Goldgülden und die vier Maaz haben wir ja doch, und daz bleibt die Hauptzache."
"Dat meen ich ooch! und dat haben wer dem langen Peter tu verdanken. Er soll leben!"
"Dank' schön! aber daz zag ich, der Herr wird dem Bund aufzünden, Mordblei! wenn der erst ein Schwert in die Hand nimmt, der jagt die Städtler allein auz dem Land! Und zeine Räte und Kanzler und die Landschaft! Habt ihr gehört, wie greulich er über die geflucht hat? Ich möchte in keinez Haut stecken."
Das Wirbeln der Trommeln unterbrach das Gespräch dieser tapferen Krieger; diese Töne erschollen nicht mehr auf ihren Befehl, aber der lange Peter war in seinen vielen Feldzügen so sehr an den Wechsel von Glück und Unglück, von Hoheit und Niedrigkeit gewöhnt worden, dass er über den Sturz seines Regiments nicht trauerte. Gelassen nahm er die Hahnenfeder von dem grossen Hut, legte die rote Schärpe und den langen Hieber, die Zeichen seiner Würde ab und ergriff eine Hellebarde. "Gott straf mein Zeel, ez ist schwer für einen Kerl wie ich, zwölf Fähnlein zu regieren", sagte er, als er sich wieder als guter Landsknecht in die Reihen seiner Kameraden stellte. "Aber bei Sankt Petruz, dem trefflichen Landsknecht – er muss jetzt auch Oberst zein in den himmlischen Heerscharen Kyrie Eleizon! – der Mensch muss allez probieren auf Erden." Die Landsknechte schüttelten ihm die Hand und bestätigten es; es tat seinem tapferen Herzen wohl, zu hören, er habe sein Kommando trefflich verwaltet. Die drei Ritter, ihre Anführer, sassen auf und stellten sich zu ihren Fähnlein, die Landsknechte richteten sich in gewohnter Ordnung zum Marsch und Ludwig von Gemmingen liess die Trommeln rühren zum Aufbruch.
III
Erstiegen ist der Wall, wir sind im Lager!
Jetzt werft die Hülle der verschwiegnen Nacht
Von euch, die euren stillen Zug verhehlte,
Und macht dem Feinde eure Schreckensnähe
Durch lauten Schlachtruf kund –
Schiller
Es war in der Nacht vor Mariä Himmelfahrt, als Herzog Ulerich vor dem Rotenbildtor in Stuttgart anlangte. Er hatte auf seinem zug schnell das Städtchen Leonberg erobert und war dann unaufhaltsam immer weiter gedrungen. Vieles Volk lief zu, denn wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht verbreitet, dass der Herzog wieder im land sei. Jetzt erst zeigte es sich, wie wenig Freunde der Bund sich erworben hatte; denn überall wurde die Freude laut, dass das gehässige Regiment des Bundes ein Ende habe, dass das angestammte Fürstenhaus wieder in seine alten Rechte sich einsetze.
Auch nach Stuttgart war bald diese Nachricht vorgedrungen und hatte die verschiedensten Empfindungen dort erregt. Der Adel, der sich in der Stadt befand, wusste nicht, was er sich vom Herzog zu versehen hatte; die Übergabe von Tübingen war noch in zu frischem Gedächtnis, als dass er ganz unbesorgt gewesen wäre. Aber die Erinnerung an den glänzenden Hof Ulerichs von Württemberg, an die fröhlichen Tage, die sie dort verlebt hatten, die Vergleichung dieser Zeit mit dem freudenlosen Leben der Bundesräte mochte sie günstig für den Herzog stimmen, wenn auch mancher Ursache hatte, seine Wiederkehr nicht gerade herbeizuwünschen. Die Bürgerschaft konnte ihre Freude über diese Nachrichten kaum verbergen; sie verliessen ihre Häuser, traten haufenweise auf den Strassen zusammen und besprachen sich über die Dinge, die ihrer warteten. Sie schimpften leise aber weidlich auf den Bund, ballten grimmig ihre Fäuste in der tasche, und waren überaus patriotisch gesinnt. Sie erinnerten sich der erlauchten Ahnen des vertriebenen Fürsten, es war sein Name Württemberg, den auch sie trugen, sie zählten so manchen wackeren Herrn aus der Familie auf, unter welchem sie und ihre Väter glücklich gelebt, der Württembergs Namen berühmt gemacht hatte. Auch der Gedanke tat ihnen wohl, dass von ihrer Entscheidung für den einen oder den andern teil so viel abhänge, weil man im ganzen land auf die Stuttgarter sehe. Sie waren zwar weit entfernt gegen die bündische Besatzung auf ihre eigene Faust einen Aufruhr zu unternehmen, aber sie sprachen zueinander: "Gevatter, wart nur, bis es Nacht wird; da wollen wir den Reichsstädtlern zeigen, wo sie her sind, wir Stuttgarter."
Dem bündischen Stattalter, Christoph von Schwarzenburg entging diese Bewegung unter den Bürgern nicht. Zu spät sah er ein, wie töricht man getan habe, das Heer zu entlassen. Er wandte sich an die Bundesstände, die noch zu Nördlingen versammelt waren und begehrte hülfe, aber er selbst gab die Hoffnung auf, Stuttgart so lange halten zu können, bis ein neues Heer im Feld erschienen sei. Er traf zwar einige Anstalten zur Gegenwehr, aber die Blitzesschnelle, mit welcher der Herzog erschien, vereitelte alle seine Bemühungen. Als er sah, dass er den Bürgern nicht trauen könne, dass ihm der Adel nicht beistehe, dass die Besatzung nicht einmal zur Sicherung der Tore hinreiche entwich er bei Nacht und Nebel mit den Bundesräten nach Esslingen. Ihre Flucht war so eilig und geheim, dass sie sogar ihre Familien zurückliessen und niemand in der Stadt ahnte, dass der Stattalter und die Räte nicht mehr in den Mauern seien. Daher waren die Anhänger des Bundes noch immer getrosten Mutes, und glaubten nicht an die Gerüchte von der schnellen Annäherung des Herzogs.
Der Marktplatz war damals noch das Herz der Stadt Stuttgart; zwar hatten sich schon zwei grosse Vorstädte, die Sankt Leonhards- und die Turnierakker-Vorstadt um sie gelagert, welche mit Graben, Mauern und starken Toren versehen, das