; bist du nicht gerührt von so vieler Liebe?"
"Nicht verhehlen kann ich es Euch, mein Sohn", fuhr der beredte Mann mit dem roten hut fort, "nicht verhehlen kann ich es Euch, dass man im Lateran noch heute von Euch sprach, dass es sogar Seiner Heiligkeit selbst auffällt, dass Ihr so lange zögert. Bis über acht Tage naht ein grosses fest heran, welch herrliche gelegenheit, etwas zu Gottes Ehre zu tun bietet sich Euch dar!"
"Wozu doch diese Öffentlichkeit?" fragte .... , "ich hasse dieses Rühmen und Ausschreien in alle Welt. Lasset mich still in einer Kapelle die Zeremonie verrichten; was nützt es Euch, ob ich laut und offen das Opfer bringe. O Luise, Luise. Es tötet sie, wenn sie es hört!"
"Elender!" rief die Dame, indem sie in Tränen ausbrach; "sind das deine Schwüre? Du falsches Herz; ich habe dir alles, alles geopfert, und so kannst du vergelten? O Barbar! gehe hin zu ihr, lege dich nieder in ihre Fesseln, aber wisse, dass ich mich in die Tiber stürze, über meine armen Würmer, meine unglücklichen Kinder mag sich Gott erbarmen!"
"Kinder, Kinder! Meine fromme Tochter, mein lieber, aber verblendeter Sohn; wozu dieser Skandal, diese Szene auf dem Schiffe; stillet Eure Tränen, schöne Frau; es wird noch alles gut werden; kommet, ich will einen väterlichen Kuss auf Eure Augen drükken, so. Und Ihr, wisset Ihr nicht, dass Ihr Euch versündiget gegen Donna Ines? Was wollet Ihr nur immer wieder mit der Ketzerin, die einst Eure Sinnen zu bestricken wusste? Haben wir Euch nicht Beweise genug gegeben, dass sie in einem strafwürdigen Verhältnis zu dem Teufel ist, der Eure Gestalt und Sprache angenommen hat?"
"Welch einfältiges Märchen!" rief der junge Mann; "was wollet Ihr auch den Teufel ins Spiel ziehen, ein ehrlicher Berliner ist er, ein Tropf, dem ich das Mädchen nicht gönnen mag, wenn sie mich auch zehnmal betrog?"
"Mein Sohn, die Heilige Jungfrau schütze uns, aber der Satan selbst ist es; hat es nicht letztin meinem dienenden Frater Piccolo geträumt, der Teufel gehe hier in der heiligen Stadt spazieren? Alle seine Träume sind noch eingetroffen; der deutsche Baron ist der höllische Geist selbst. Wer es aber auch sei; sie hat Euch betrogen. Hat nicht die fromme Frau Maria Campoco Euch selbst dieses Geständnis über ihre Nichte gemacht? was wollet Ihr nur auf die treulose Ketzerin Rücksicht nehmen! – Und schaut, was ich Euch hier mitgebracht habe", fuhr Seine Eminenz fort, indem sie ein grosses Papier entfaltete; "sehet wie ich Wort halte; ich habe Euch versprochen, die Liste aller derer mitzubringen, welche in Eurem Deutschland öffentliche Ketzer, im geheim aber gute Christen der wahren Kirche sind; da, leset!"
Der junge Mann las und staunte; er sah den Kardinal fragend an, ob er denn wirklich dieser Schrift trauen dürfe? Donna Ines, welche bemerkte, welch günstigen Eindruck diese Liste mache, zog die Hand des heiligen Mannes an den Mund, und bedeckte sie mit feurigen Küssen der Andacht.
"Nicht wahr", fuhr Rocco fort, "da stehen wohlklingende Namen? Professoren, Grafen, Fürsten sogar, freilich diese Leute können nicht so öffentlich sich erklären, Freundchen, die Politik, die Rücksicht auf ihre ketzerischen Untertanen erlaubt das nicht; aber im Herzen, im Herzen sind sie unser; da, dieser Nr. 8, ich kann Eure barbarischen Namen nicht aussprechen, der wird sich sogar öffentlich erklären und seine Irrtümer abschwören. Der da oben wird auch einen wichtigen Schritt vorwärts tun. Oh! und bedenket, was erst in Frankreich, selbst in England für uns getan wird, bald, vielleicht erlebe ich es noch, bald werdet ihr allesamt und sonders zu uns zurückgekehrt sein. Wie herrlich muss dann ein Name wie der Eurige leuchten, der nicht mit der Menge, sondern lang zuvor auf unsere heiligen Tafeln verzeichnet wurde!"
"Aber o Himmel, Kardinal! ich bin ja schlechter als die ganze Liste dieser Heimlichen. Ihr selbst wisset, dass, wenn ich zu Eurer Kirche abfalle, es nur geschieht, um den ewigen Klagen der Donna Ines zu entgehen. Diese Heimlichen haben keinen Vorteil bei ihrer Heimlichkeit. Sie gelten von aussen als echte Luteraner, und was haben sie davon, dass sie von innen römisch sind?"
"O Einfalt! es ist gut, dass Ihr nicht die ketzerische Teologie studiert habt; Ihr wäret durch das Examen gefallen! Was ist denn das Schöne an unserer Kirche? he? Nicht nur dass sie die Alleinseligmachende, dass sie gleichsam eine Brandversicherungsanstalt gegen die Hölle, eine Seelenassekuranz gegen den Tod ist! denn schon aus physischen Gründen kann man annehmen, dass keine Seele von den Unsrigen lange im Fegfeuer oder gar in der Hölle verweilt, wenn sie auch ohne beichte abfährt. Antonio Montani hat berechnet, dass im Durchschnitt hundertundzwanzig Millionen Menschen in der Hölle und ebenso viele im Fegfeuer sind. Nun kann man annehmen, dass seit Eurer verfluchten Reformation neunzig Millionen Ketzer, zwanzig Millionen Türken und zehn Millionen Juden hinabgefahren sind; das macht zusammen hundertundzwanzig."
"O wie gut haben wir es, hochwürdiger Herr!" sagte Ines mit zauberischem Lächeln. "Ach