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zusehends."

Der Eifer des guten Professors war mir nun einigermassen erklärlich, der liebe Brotneid schaute nicht undeutlich heraus. –

"Und unsere Damen?" fuhr er fort, "die sind nun rein toll. Mich dauert nur der arme Trübenau, ich kenne ihn zwar nicht, aber übermorgen soll er hier ankommen, und wie findet er die gnädige Frau? Hat man je gehört, dass eine junge gebildete Frau in den ersten Jahren einer glücklichen Ehe sich in ein solches Verhältnis mit einem ganz fremden Menschen einlässt, und zwar innerhalb fünf Tagen!" –

"Wie, die schöne, bleiche Frau dort?" rief ich aus.

"Die nämliche bleiche", antwortete er, "vor vier Tagen war sie noch schön rot, wie eine Zentifolie, da begegnet ihr der Interessante auf der Strasse, fragt, wohin sie gehe, hört kaum, dass sie rouge fin kaufen wolle (denn solche Toilettengeheimnisse auszuplaudern, heisst bon ton), so bittet und fleht er, sie solle doch kein Rot auflegen, sie habe ein so interessantes je-ne-sais-quoi, das zu einem blassen Teint viel besser stehe. Was tut sie? wahrhaftig, sie geht in den nächsten Galanterieladen und sucht weisse Schminke; ich war gerade dort, um ein Pfeifenrohr zu erstehen, da höre ich sie mit ihrer süssen stimme den rauhhärigen Bären von einem Ladendiener fragen, ob man das Weiss nicht noch etwas 'äterischer' habe? Hol mich der T....! hat man je so was gehört?"

Ich bedauerte den Professor aufrichtig, denn wenn ich nicht irrte, so suchte er von Anfang die Aufmerksamkeit der schönen Frau auf den schon etwas verschossenen "Einband seiner gelehrten Seele" zu ziehen. Dass es aber mit Natas und der Trübenau nicht ganz richtig war, sah ich selbst; von der Schminkgeschichte, die jenen so sehr erboste, wusste ich zwar nichts, aber wer sich auf die Exegese der Augen verstand, hatte keinen weitern Kommentar nötig, um die gegenseitige Annäherung daraus zu erläutern.

Der Professor hatte, in tiefe Gedanken versunken, eine Zeitlang geschwiegen; er erhob jetzt sein Auge durch die Brille an die Decke des Zimmers, wo allerlei Engelein in Gips aufgetragen waren; "Himmel", seufzte er, "und die Tingen hat er auch; Sie glauben nicht, welcher Reiz in diesem ewig heitern Auge, in diesen Grübchen auf den blühenden Wangen, in dem Schmelz ihrer Zähne, in diesen frischen, zum Kuss geöffneten Lippen, in diesen weichen Armen, in diesen runden vollen Formen der schwellenden –"

"Herr Professor!" rief ich, erschrocken über seine Ekstase, und schüttelte ihn am Arm ins Leben zurück. "Sie geraten ausser sich, Wertester, belieben Sie nicht eine Prise Spaniol?"

"Er hat sie auch", fuhr er zähneknirschend fort, "haben Sie nicht bemerkt, mit welcher Hast sie vorhin nach seinen Verhältnissen fragte? wie sie rot ward? Jung, schön, wohlhabend, Witwesie hat alles, um eine angenehme Partie zu machen; geistreiche Männer von Ruf in der literarischen Welt, buhlen um ihre Gunst, sie wirft sie an einenLandstreicher hin; ach, wenn Sie wüssten, bester Doktor, was mir neulich der Oberkellner aber mit der grössten Diskretion; dass man ihn vorgestern nachts aus ihrem Zimmer..."

"Ich bitte, verschonen Sie mich", fiel ich ein, "gestehen Sie mir lieber, ob der Wundermensch Sie selbst noch nicht unter den Pantoffel gebracht hat."

"Das ist es eben", antwortete der Befragte verlegen lächelnd, "das ist es, was mir Kummer macht. Sie wissen, ich lese über Chemie; er brachte einmal das Gespräch darauf, und entwickelte so tiefe Kenntnisse, deckte so neue und kühne Ideen auf, dass mir der Kopf schwindelte; ich möchte ihm um den Hals fallen und um seine Hefte und Notizen bitten, es zieht mich mit unwiderstehlicher Geisterkraft in seine Nähe, und doch könnte ich ihm mit Freuden Gift beibringen."

Wie komisch war die Wut dieses Mannes, er ballte die Faust und fuhr damit hin und her, seine grünen Brillengläser funkelten wie Katzenaugen, sein kurzes schwarzes Haar schien sich in die Höhe zu richten.

Ich suchte ihn zu besänftigen; ich stellte ihm vor, dass er ja nicht ärger losziehen könnte, wenn der Fremde der Teufel selbst wäre; aber er liess mich nicht zum Worte kommen.

"Er ist es, der Satan selbst logiert hier in den drei Reichskronen", rief er, "um unsere Seelen zu angeln. Ja, du bist ein guter Fischer, und hast eine feine Nase, aber ein ....r Professor, wie ich, der sogar in demagogischen Untersuchungen die Lunte gleich gerochen, und eigens deswegen hieher nach Mainz gereist ist, ein solcher hat noch eine feinere als du."

Ein heiseres lachen, das gerade hinter meinem rücken zu entstehen schien, zog meine Aufmerksamkeit auf sich; ich wandte mich um, und glaubte Natas höhnisch durch die Scheiben hereingrinsen zu sehen. Ich ergriff den Professor am Arm, um ihm die sonderbare Erscheinung zu zeigen, denn das Zimmer lag einen Stock hoch; dieser aber hatte weder das lachen gehört, noch konnte er meine Erscheinung sehen; denn als er sich umwandte, sah nur die bleiche Scheibe des Mondes durch die Fenster dort, wo ich vorhin das greulich