ist holt, sog ich, weil er den gonzen Sommer g'stonden ist in Mömpelgard beim Herzog."
Die Männer belächelten den Witz des Wieners, doch hüteten sie sich, ihre Freude laut werden zu lassen, denn der Ritter hielt nicht allzu ferne. Noch immer machte er aber keine Miene, abzusteigen und sich ihnen zu nahen; er sprach mit dem Knecht, schlug dann das Visier auf und zeigte ein schönes freundliches Gesicht. "Steht dort nicht Hanns der Spielmann?" rief er mir lauter stimme. "Erlaubet, dass er ein wenig zu mir trete."
Der Oberst nickte dem Pfeifer zu, er ging und der Junker schwang sich vom Pferde. "Willkommen in Württemberg, edler Herr", rief der Mann von Hardt, indem er den Handschlag des Junkers treuherzig erwiderte. "Bringt Ihr gute Botschaft? ich sehe's Euch an den Augen an, es steht gut mit dem Herzog."
"Komm! tritt hier ein wenig auf die Seite", sagte Georg von Sturmfeder mit freudiger Hast. "Wie steht es auf Lichtenstein? denkt sie an mich? hast du einen Brief, ein paar Zeilen? o gib schnell! was lässt sie mir sagen, guter Hanns?"
Der Pfeifer lächelte schlau über die Ungeduld des liebenden Jünglings "Einen Brief hab ich nicht; keine Zeile. Sie ist gesund und der alte Herr auch; das ist alles was ich weiss."
"Wie!" unterbrach ihn Georg; "keinen Gruss? keine Botschaft? So hat sie dich gewiss nicht ziehen lassen!"
"Als ich vorgestern Abschied nahm, sagte das fräulein: 'Sag ihm, er soll sich sputen, dass er einziehet in Stuttgart,' sie wurde geradeso rot wie Ihr jetzt, als sie dies sprach."
Der junge Mann errötete voll freudiger Gefühle, sein Auge glänzte und ein freundliches Lächeln zeigte, dass er den Sinn dieser Worte verstanden habe.
"Bald, bald werden wir einziehen, so Gott will", sagte er. "Aber wie lebten sie diesen langen Sommer; nur dreimal kam uns Botschaft von ihnen zu! Warst du oft auf Lichtenstein, Hanns? War sie traurig? was sprach sie?"
"Lieber Herr", antwortete der Mann von Hardt, "geduldet Euch noch, auf dem Marsch will ich Euch ein langes und breites erzählen, für jetzt nur so viel: sobald der Alte hört, dass Ihr auf Stuttgart ziehet, will er von Lichtenstein aufbrechen und Euch die Braut zuführen. Denn er zweifelt nicht, dass Ihr die Stadt überwältiget. Habt Ihr Heimsheim?"
"Wir haben es; ich jagte mit zwölf Reitern in die Tore, ehe sie sich's versahen. Die Besatzung war zwar etwas stärker, als wir, aber mutlos und unzufrieden. Ich handelte mit ihnen in des Herzogs Namen, da glaubten sie, er liege mit vielen Truppen noch im Hinterhalt und ergaben sich. So weit wären wir nun in Württemberg, aber wie ist der Weg weiterhin?"
"Offen, bis ins Herz offen. Ich bringe Euch wichtige Nachricht vom Ritter von Lichtenstein, dass die gewaltigen Herren aus dem land sind, wisset Ihr –"
"Sie halten einen Bundestag in Nördlingen40, ist's nicht so? freilich wissen wir's, denn auf diese Nachricht, brach der Herzog aus Baden auf."
"Nun, und wenn die Katzen fort sind, tanzen die Mäuse auf dem Tisch! Die Besatzungen sind überall unbesorgt; an den Herzog denkt kein Bündler mehr, sie sind nur aufmerksam auf den Bundestag, welchen Herrn wir bekommen werden; den Österreicher, den Bayer, den Prinzen Christophel oder ob uns der Städtebund, Augsburg und Aalen, Nürnberg und Bopfingen regieren werde."
"Welche Augen sie machen werden", rief Georg lächelnd, "wenn der Stuhl schon besetzt ist, um welchen sie streiten!
'Der Frosch hüpft wieder in sein Pfuhl,
Wenn er auch säss auf einem goldnen Stuhl',
sagt's Sprichwort; sie werden ihre Büchsen auf die Schulter nehmen und 's Regieren sein lassen."
"Und die Württemberger? wie denken sie jetzt vom Herzog? glaubst du, er wird viel Anhang finden? Werden sie uns zu hülfe ziehen?"
"Was Bürger und Bauern sind, ja. Von der Ritterschaft weiss ich's nicht und der alte Herr zuckte die Achsel, wenn ich ihn fragte und murmelte ein paar Flüche. Ich fürchte, es steht hier nicht alles, wie es soll. Aber Bürger und Bauern, die sind für den Herzog. Es sind allerlei sonderbare Zeichen geschehen, die das Volk aufmuntern. So ist neulich im Remstal ein Stein vom Himmel gefallen, drauf war ein Hirschgeweih eingegraben und die Worte: 'Hie gut Württemberg allweg' und auf der andern Seite soll man auf lateinisch gelesen haben: 'Herzog Ulerich soll leben!' "41
"Vom Himmel gefallen, sagst du?"
"So sagt man. Die Bauern hatten grosse Freude dran, aber die bündischen Herren wurden zornig, nahmen die Schulzen gefangen und wollten ihnen abpressen, woher der Stein des Anstosses komme. Und als man bei hoher Strafe verbot, vom Herzog zu sprechen, da lachten die Männer und sagten, jetzt träumen wir von ihm. Alles wünscht ihn zurück, denn sie wollen sich lieber von ihrem anerkannten Herrn drücken als von Fremden die Haut abziehen lassen."
"