kam ein hoher Prälat der Kirche, der Kardinal Rocco, ein Mann, der schon längst als einer der zweiten Klasse mit dem Prädikat "gut" auf meinen Tafeln verzeichnet ist. Eine grosse majestätische Gestalt voll stolzer Würde; sein weisses Haar, von einem einfachen roten Käppchen bedeckt, stach sonderbar ab gegen ein Gesicht, das man eigentlich reich nennen könnte. Gewölbte Brauen, grosse Augen, eine Adlernase, die Unterlippe etwas übermütig gezogen, das Kinn und die Wangen voll und kräftig. Über das rollende Untergewand trug er einen Talar, dessen eines Ende er in malerischen Falten über den Arm gelegt hatte; das andere Ende hielt in einiger Entfernung hinter ihm herschleichend sein Diener, ebenfalls ein Mönch, ein dürres bleiches geschöpf, dessen tückische Augen nach allen Seiten spähten, ob seine Eminenz von den Gläubigen ehrfurchtsvoll, wie es sich gebührt, begrüsst werden.
Der gang des Kardinals war der gang eines Siegers, und eine solche Erscheinung in diesen Strassen erinnerte nur zu leicht an die Senatoren der "Ewigen Stadt."
"Sehen Sie, wie er hingeht, dieser Pharisäer", flüsterte der junge Mann mit den Zähnen knirschend. "Sehen Sie, wie der Pöbel sich zum Handkuss drängt, mit welcher Würde, mit welcher Grazie er seinen Segen erteilt.
Teaterpossen! wenn diese Leute wüssten, was ich von ihm weiss, sie würden diesem Pharisäer, diesem Verfälscher des Gesetzes die Insignien seiner Würde vom leib reissen, oder sie wären wert, von einem Türken beherrscht zu werden."
"Was bringt Sie so auf! verehrter Freund? Wer ist dieser Ehrenmann? was hat er Ihnen zuleid getan? hängt er mit Ihren Abenteuern zusammen?" Ich musste lange fragen, bis er mich hörte, denn er schaute mit durchbohrenden Blicken der Eminenz nach, und murmelte Verwünschungen wie ein Zauberer.
"Ob ich ihn kenne? ob er mir etwas zuleide getan? Oh! dieser Mensch hat ein Leben vergiftet, ein Herz zu Boden getreten, das – doch Sie werden mehr von ihm hören; es ist der Kardinal Rocco, der Satan ist nicht schwärzer als er; mit seinem roten Hut deckt er alle Sünden zu, aber trotzdem, dass er geweiht ist, wird ihn dennoch der Teufel holen!"
Da hat es gute Wege, dachte ich; Nro. 2, gute Sorte! doch was konnte dieser Berliner gegen Rocco haben; unmöglich konnte ich glauben, dass sein Protestantismus so tief gehe, dass er jeden, der violette Strümpfe trug, in die Hölle wünschen musste. Er hatte sich wieder gesammelt: "Vergeben Sie diese Hitze, Sie werden mir einst recht geben, so zu urteilen, wenn ich Sie erst mit dem Treiben dieser Menschen bekannt mache. Doch jetzt noch einiges zum Verständnis meines Abenteuers. Die geschichte mit – – – war bald abgetan. Er schickte einen Franzosen zu mir, der mir erklärte, dass jener sich in mir geirrt habe und um Verzeihung bitte. Durch ihn erfuhr ich auch, dass Luisens Geliebter früher Offizier, und zwar in ....schen Diensten gewesen sei.
Um diese Zeit kam die Schwester des sächsischen Gesandten nach Rom, sich einige Zeit mit ihrer Familie bei ihrem Bruder aufzuhalten. Ich war am ersten Abend ihres Aufentaltes zufällig zugegen, und – stellen Sie sich einmal mein Erstaunen vor, als ich hörte, wie sie eine andere Dame fragte, ob nicht ein fräulein von Palden hier lebe? Ich wandte mich unwillkürlich ab, um nicht dem ganzen Kreise mein Erröten, mein Entzücken zu zeigen; es war mir etwas so Neues, so Schönes, Luisens Namen aus einem fremden mund zu hören. Jedoch keine der anwesenden Damen wollte von ihr wissen, und ich fühlte mich nicht berufen, unaufgefordert mein Geheimnis mitzuteilen.
Deutsche, besonders Frauen pflegen immer grossen Anteil an Landsleuten zu nehmen; es konnte daher nicht anders sein, als dass man seine Verwunderung laut darüber aussprach, dass ein deutsches fräulein in Rom lebe, die auch keinem von allen bekannt sein sollte? 'Wer ist sie? ist sie schön? wie kommt sie nach Rom?' fragte man einstimmig, und wie lauschte ich, wie pochte mein Herz, endlich über das interessante Wesen etwas zu hören.
Sie erzählte, wie sie in ...t Luisen kennengelernt, die damals durch ihr schönes Äussere, durch ihre Liebenswürdigkeit, ihren Verstand die ganze Stadt beschäftigt, ihre näheren Bekannten bezaubert habe. Um so auffallender sei auf einmal ein Liebeshandel gewesen, der sich zwischen einem Offizier, einem bürgerlichen Subjekt, und der Tochter des Geheimen Rats Palden entspann. Dieser Mensch habe ausser seiner schönen Figur und einem blühenden Gesicht keine Vorzüge, nicht einmal gute Sitten gehabt. Dem Vater sei diese geschichte zu ernstlich geworden, er habe den Offizier zu einem Regiment zu versetzen gewusst, das mit einem teil der französischen Armee nach Spanien bestimmt war. Man habe sich in ....t allgemein gefreut über die Art, wie sich fräulein Palden in diese Wendung fügte; doch bald erfuhr man, dass die Verbindung mit dem Offizier nichts weniger als abgebrochen sei, sondern durch Armeekuriere und dergleichen, Briefe gewechselt werden. Es vergingen so beinahe zwei Jahre. Die Armee kehrte zurück, doch nicht mit ihr jener Offizier. Man sagte in Gesellschaften und in Luisens Nähe, er sei wegen einer Ehrensache aus dem Dienst getreten. Seine Kameraden schwiegen hartnäckig hierüber, doch gab es einige Stimmen im Publikum, die von einer vorteilhaften Heirat,