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andere, die von einer Entführung oder von beiden sprachen, kurz man bemerkte, dass Herr v...., so hiess der Offizier, seiner Dame ungetreu geworden sei. Um diese Zeit starb der alte Herr von Palden. Seine erste Frau war eine Römerin, das fräulein entschloss sich auf einmal, zu grosser Verwunderung der Stadt ....t zu ihren Verwandten nach Rom zu ziehen.

So viel wusste die Schwester des Gesandten von Luisen. Es war mir genug, um ihr Verhältnis zu ..... ganz in der Ordnung zu finden, nur war es mir unbegreiflich, was ihn bewogen haben könnte, nach Rom zu gehen? oder kam er erst nach ihr hieher? und warum heiraten sie sich nicht, da doch ihre Hand jetzt frei und von niemand abhängig ist?

Ich quälte mich mit diesen Gedanken. Ich hätte so gerne mehr und immer mehr von dem holden Kind erfahren; ich fühlte lebhaft den Wunsch, sie wiederzusehen, zu sprechen; ich wollte ja nicht geliebt werden, nur sehen, nur lieben wollte ich sie. Da fiel mir bei, wie ich dies so leicht möglich machen könnte. Ich durfte ja nur der Schwester des Gesandten sagen, wo sich Luise aufhalte, und dann konnte ich gewiss sein, sie schon in den nächsten Tagen im Hotel des Gesandten zu sehen. Ich tat dies, und mein Wunsch wurde erfüllt."

Ein Bekannter des Herrn von S. gesellte sich hier zu uns und unterbrach zu meinem grossen Ärger die Erzählung. Ich machte noch einige Gänge mit ihnen unter den Arkaden; als ich aber sah, dass der Bekannte sich nicht entfernen wolle, fragte ich den Berliner nach seiner wohnung, und ging, mit dem Vorsatz, ihn am nächsten Morgen zu besuchen. Ich muss gestehen, ich fing an, die geschichte des jungen Mannes weniger anziehend zu finden, weil sie mir in eine gewöhnliche Liebesgeschichte auszuarten schien. Doch zwei Umstände waren es, die mir von neuem wieder Interesse einflössten, und mich bestimmten seine Abenteuer zu hören. Ich erinnerte mich nämlich, wie überraschend sein Anblick, sein ganzes Wesen in Berlin auf mich gewirkt hatten. Es war nicht der gewöhnliche Kummer der Liebe, wie er sich bei jedem Amoroso vom Mühlendamm ausspricht, es war ein Gram, ein tieferes Leiden, das mir um so anziehender dünkte, als es nur ganz unmerklich und leise durch jene Hülle schimmerte, womit die gesellschaftlichen Formen die weinende Seele umgeben. Er schien ein Unglück zu kennen, zu teilen, das ihn unausgesetzt beschäftigte, zu welchem ihn die Erinnerung sogar mitten in einem ästetischen Tee rettungsvoll zurückführte.

Das zweite, was mich zu dem jungen Mann und seinem Abenteuer zog, war die Szene, die ich morgens vor der Peterskirche beobachtet hatte. Ich hatte dort bemerkt, dass er sie mit sehnsucht erwarte; sie war gekommen, aber es schien kein fröhliches Zusammentreffen. Sie schien ihn etwas mit ihren Blicken zu fragen, das er nicht beantworten, sie schien etwas zu verlangen, das er nicht erfüllen konnte; wie schwer musste es ihm werden, in der Ferne zu stehen, und dem holden Mädchen durch keine Silbe zu antworten, er liess sie gehen wie sie gekommen: aber dann sandte er ihr Blicke voll zärtlicher Liebe nach. Warum sagte er ihr nicht auf der Stelle, wie er sie liebe? Welche Gewalt musste sie über ihn ausüben, um ihn in diese engen Schranken einer beinahe blöden Bescheidenheit zurückzuweisen? Wieviel es sie koste, sah ich an ihrem Auge, in welchem eine Träne perlte, als sie weiterging.

Diese fragen drängten sich mir auf, als ich über den jungen Mann und die rätselhafte Dame nachdachte. Wo nicht ein blindes Fatum waltet, und ein Uhrwerk die Gedanken der Sterblichen treibt, da lernt keiner aus, sei er Gott oder Teufel, wohl sagt der Mensch, der kleinlich nur auf die Resultate seiner geschichte sieht: "Es wiederholt sich alles im Leben." Aber wie es sich wiederhole, wie der endliche Geist in seiner kurzen Spanne Zeit wächst und ringt und strebt, und gegen die alte notwendigkeit ankämpft, das ist ein Schauspiel, das sich täglich mit ewig neuem Reize wiederholt; und das Auge, das von Weltintrigen gesättigt, vom Anschauen der Kämpfe grosser massen ermüdet ist, senkt sich gerne abwärts zum kleineren Treiben des einzelnen. Drum möge es keinem jener verehrlichen Leute, für die ich meine Memoiren niederschreibe, kleinlich dünken, dass ich in Rom, wo so unendlich viel Stoff zur Intrige, ein so grosser Raum zu einem diabolischen Festtagsspiel ist, mit einer Liebeshistorie mich befasse – . . . . . . . . . . . .......................................... .......................................... ....................!

Am Abend dieses Tages fuhr ich mit einigen griechischen Kaufleuten auf der Tiber. Wir hatten eine der grösseren Barken bestiegen, und die freien Sitze des Vorderteils eingenommen, weil das Zelt in der Mitte, wie uns die Schiffer