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Ansehen eigener Städte bekommen hatten; aber noch standen die Ringmauern und Tore der Altstadt, und ihre Bürger sahen nicht ohne Stolz herab auf die Vorstädtler. Der Marktplatz war es, wo nach alter Sitte bei jeder besonderen gelegenheit die Bürger sich versammelten; auch an dem wichtigen Abend vor Mariä Himmelfahrt strömten sie dortin zusammen. Zur Zeit, wo der Bürger noch mit der Wehre an der Seite auftreten durfte, hatte sein öffentlich gesprochenes Wort auch mehr zu bedeuten als in späteren Tagen, wo Tinte, Feder und Papier die Oberhand gewannen. Und wahrlich, die Bürger von Stuttgart waren bei Nacht und in massen versammelt ganz andere Leute als morgens. Mancher, der, hätte man ihn vormittags um seine Meinung wegen des Herzogs gefragt, antwortete: "Was geht es mich an, bin ein friedlicher Bürgersmann", erhob jetzt seine stimme und schrie: "Wir wollen dem Herzog die Tore öffnen, fort mit den Bündischenwer ist ein guter Württemberger?"

Der Mond schien hell auf die versammelte Menge herab, die unruhig hin und her wogte. Ein verworrenes Gemurmel drang von ihnen in die Lüfte; noch schienen sie unschlüssig, vielleicht weil keiner kühn genug war, sich an die Spitze zu stellen. Aus den hohen Giebelhäusern, die den Platz einschlossen, schauten viele hundert Köpfe auf den Markt hernieder; es waren die Weiber und Töchter der Versammelten, die ängstlich und gespannt auf das Gemurmel lauschten. Denn die Stuttgarter Mädchen waren damals ein neugieriges Völkchen und hielten es im Herzen aus Mitleiden mit dem Herzog.

Schon wurde das Murmeln der Menge immer lauter und verständlicher; der Ruf: "Wir wollen die Knechte vom Tor wegjagen und die Stadt dem Herzog auftun", immer deutlicher, da sah man einen langen, hageren Mann auf eine Bank am Brunnen springen, wo er die ganze Menge überragte. Er focht mit ungeheuer langen Armen in der Luft umher, tat einen weiten Mund auf und schrie mit heiserer stimme um Gehör. Es wurde nach und nach stiller auf dem Platz, man vernahm einzelne Worte aus seiner Rede: "Was? die ehrsamen Bürger von Stuttgart wollen ihren Eid brechenhabt ihr nicht dem Bunde geschworen? Wem wollet ihr die Tore öffnen? Dem Herzog? Er kommt mit ganz geringer Mannschaft, denn er hat ja kein Geld, um Leute zu bezahlen und da müsset dann ihr wieder den Beutel auftun und blechen! Da wird's heissen, Stuttgart zahlt zehntausend Gulden, weil es von uns abgefallen ist. Hört ihr? zehntausend Gulden sollt ihr zahlen!"

"Wer ist denn der lange Kerl?" fragten sich die Männer. – "Er hat nicht unrechtwerden tüchtig zahlen müssen. – Ist er ein Bürger, der da oben? Wer seid Ihr", rief einer der Kühnsten; "woher wollt Ihr wissen, was wir zahlen müssen?"

"Ich bin der berühmte Doktor Calmus", sprach der Redner mit feierlicher stimme, "und weiss das ganz genau. Und wen wollt ihr vertreiben? Den Kaiser, das Reich, den Bund; so viele reiche Herren wollt ihr vor den Kopf stossen? und warum? wegen dem Utz, der euch das Fell über die Ohren zieht; denkt nur an das geringere Gewicht, an die harten Jagdfrevel. Jetzt hat er gar kein Geld mehr; er ist ein Lump, hat alles verspielt in Mömpelgard –"

"Halt Er sein Maul", schrieen die Bürger, "was geht das Ihn an, Er ist kein hiesiger Bürger, fort mit dem Kahlmäuserschlagt ihn totwerft ihn als fisch in den Brunnender Herzog soll leben!"

Doktor Calmus erhob noch einmal seine stimme, aber die Bürger überschrieen ihn. In diesem Augenblick kam ein neuer Trupp Bürger aus der obern Vorstadt herabgesprungen. "Der Herzog ist vor dem Rotenbildtor", riefen sie, "mit Reiter- und Fussvolk. Wo ist der Stattalter? wo sind die Bundesräte? Er will in die Stadt schiessen, wenn man nicht aufmacht! – Fort mit den Bündischenwer ist gut württembergisch?"

Der Tumult wuchs von Sekunde zu Sekunde. Die Bürger schienen noch unschlüssig, da bestieg ein neuer Redner die Bank; es war ein feiner Herr, der durch sein schmuckes Äussere einen Augenblick den Bürgern imponierte: "Bedenket ihr Männer", rief er mit feiner stimme, "was wird der durchlauchtige Bundesrat dazu sagen, wenn ihr –"

"Was scheren wir uns um den Durchlauchtigen!" überschrie man ihn, "fort! reisst ihn herab mit dem rosenfarbenen Mäntelein und dem glatten Haardas ist ein Ulmer! fort mit ihmauf ihn, er ist von Ulm!"

Aber ehe sie noch diesen Entschluss ausführten, trat ein kräftiger Mann hinauf, warf mit einem Schlag den Doktor rechts und den Ulmer mit dem rosenfarbenen Mäntelein links von der Bank, und winkte mit der Mütze in die Luft. "Still! das ist der Hartmann", flüsterten die Bürger, "der versteht's, hört was er spricht."

"Höret mich!" sprach dieser; "der Stattalter und die Bundesräte sind nirgends zu finden, sie sind entflohen und haben uns im Stich gelassen, drum greifet diese beiden da, wir wollen sie als Geiseln behalten. Und jetzt hinauf ans Rotenbildtor. Dort steht unser rechter Herzog, 's ist besser wir machen selbst auf, als dass er mit Gewalt eindringt, wer ein guter