundesräte und der Stattalter noch hier; folglich war Stuttgart noch in Gewalt des Bundes, und der Ratsschreiber, der durchaus kein Untertan Seiner Durchlaucht ist, hat nicht anders gehandelt, als jeder bündische Soldat, der auf Befehl seines Oberen gegen uns zu feld zog."

"Ei, die Jugend, die Jugend! wie Ihr alles überhaspelt, junger, sehr wertgeschätzter Freund! Sobald der Herzog die Stadt aufgefordert hatte, und den animum possidendi hatte, war auch alles, was in den Mauern sich befand, sein. Folglich wer eine Verschwörung gegen ihn anzettelte, ist ein Majestätsverbrecher. Besagter Herr von Kraft aber hat schrecklich gefährliche Reden an das Volk gehalten."

"Nicht möglich; es wäre ganz gegen seine Art und Weise! Herr Herzog! das kann nicht sein!"

"Georg!" sagte dieser ernst, "wir haben lange Geduld gehabt, dich anzuhören. Es hilft deinem Freunde doch nichts. Hier liegt das Protokoll; der Kanzler hat, ehe ich kam, ein Zeugenverhör angestellt, worin alles sonnenklar bewiesen ist. Wir müssen ein Exempel statuieren! Wir müssen unsere Feinde recht ins Herz hinein verwunden, der Kanzler hat ganz recht, darum kann ich keine Gnade geben."

"So erlaubt mir nur noch eine Frage an ihn und die Zeugen, nur ein paar Worte."

"Ist gegen alle Form Rechtens", fiel der Kanzler ein; "ich muss dagegen protestieren, Lieber; es ist ein Eingriff in mein Amt."

"Lass ihn, Ambrosius; mag er meinetwegen noch ein paar fragen an den armen Sünder tun, er ist doch verloren."

"Dieterich von Kraft", fragte Georg, "wie kommt Ihr hieher?"

Der arme Ratsschreiber, den der Tod schon an der Kehle gefasst hatte, verdrehte die Augen und seine Zähne schlugen aneinander; endlich konnte er einige Worte herausstossen: "Bin hieher geschickt worden vom Rat, wurde Schreiber beim Stattalter –"

"Wie kamet Ihr gestern nacht zu den Bürgern von Stuttgart?"

"Der Stattalter befahl mir abends, wenn etwa die Bürger sich aufrührerisch zeigten, sie anzureden und zu ihrer Pflicht und Eid zu verweisen."

"Ihr sehet, er kam also auf höheren Befehl dortin; wer nahm Euch gefangen?" fuhr Georg zu fragen fort.

"Der Mann, der neben Euch steht."

"Ihr habt diesen Herrn gefangen? also müsst Ihr auch gehört haben, was er sprach? was sagte er denn?"

"Ja, was wird er gesagt haben", antwortete der Bürger, "er hat keine sechs Worte gesprochen, so warf ihn der Bürgermeister Hartmann von der Bank herunter; ich weiss noch, er hat gesagt: 'Aber bedenket, ihr Leute, was wird der durchlauchtigste Bundesrat dazu sagen!' Das war alles, da nahm ihn der Hartmann beim Kragen und warf ihn herunter. Aber dort der Doktor Calmus, der hielt eine längere Rede."

Der Herzog lachte, dass das Gemach dröhnte und sah bald Georg, bald den Kanzler an, der ganz bleich und verstört sich umsonst bemühte, sein Lächeln beizubehalten. "Das war also die gefährliche Rede, das Majestätsverbrechen? 'Was wird der Bundesrat dazu sagen!' Armer Kraft! wegen dieses kraftvollen Sprüchleins verfielst du beinahe dem Scharfrichter. Nun, das haben selbst unsere Freunde oft gesagt: 'Was