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erfahren, dass jener schon in Paris angehalten und über die Flucht der Donna zur Rede gestellt worden sei; er konnte sich also denken, dass sie ihm nachreisen werde, und dennoch knüpfte er die Liebe zu Luisen von neuem an. Ferner, wie hätte es Ines wagen können, ihm zu folgen, wenn er ihr nicht versprochen hätte, sie zu heiraten, wenn er sie nicht durch tausend Vorspiegelungen aus ihrem ruhigen Leben herausgelockt und zur Abenteurerin gemacht hätte?

Er schilderte mir nun ein Gewebe von unglücklichen Verhältnissen, in welche ihn diese Frau, die mit allen Kardinälen, namentlich mit Pater Rocco, schnell bekannt geworden, geführt habe. Es wurde ernstlich an der Auflösung ihrer früheren Ehe gearbeitet, und es war als bekannt angenommen worden, dass er die Geschiedene heiraten werde.

'Sie sagten mir hier nichts Neues', antwortete ich ihm; 'dies alles beinahe wusste ich vorher. Aber ich hoffe, dass Sie als Mann von Ehre einsehen werden, dass das Verhältnis zu fräulein von Palden nicht fortdauern kann, oder Sie müssen sich von der Spanierin lossagen.'

Das letztere könne er nicht, sagte er, er habe von ihr und dem Kardinal Rocco Vorschüsse empfangen, die sein Vermögen übersteigen, er könne also wenigstens im Augenblick keinen entscheidenden Schritt tun.

'Im Augenblick heisst hier nie', erwiderte ich ihm. 'Sie werden sich aus diesen Banden, wenn sie so beschaffen sind, nie mit Anstand losmachen können. Ich halte es also für Ihre heiligste Pflicht, Luisen nicht noch unglücklicher zu machen; denn was kann endlich das Ziel Ihrer Bestrebungen sein?'

Er errötete und meinte, ich halte ihn für schlechter als er sei. Doch er fühle selbst, dass man einen Schritt tun müsse. Er glaube aber, es sei dies meine Sache. Er trete mir Luisen ab, ich solle mir auf jede Art ihre Gunst zu erwerben suchen und sie glücklich machen. Er hatte Tränen in den Augen, als er dies sagte, und ich sah mit beinahe zu mitleidigen Augen, wie weit ein Mensch durch Leichtsinn kommen könne.

Ich ging um nichts weiser geworden, ohne dass ein wirklicher Entschluss gefasst worden war, von dem Kapitän; mein Gefühl war eine Mischung von Verachtung und Bedauern. Auf der Treppe begegnete mir wieder der schöne Knabe und fragte, ob er wohl jetzt zu Papa kommen dürfte."

"Ha! und jetzt setzten Sie wohl alle Segel auf, Freundchen", fragte ich; "jetzt machten Sie wohl Jagd auf die schöne Galeere Luise?"

"Ja und nein", antwortete er trübe; "sie schien meine Liebe zu übersehen, nicht zu achten, aber bald bemerkte ich, dass sie ängstlicher wurde in meiner Nähe, es schmerzte sie, dass mir ihre Freundschaft nicht genügen wolle. Und jener Elende, sei es aus Bosheit oder Leichtsinn, zog sich nicht von ihr zurück, ich vermute es sogar, er hat sie vor mir gewarnt. So standen die Sachen, als die Zeit, die ich in Rom zubringen sollte, bald zu Ende ging. Im Kabinett des Gesandten arbeitete man schon an Memoiren, die man mir nach Berlin mitgeben wollte, man wunderte sich, dass ich noch keine Abschiedsbesuche macheund ich, ich lebte in dumpfem Hinbrüten, ich sah nicht ein, wie ich dieser Reise entfliehen konnte, und dennoch hielt ich es nicht für möglich, Luisen zu verlassen, jetzt da ihr vielleicht bald der schrecklichste Schlag bevorstand. Oft war ich auf dem Punkt, ihr alles, alles zu entdecken, aber wie war es mir möglich, ihre himmlische Ruhe zu zerstören, das Herz zu brechen, das ich so gerne glücklich gewusst hätte?

Da stürzte eines Morgens der Kapitän West in mein Zimmer; er war bleich, verstört, es dauerte eine lange Zeit, bis er sich fassen und sprechen konnte. 'Jetzt ist alles aus', rief er, 'sie stirbt, sie muss sterben, dieser Kummer wird sie zerschmettern!' Er gestand, dass Donna Ines oder der Kardinal Rocco seine Liebe zu Luisen entdeckt hätten, ihr schrieben sie sein Zögern, sein Schwanken zu, und der Kardinal hatte geschworen, er wolle an diesem Tage zu dem deutschen fräulein gehen, und sie zur Rede stellen, wie sie es wagen könne, einen Mann, der schon so gut als verehelicht sei, von seinen Pflichten zurückzuhalten.

Ich kannte diesen Priester und seine tückische Arglist; ich erkannte, dass die Geliebte verloren sei. Ich weiss Ihnen von dieser Stunde, von diesem Tag wenig mehr zu erzählen. Ich weiss nur, dass ich den Kapitän in kalter Wut zur tür hinausschob, mich schnell in die Kleider warf, und wie ein gejagtes wild durch die Strassen dem haus der Signora Campoco zulief. Als ich unten an dieser Strasse anlangte, sah ich einen Kardinal sich demselben haus nähern. Er schritt stolz einher, Frater Piccolo trug ihm den Mantel, es war kein Zweifel, es war Rocco. Ich setzte meine letzten Kräfte daran, ich rannte wie ein Wahnsinniger auf ihn zu, dochich kam eben an, als mir Piccolo mit teuflischem Lächeln die tür vor der Nase zuwarf.

Eine Art von Instinkt trieb mich, all diesem Jammer zu entfliehen. Ich ging wie ich war zu dem Gesandten und sagte ihm, dass ich noch in dieser Stunde abreisen werde. Er war es zufrieden, gab mir seine Aufträge, und bald hatte ich die heilige