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Meine zweite Unbesonnenheit schob ich auf die Maskenfreiheit des Karnevals, ich suchte einen Scherz daraus zu machen, ich behauptete, es sei an diesem Abend erlaubt, jede Maske vorzunehmen, und so habe ich die ihres Freundes vorgenommen. Ich glaubte, sagte ich, in diesen Scherz um so eher eingehen zu dürfen, da wir Landsleute sind, und die Deutschen in Rom als Kinder einer Heimat, nur eine grosse Familie sein sollten."

"Eine gefährliche Verwandtschaft!" erwiderte ich dem jungen Berliner, indem ich mich im stillen über seine jesuitische Logik freute; "wie? brachte die Dame nicht das Corpus juris und den – –-– gegen Sie in Anwendung? In Schwaben möchte zur Not ein solches Verwandtschaftssystem gelten, oder bei den Juden, welche Herren und Knechte, Norden und Süden 'unsere Leute' nennen; aber Deutschland? bedenken Sie, dass es in zweiunddreissig Staaten geteilt ist, wo ist da ein Verwandtschaftsband möglich? Wenn Sie sich im Himmel oder in der Hölle treffen, so heissen sie nur Österreicher, Preussen, Hechinger und fürstlich Reussische Landeskinder!"

"Luise mochte auch so denken", fuhr er fort. "Doch nötigte ihr meine Deduktion ein Lächeln ab; es schien ihr angenehm, über diese Punkte so leicht weggehen zu können. Sie klagte sich selbst an, diesen Irrtum veranlasst zu haben, sie vergab, sie erlaubte mir, ihre schöne Hand zu küssen. Doch ihre Blicke wurden wieder düster. Sie sagte, wie sie nur zu deutlich bemerkt habe, dass ich tiefbeleidigt weggegangen sei, dass dieser Streit noch eine gefährliche Folge haben könne. Ihr Auge füllte sich mit Tränen, als sie dies sagte. Sie beschwor mich, ihrem Freund zu vergeben, sie suchte ihn zu entschuldigen, ihn, der sie selbst so tief beleidigt hatte, sie sprach mit so zärtlicher Wärme für den Mann, der so ganz vergessen hatte, dass die wahre Liebe glauben und vertrauen müsse, der so niedrig war, dieser reinen Seele gegenüber gemeine Eifersucht zu zeigen. Ich wäre glücklich, selig gewesen, hätte dieses Mädchen so von mir gesprochen!

Ich fragte sie, ob sie in seinem Auftrag mir dieses sage? Sie war betreten, sie antwortete, dass sie gewiss wisse, dass es ihm leid sei, mir jene Worte gesagt zu haben; ich versprach, wenn er mir dies selbst sagen werde, nicht mehr an die Sache zu denken. Wie heiter war sie jetzt, sie scherzte über ihren Irrtum, sie verglich meine Züge mit denen ihres Freundes, sie glaubte grosse Ähnlichkeit zu finden, und doch schien es ihr unbegreiflich, wie sie nicht an meinen Augen, meiner stimme, an meinem ganzen Wesen ihren Missgriff erkannt habe. Sie rief ihrer Tante zu, dass sie ihren Zweck vollkommen erreicht habe.

Signora Campoco, die während der ganzen Szene am Fenster gesessen, und bald die Leute auf der Strasse, bald ihre Hündchen, bald uns betrachtet hatte, kam freundlich zu mir, dankte für meine gefälligkeit, ihr Haus besucht zu haben, und bemerkte: sie hätte nie geglaubt, dass unsere barbarische Sprache so wohltönend gesprochen werden könne. Sie sehen, ich hatte jetzt nichts mehr in diesem haus zu tun; so gerne ich noch ein Stündchen mit fräulein von Palden geplaudert hätte, so neugierig ich war, ihre Verhältnisse in Deutschland und ihre Lage in Rom zu erfahrender Anstand forderte, dass ich Abschied nahm, mit dem unglücklichen Gefühle Abschied nahm, diese Schwelle nie mehr betreten zu können. Signora, sie hätte sich vielleicht gekreuzt, hätte sie gewusst, dass ein Ketzer vor ihr stehe, Signora empfahl mich der Gnade der Heil. Jungfrau, und Luise reichte mir traulich die Hand zum Scheiden. Ich fragte sie noch, wie der Herr heisse, mit welchem ich das Glück gehabt habe, verwechselt zu werden. Sie errötete und sagte: 'Er will zwar hier nicht bekannt sein und so zurückgezogen als möglich leben, doch warum sollte ich Ihnen seinen Namen verhehlen? Ich möchte so gerne, dass Sie Freunde würden. Er heisst – – – – und wohnt – – – –'"

So, "etwas breit nach Art der lieben Jugend" hatte mir der junge Mann den weiteren Verlauf seines Abenteuers erzählt, ich hörte ihm gerne zu, obgleich nichts peinlicher für mich ist, als eine lamentable Liebesgeschichte recht lang und gehörig breit erzählen zu hören; aber interessant war mir dabei die Art, wie er mir erzählte. Sein ausdrucksvolles Auge schien die Glut seiner Gefühle widerzustrahlen, seine Züge nahmen den Charakter düsterer Wehmut an, wenn er sich unglücklich fühlte, und ein angenehmes Lächeln erheiterte sie, wenn er mir die Reize der jungen Dame zu beschreiben suchte. Plötzlich, als er mir eben erzählte, wie er das Haus der Signora verlassen habe, drückte er meinen Arm fester und brach in einen kleinen Fluch aus. "So muss der Teufel diesen pfaffen doch überall haben", rief er und wandte sich unmutig um. Ich war erstaunt, welchen pfaffen sollte ich denn überall haben? Ich fragte ihn, was ihn so aufbringen könne.

"Sehen Sie nicht hin, sonst müssen wir grüssen", gab er mir zur Antwort, "ich kann ihn nicht ansehen, den Jesuiten."

Ich stellte mich, als befolge ich treulich seinen Befehl, doch konnte ich nicht umhin, einen Seitenblick in die Strasse zu werfen, und sah wirklich ein höchst ergötzliches Schauspiel. Die Strasse herauf